Deutsche Wohnen

10.11.15
CFO

CFO Andreas Segal scheidet bei der Deutsche Wohnen aus

CFO Andreas Segal und die Deutsche Wohnen gehen getrennte Wege. Segal verabschiedet sich mit Rekordzahlen für die ersten drei Quartale dieses Jahres. Seine Aufgaben Übernehmen CEO Michael Zahn und Lars Wittan, der vor dem Merger mit der GSW bereits die Finanzen der Deutschen Wohnen geleitet hatte.

Deutschlands zweitgrößter Immobilienkonzern Deutsche Wohnen und CFO Andreas Segal gehen ab morgen getrennte Wege, wie das Unternehmen bei der Verkündung der Neun-Monats-Zahlen bekannt gab. Gründe für den plötzlichen Abgang nannte die Deutsche Wohnen nicht, es hieß lediglich, die Trennung sei in beiderseitigem Einvernehmen erfolgt. Segals Aufgaben sollen künftig CEO Michael Zahn und CIO Lars Wittan übernehmen.

Damit wird Segals Vorgänger auch sein Nachfolger, denn Wittan war vor dem Zusammenschluss mit GSW-Immobilien bereits für kurze Zeit Finanzchef bei der Deutschen Wohnen, musste dann jedoch seinen Platz für den vormaligen GSW-Co-CEO Segal räumen. Der Aufsichtsratsvorsitzende Uwe Flach dankte Segal ausdrücklich für seine Erfolge in den vergangenen beiden Jahren. Unter Segal erhielt die Deutsche Wohnen ein Kredit-Rating und begab die erste Unternehmensanleihe der Firmengeschichte. Insgesamt refinanzierte Segal mehr als 3 Milliarden Euro und setzte zudem eine Kapitalerhöhung über rund 1 Milliarde Euro um.

CFO Andreas Segal verabschiedet sich mit Rekordzahlen

Segal verlässt den Immobilienkonzern mit den nach eigenen Angaben besten Neun-Monats-Zahlen der Unternehmensgeschichte: Der Konzerngewinn im dritten Quartal kletterte gegenüber dem Vorjahr von 144,9 Millionen Euro auf 521,7 Millionen Euro und hat sich damit mehr als verdreifacht. Gleichzeitig sank der Verschuldungsgrad (Loan to Value Ratio) von 51 Prozent zum 31. Dezember 2014 auf nun 41,4 Prozent.

Das Portfolio der Deutschen Wohnen, das mehr als 149.000 Wohn- und Gewerbeeinheiten umfasst, wird mit einem Fair Value von 10,7 Milliarden Euro bewertet. Die Mieten stiegen im Vergleich zum Vorjahr von 469,3 Millionen Euro auf 473,1 Millionen Euro, das operative Ergebnis wuchs um 5,8 Millionen Euro und betrug Ende des dritten Quartals 360,3 Millionen Euro.

Die Deutsche Wohnen profitierte laut eigenen Angaben zum ersten Mal von Synergieeffekten aus der GSW-Übernahme sowie vom Anlageboom bei Immobilien, der das Verkaufsergebnis gegenüber dem Vorjahreswert von 38,8 Millionen Euro auf 60,8 Millionen Euro nach oben schraubte.

Deutsche Wohnen vor Übernahme durch Vonovia

Die Trennung von Segal kommt in einer Zeit, in der die Deutsche Wohnen in eine Reihe komplexer M&A-Pläne verwickelt ist. Die Deutsche Wohnen sieht sich gerade mit einer Offerte des Platzhirschs Vonovia konfrontiert. Dabei hatte die Deutsche Wohnen eigentlich geplant, selbst als Konsolidierer aufzutreten: Ursprünglich wollte die Deutsche Wohnen vor wenigen Wochen Deutschlands Nummer Drei, die LEG-Immobilien übernehmen. Während dieser Zeit war Segal allerdings zu einer schon seit langem geplanten Fortbildung in den USA, ein Punkt, den einige Investoren kritisch gesehen haben. So war es in erster Linie CEO Michael Zahn, der auf der Roadshow den Investoren den geplanten Kauf der LEG zu erläutern versuchte.

Doch Vonovia grätschte dazwischen und unterbreitete ihrerseits den Aktionären der Deutschen Wohnen ein Übernahmeangebot – unter der Voraussetzung, dass diese von der LEG-Transaktion abrücken. Dies taten sie wenig später dann auch. Der Vorstand gab dem Druck der Aktionäre nach und blies den LEG-Deal ab

Bei Vonovia hütet seit Januar 2011 Stefan Kirsten die Finanzen. Sollte Vonovia tatsächlich mit dem Übernahmeangebot für die Deutsche Wohnen Erfolg haben, wäre Kirsten der klare Favorit auf den Posten des Finanzchefs für den neuen Gesamtkonzern.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de