09.01.15
CFO

Homann: CFO Jan-Peter Nissen geht, Mittelstandsanleihe unter Druck

Noch kein Jahr ist Jan-Peter Nissen CFO beim Holzfaserplattenanbieter Homann, da verlässt er das Unternehmen schon wieder. Aber nicht nur der CFO-Wechsel, auch die von Firmenchef Fritz Homann geplanten Finanztransaktionen setzen die Mittelstandsanleihe schwer unter Druck.

Turbulente Zeiten für den Holzfaserplattenanbieter Homann: Erst vor wenigen Monaten musste Homann von Creditreform eine erneute Ratingherabstufung auf B hinnehmen, jetzt hat CFO Jan-Peter Nissen das Unternehmen verlassen. Die Zusammenarbeit mit Nissen wurde „im gegenseitigen Einvernehmen“ beendet, er wolle sich künftig „anderen unternehmerischen Vorhaben“ zuwenden, verkündete das Unternehmen heute Nachmittag.

Nissen ist nicht einmal ein Jahr lang CFO gewesen. Erst im Mai 2014 kam er zum Unternehmen, kurz nachdem die Ratingagentur Creditreform Homann zum zweiten Mal binnen sechs Monaten herabgestuft hatte. Der CFO-Posten war damals extra geschafft worden, zuvor hatte CEO Fritz Homann die Finanzen in Personalunion mitverantwortet. Der Unternehmer wird die Finanzen jetzt auch wieder übernehmen, das Unternehmen setzt nun auf seine „langjährig etablierten Management-Strukturen“, wie es in der Pressemitteilung heißt. Einen Nachfolger wird es nicht geben, bestätigte das Unternehmen FINANCE gegenüber.

Anleger der Mittelstandsanleihe von Homann verunsichert

Der schnelle Abgang des auch für die Verbesserung der Kapitalmarktkommunikation geholten Finanzchefs Nissen wird nicht zur Beruhigung der Investoren der Mittelstandsanleihe beitragen. Diese befinden sich ohnehin schon in Alarmstimmung, seit Anfang des Jahres ist der Kurs in einem scharfen Sinkflug: Notierte die Mittelstandsanleihe am 31. Dezember noch knapp über 90, ist sie inzwischen auf 76 Prozent vom Nennwert abgestürzt.

Die Anleihe, die im Dezember 2012 begeben wurde, hat nach zweimaliger Aufstockung ein Volumen von 100 Millionen Euro und einen Kupon von 7 Prozent. Neben der Entwicklung des operativen Geschäfts seien auch Presseberichte Schuld an der Verunsicherung der Anleger, klagt Fritz Homann: „Die aktuelle Presseberichterstattung vermittelt ein unzutreffendes Bild der Homann Holzwerkstoffe-Gruppe“.

Auch mit der Einschätzung seiner Ratingagentur zeigt sich Homann nicht einverstanden: „Bei der Geschäftsführung herrscht Unverständnis, wir folgen der Einschätzung der Creditreform nicht“, erklärte er im Zusammenhang mit einer der zahlreichen Rating-Downgrades, die Homann im vergangenen Jahr hinnehmen musste. „Das Rating spiegelt in keiner Weise die nachhaltige stabile Aufstellung des Unternehmens wider“, behauptete Fritz Homann Ende Oktober.

Verschuldung und Eigenkapitalquote bei Homann problematisch

Creditreform begründete die jüngste Herabstufung im Oktober mit einer „Vielzahl finanzieller, operativer und marktbezogener Risiken“, wie es im Ratingbericht heißt. Vor allem die Verschuldung sei ein Problem.  Die Nettofinanzverschuldung lag zum 30. September 2014 bei 142 Millionen Euro, was dem achtfachen des erwarteten Ebitda entspreche.

Bedenklich niedrig ist auch die Eigenkapitalquote des Unternehmens: Im Halbjahresbericht 2014 lag sie bei 9,7 Prozent. Die Eigenkapitalquote will Homann nun aber unter anderem „durch die Hebung von stillen Reserven“ stärken. Nicht betriebsnotwendiges Vermögen soll verkauft werden.

Homann versucht, sich gegen den Negativtrend zu stemmen. Im Zusammenhang mit dem Abgang seines Finanzchefs kritisierte er nicht nur die Berichterstattung über sein Unternehmen, sondern warb auch um das Vertrauen seiner Geldgeber. Die  vorläufigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2014 lägen in Bezug auf Umsatz und das operative Ergebnis über Vorjahr. Zudem soll in wenigen Wochen ein neues Werk in Polen eröffnet werden, von dem sich Homann nennenswerte Gewinnbeiträge erhofft.

julia.becker[at]finance-magazin.de