Jobantritt bei Bayern München: Bestelltes Feld für Neu-CFO Jan-Christian Dreesen.

Richard Bartz

01.02.13
CFO

Bayern-CFO Dreesen muss Ausgabenorgie bremsen

Heute ist ein großer Tag für Jan-Christian Dreesen – er beginnt seinen neuen Job als CFO des FC Bayern München. Der Rekordmeister kann vor Finanzkraft kaum laufen. Doch Uli Hoeneß‘ berühmtes Festgeldkonto ist längst nicht mehr so prall gefüllt, wie es das schon mal war.

Die Mitarbeiter der Geschäftsstelle des FC Bayern München müssen sich in diesen Wochen an viele neue Gesichter gewöhnen. Nachdem vor einem halben Jahr mit Matthias Sammer ein neuer Sportvorstand angeheuert hat und sich Macher Uli Hoeneß immer mehr auf seine Aufsichtsratsfunktion zurückzieht, kommt es heute auch noch zu einem einschneidenden Wechsel im Finanzressort: Nach 30 Jahren räumt FC-Bayern-CFO Karl Hopfner seinen Stuhl für den früheren Firmenkundenbanker Jan-Christian Dreesen.

Eigentlich sollte Dreesen schon zu Jahresbeginn den CFO-Posten beim deutschen Rekordmeister übernehmen, doch sein früherer Arbeitgeber – die BayernLB – war nicht bereit, ihn so schnell ziehen zu lassen. Angeblich soll es einer Intervention von Uli Hoeneß bei dem bayerischen Finanzminister Markus Söder bedurft haben, um Dreesen vor Ablauf seiner Kündigungsfrist am 1. April zum FC Bayern zu lotsen.

Reichlich Glamour, wenig CFO-Tagesgeschäft

Bei den Bayern findet der 46-Jährige ein bestelltes Feld vor. Im November legte Hopfner für die abgelaufene Spielzeit eine neue Rekordbilanz vor: Der Konzernumsatz (inklusive Allianz Arena) kletterte um mehr als 10 Prozent auf den neuen Rekordwert von 373,4 Millionen Euro. Der operative Gewinn (EBITDA) schrammte mit 86,0 Millionen Euro nur haarscharf an dem Rekordwert von 86,5 Millionen Euro vorbei, den der FC Bayern in der Saison 2009/10 erzielte. Einem Eigenkapital in Höhe von 278,3 Millionen Euro stehen so gut wie keine Schulden gegenüber, die Eigenkapitalquote von 77,5 Prozent bejubelte der scheidende CFO Hopfner in seiner HV-Rede als „einmalig im Weltfußball“.

Dass genügend Geld da ist, wird dem Ex-Banker Dreesen den Start erleichtern. Der neue Finanzchef muss weder Prozesse optimieren noch Kosten senken. Stattdessen bietet der neue Job reichlich Glamour. Doch ganz so leicht kann es sich Dreesen nicht machen, denn es gibt deutliche Hinweise, dass die Finanzkraft des FC Bayern ihren Zenit fürs Erste überschritten haben könnte.   

Rekordtransfer und Edeltrainer

Das hohe Umsatzniveau werden die Bayern trotz eines laut Vereinsboss Karl-Heinz Rummennigge herausragenden ersten Halbjahres wohl nur dann noch einmal nennenswert ausbauen können, wenn die Mannschaft das Kunststück der Vorsaison wiederholt und erneut bis in die Schlussphase der Champions League vordringt. Auf der Kostenseite wird sich der Transfer des spanischen Mittelfeldspielers Javier Martinez bemerkbar machen, für den die Bayern eine Rekordablösesumme von 40 Millionen Euro an Atletico Bilbao überwiesen haben.

Im Sommer tritt mit Pep Guardiola auch ein neuer Edelcoach an, dessen Trainerteam ein Vielfaches des aktuellen Trainerstabs um Jupp Heynckes kosten wird. So werden die Personalkosten, die im vergangenen Geschäftsjahr bereits von 156,3 auf 165,6 Millionen Euro angestiegen sind, aller Voraussicht nach noch weiter anschwellen.

CFO Dreesen muss die Alphatiere in Schach halten

Der Kurs der Bayern-Führung, die Mannschaft weiter zu verstärken, um endlich wieder die Champions League zu gewinnen, zeigt Spuren in der Bilanz. Der Saldo auf dem  berühmten Festgeldkonto des FC Bayern nimmt ab.

In der vergangenen Saison schmolz das Umlaufvermögen, dessen größter Posten die Liquidität ist, von 159,3 auf 127,2 Millionen Euro ab. Die freie Liquidität, die CFO Karl Hopfner in dem Bilanzauszug 2010/11 noch mit 129,1 Millionen Euro angab, wurde im aktuellen Abschluss nicht mehr beziffert. Analog zur Entwicklung des Umlaufvermögens könnte der Kontostand des Festgeldkontos sogar unter die Marke von 100 Millionen Euro gerutscht sein, und in dieser Zahl sind die Ausgaben für den Martinez-Transfer noch gar nicht enthalten.

Dreesen muss diese Entwicklung im Auge behalten – und er wird sich schnell ein dickes Fell zulegen müssen. Als CFO muss er sich gegen die Ex-Spieler und Alphatiere Sammer, Rummenigge, Hoeneß und Breitner behaupten. Sie alle sind hungrig nach Titeln.

Immerhin könnte sich Dreesen bei einem möglichen Sparkurs auf eine Finanzkompetenz im Aufsichtsrat stützen wie wohl kaum ein zweiter CFO in Deutschland. Im Gremium sitzen unter anderem VW-Chef Martin Winterkorn, Audi-Chef Rupert Stadler, Adidas-Lenker Herbert Hainer und Telekom-CFO Tim Höttges – Top-Manager, denen Dreesen als Firmenkundenchef der Bayern LB mit Sicherheit bei weitem nicht so oft begegnet wäre wie demnächst als Finanzchef des FC Bayern. Für Dreesen beginnt heute die wahrscheinlich aufregendste Zeit seines Lebens.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de  

Mehr Hintergründe zur Finanzlage des FC Bayern halten wir auf unserer Themenseite zu Bayern München für Sie bereit.