Wie bonitätsstark ist ein Unternehmen? Diese Frage beantwortet die KfW Ipex-Bank unter anderem mithilfe der digitalen Jahresabschlussanalyse.

KfW

25.09.18
CFO

So nutzt die KfW die digitale Jahresabschlussanalyse

Wie robust sind die Finanzen von Kunden und Lieferanten? Viele Unternehmen suchen die Antwort in einer Jahresabschlussanalyse. Die Digitalisierung verändert diese Arbeit jetzt massiv.

Wie kreditwürdig ist ein Unternehmen? Wie zahlungskräftig ist ein Lieferant? Um die Performance eines Kunden, Geschäftspartners oder Übernahmekandidaten wirklich gut beurteilen zu können, nehmen Unternehmen häufig deren Jahresabschlüsse genau unter die Lupe – und zwar nicht nur den aktuellsten, sondern auch die Abschlüsse der vergangenen Jahre. Ziel ist, sich ein möglichst unverfälschtes Bild von der Entwicklung und Robustheit der Ergebnisse zu verschaffen. Bei dieser Übung kommen schnell große Datenmengen zusammen.

„Jahresabschlussanalysen waren schon immer ein wichtiger Teil von Unternehmensbewertungen, doch die Herangehensweise hat sich in den vergangenen Jahres stark verändert“, meint Henning Rahlf, Head of Business Development Credit & Surety bei dem Beratungs- und Softwarehaus Prof. Schumann. „Früher wurden riesige Papierberge bewegt, die relevanten Positionen herausgesucht, manuell bereinigt und dann analysiert. Das Erfassen der Zahlen war eine eher monotone Arbeit, die Fehlerwahrscheinlichkeit entsprechend hoch.“

Mit digitaler Abschlussanalyse zur Bonitätsbestimmung

Doch die Digitalisierung verändert auch diesen Bereich – spezielle Tools übernehmen inzwischen einen Großteil dieser Arbeit. So auch bei der KfW Ipex-Bank, die internationale Projekt- und Exportfinanzierungen innerhalb der KfW-Bankengruppe verantwortet. Um die Bonität der kreditanfragenden Unternehmen bewerten zu können, nutzt sie schon seit vielen Jahren Tools zur digitalen Jahresabschlussanalyse, berichtet Sebastian Möller, Director Aviation & Rail bei der KfW Ipex-Bank.

Das Tool ist dabei vollständig in die Rating-Prozesse und die Softwarelandschaft integriert. „Die Daten aus den Jahresabschlüssen werden digital erfasst. Auf Basis dessen werden Kennzahlen gebildet, die wiederum in den Rating-Algorithmus, der zentral auf unserem Hauptsystem liegt, fließen. Dieser verdichtet alle Information schließlich zu einem Rating, das wir für die Einschätzung der Bonität brauchen“, erklärt er das Vorgehen.

KfW Ipex nutzt Benchmark-Analyse

Während früher einzelne Teilschritte noch manuell erfolgten – zum Beispiel das Eintragen der relevanten Daten in entsprechende Vorlagen –, sind auch diese inzwischen vollautomatisiert. „Dadurch gibt es keine Medienbrüche mehr, und die gesamte Prozesssicherheit steigt“, so Möller. Für das Geldinstitut war das seinerzeit der wichtigste Grund, auf die digitalisierte Jahresabschlussanalyse umzusteigen. Die Zeitersparnis etwa kam erst an zweiter Stelle.

Hinzu kommt, dass die Analyse der Abschlüsse in der Regel keine einmalige Sache ist. Da die meisten Projekte der KfW Ipex-Bank über mehrere Jahre laufen, muss die wirtschaftliche Entwicklung der Unternehmen über die gesamte Dauer betrachtet werden – auch durch unterjährige Abschlüsse wie Halbjahres- oder Quartalsberichte. Diese Analysen jedes Mal aufs Neue manuell durchzuführen, wäre ein großer Aufwand.

„Wir profitieren außerdem davon, dass wir mit dem Tool ein Benchmarking durchführen können: Es erstellt innerhalb kurzer Zeit Ratings von ähnlichen Unternehmen und zeigt uns, wie das von uns bewertete Unternehmen im Vergleich zur Konkurrenz tatsächlich dasteht“, ergänzt Sebastian Möller.

Manuelle Arbeit ist nicht ganz vermeidbar

„Die gesamte Prozesssicherheit steigt.“

Sebastian Möller, KfW Ipex-Bank

Befeuert wurde die Automatisierung bei der Jahresabschlussanalyse in den vergangenen Jahren vor allem dadurch, dass immer mehr Unternehmen ihre Geschäftsberichte inzwischen digital vorlegen. Um an die Daten zu kommen, greift die KfW Ipex-Bank auf die Datenbank eines Anbieters zu, der die Jahresabschlüsse digitalisiert und die Zahlen in einem bestimmten Raster erfasst. „Das Raster ist zum Teil an unseres angepasst, dadurch müssen wir kaum Änderungen vornehmen“, sagt Möller.

Ein paar Kinderkrankheiten gibt es aber trotzdem noch: „Manche Daten, zum Beispiel bei Abschlüssen ausländischer Unternehmen, passen nicht in unsere Struktur, da müssen wir doch wieder manuell arbeiten.“ Um das Problem zu lösen, will die KfW Ipex-Bank das Raster noch weiter verfeinern.

Software ist nur so gut wie Datenqualität

Die Bereinigung und die Strukturierung der Daten ist wichtig, sonst kann das Tool keine guten Ergebnisse liefern. Hinzu kommt die Schwierigkeit, dass viele Unternehmen wichtige Angaben nur in den Anhängen veröffentlichen, für das Tool aber nur die Werte aus den Bilanzen sowie den Gewinn- und Verlustrechnungen strukturiert vorliegen.

„Am Ende ist die Software nur so gut wie die Qualität der Daten – und in manchen Fällen lässt diese zu wünschen übrig“, sagt Henning Rahlf von Prof. Schumann. Gerade wenn Unternehmen nicht am Kapitalmarkt sind und daher keine umfangreichen Abschlüsse veröffentlichen müssen, wird es schwierig, den Analyseprozess zu digitalisieren. „Viele Mittelständler veröffentlichen im Bundesanzeiger nur das Nötigste – hier werden dann andere Analysemethoden benötigt, als wenn das Zahlenmaterial vollständig wäre“, so der Berater.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de