Der Onlinehändler Westwing bekommt einen neuen CFO: Sebastian Säuberlich löst zum April den aktuellen Finanzchef Florian Drabeck. Für Westwing ist das ein personeller Einschnitt, ist Drabeck doch ein Mitarbeiter der ersten Stunde. Schon seit der Unternehmensgründung 2011 ist er an Bord, seit September 2013 ist er Finanzchef.
Der promovierte Mathematiker hat wie viele Manager aus dem Start-up-Umfeld von Rocket Internet einen Hintergrund als Unternehmensberater – vor Westwing arbeitete er für Bain. Drabeck, der in seinem FINANCE-Köpfe-Steckbrief als Hobby „Kapitalmarkt“ angibt, baute die Finanzabteilung von Westwing auf und brachte das Onlineportal, auf dem Möbel und Wohnaccessoires kaufen können, im Oktober 2018 an die Börse. Der IPO brachte Westwing einen Erlös von über 100 Millionen Euro.
Säuberlich ist Drabecks rechte Hand
Neu-CFO Stefan Säuberlich wirkt wie der natürliche Nachfolger für Drabeck. Er stieß 2014 als Manager im Einkaufs- und Operations-Bereich zu Westwing, wo er schnell die Verantwortung für den Aufbau des Private-Label-Geschäfts übernahm. Diese Produkte sind ein wichtiger Bestandteil von Westwings Plänen, die Rohertragsmargen zu erhöhen.
Seit einem Jahr ist Säuberlich stellvertretender Konzern-CFO und außerdem Finanzchef der in DACH ansässigen Einheiten. CFO-Erfahrung sammelte er schon vor seiner Zeit bei Westwing als Finanzchef der Confiserie Heilemann.
Westwing steht unter Druck, Säuberlich muss liefern
In seiner neuen Rolle bei Westwing wird Säuberlich von Beginn an „liefern“ müssen, denn die Zahl der Skeptiker gegenüber dem Ex-Rocket-Start-up ist groß. Seit dem Börsengang hat Westwing die Erwartungen mehrmals verfehlt, die jüngste Gewinnwarnung gab es im September. Viele Investoren sorgen sich, dass die hohen Werbeausgaben, die Westwing tätigt, nicht mehr in ausreichendem Maße greifen. Die Folge: Zu 18 Euro an die Börse gekommen, notiert die Westwing-Aktie inzwischen bei unter 4 Euro. Der Börsenwert ist auf 80 Millionen Euro gesunken.
Wenig Zutrauen vom Markt: Die Westwing-Aktie seit dem IPO 2018
Ein Fixpunkt bei Säuberlichs Arbeit dürfte das Cash-Management werden. 2019 hat Westwing wieder rund 25 Millionen Euro verbrannt. Dadurch sank der Kassenbestand zum Jahresende auf 73 Millionen Euro. Gleichwohl brachte das vierte Quartal einen Hoffnungsschimmer: Sowohl der Cashflow als auch das bereinigte Ebitda seien positiv gewesen, vermeldete Westwing vor zwei Wochen.
Das neue Geschäftsjahr dürfte wegweisend für Westwing werden. Die Investoren erwarten eine Reduktion des Cash-Burns und gleichzeitig eine Revitalisierung des Umsatzwachstums. Als CFO mit Operations-Hintergrund dürfte Säuberlich mit diesem unternehmerischen Spagat vertraut sein.