Axa-Deutschland-CFO Nils Kaschner ist von Excel auf die Cloud umgestiegen. Im nächsten Schritt möchte er künstliche Intelligenz im Controlling einsetzen.

Axa

13.09.18
CFO

Wie Axa seine Planung in die Cloud verlagert hat

Der Versicherungskonzern Axa wollte weg von Excel-basierter Planung. Den Sprung in die Cloud hat Axa-Deutschland-CFO Nils Kaschner bereits bewältigt. Doch das soll erst der Anfang sein.

Eine Planungswelt, wie sie bei Axa Deutschland noch vor fünf Jahren anzutreffen war, dürften einige andere Finanzabteilungen auch kennen: Verschiedene Excel-Tabellen, unterschiedliche Darstellungsweisen, Brüche zwischen den Datensätzen. Demgegenüber stand das immer schnellere Tempo, in dem sich Märkte und Situationen verändern. „Kapitalanlage-Szenarien ändern sich laufend, Simulationen zu Kostenentwicklungen müssen regelmäßig überprüft werden, die Dynamik insgesamt wird immer schneller“, fasst Axa-Deutschland-CFO Nils Kaschner die Herausforderungen zusammen.

Die Excel-Lösungen stießen zunehmend an Grenzen: Zu viel Zeit verbrachten Mitarbeiter mit Dateneingabe und -pflege, zu wenig mit Analyse und Simulation. „In den Sparten wird anders auf die Zahlen geschaut als im Vertrieb, der eine möchte auf das Produkt heruntergebrochene Zahlen, der nächste auf Regionen – das alles immer in Excel zu übersetzen ist extrem mühsam“, sagt Kaschner, der im Unternehmen auch für den Bereich Datenstruktur verantwortlich ist. Vor gut drei Jahren begann er, eine neue Struktur aufzubauen.

Axa setzt Planungsprozess neu auf

Die neuen Planungsprozesse in der Finanzabteilung von Axa Deutschland sind Teil eines groß angelegten Transformationsprozesses, den der Versicherungskonzern weltweit angestoßen hat. Das übergeordnete Ziel: die Steuerung verbessern und den Konzern zukunftsfähig aufstellen. „Mehr Sichtbarkeit in Planung und Controlling zu schaffen, ist ein Puzzleteil dieses Ganzen“, sagt Kaschner.

Der CFO wollte eine Struktur, in der verschiedene Planungsparameter auch verknüpft werden können. Axa entschied sich letztlich für eine Cloud-basierte Lösung des Anbieters Anaplan. Im Unterschied zu Softwaretools von anderen Anbietern wie IBM oder SAP muss die Cloud-Lösung nicht in die Axa-IT integriert werden. „Wir wollten kein Mammutprojekt, bei dem wir großen Programmieraufwand haben und für jede Änderung einen IT-Kollegen einbinden müssen“, begründet Kaschner die Wahl. 

„Wir wollten kein Mammutprojekt.“

Nils Kaschner, CFO Axa Deutschland

Kostencontrolling macht den Anfang in der Cloud

Für ihn bietet die Cloud den Vorteil, dass er mit einzelnen Datensätzen starten und den Bestand nach und nach erweitern kann. „Wir haben zunächst mit dem Kostencontrolling begonnen“, berichtet er. Die Mitarbeiter geben ihre Daten inzwischen direkt in der Anaplan-Umgebung ein. Für jeden Nutzer zahlt Axa eine Lizenzgebühr an Anaplan – je mehr Nutzungsrechte ein User hat, umso höher die Gebühr.

Seit drei Jahren sind mehr und mehr Datensätze von Excel in die Cloud umgezogen. Die Mitarbeiter wurden geschult, jeder kann nun die Daten bearbeiten, die er benötigt – egal, ob er eine Sparte, ein Produkt oder eine Region in den Fokus stellen möchte. Für Analysen können aber auch verschiedene Planungsparameter verknüpft werden, Veränderungen in einem Datensatz werden in den übrigen gespiegelt. Szenarien, deren Berechnung früher Tage dauern konnte, liegen nun binnen einer Stunde vor. 

Kaschners Vision geht sogar noch einen Schritt weiter: „In einem zweiten Schritt würde ich gern mit künstlicher Intelligenz arbeiten und Algorithmen dazu befähigen, dass sie auf Basis unserer Daten und externer Informationen realistische Vorhersagen und Szenarien ableiten.“ Das Planungstool sei ohnehin nie fertig, sondern werde kontinuierlich verbessert.

Unternehmen werden Cloud gegenüber offener

Inzwischen ist der Axa-Deutschlandstandort neben der Konzernzentrale in Paris das zweite globale Kompetenzzentrum für die Anaplan-Nutzung – auch wenn die Euphorie am Anfang nicht bei jedem Mitarbeiter groß war: „Man muss gut kommunizieren, dass die Excel-basierten Lösungen vorher keinesfalls falsch waren“, betont der Finanzchef. „Es gibt eben nur inzwischen technisch ausgefeiltere Möglichkeiten, etwa in der Cloud.“

Die Offenheit gegenüber Cloud-Lösungen hat in den zurückliegenden Jahren generell stark zugenommen, beobachtet Michael Teufel, Senior Marketing Manager für die DACH-Region bei Anaplan: „Die Unternehmen haben ein besseres Verständnis von Cloud-Angeboten und nehmen sie viel stärker an.“ Wichtig ist seinen Kunden in Deutschland die Datensicherheit: „Bei uns liegen die Daten in Europa und bleiben dort auch, zudem können Kunden zusätzlich eine eigene Verschlüsselungstechnologie nutzen. Damit sind die wichtigsten Bedenken in der Regel ausgeräumt.“ 

„Die Unternehmen haben ein besseres Verständnis von Cloud-Angeboten.“

Michael Teufel, Anaplan

Bei Axa ist die Cloud-basierte Planung inzwischen weltweit im Einsatz – und die Standorte tauschen sich untereinander über ihre Erfahrungen aus: „Man muss sich das vorstellen wie einen App-Store: Wenn ein Kollege aus Deutschland ein Modell in Anaplan gebaut hat, das er für gelungen hält, kann er es Kollegen in anderen Regionen zur Verfügung stellen“, sagt Kaschner. Er sieht in der Finanzabteilung noch viel Potential für den Einsatz von Cloud-basierten Plattformen. „Die Cloud wird bald eine Commodity sein. Ich höre von vielen Kollegen, dass auch ihre Reise dort hingeht.“

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Mehr über den Werdegang des Axa-Finanzchefs finden Sie im Steckbrief zu Nils Kaschner