Der neue Vorstand von Innogy: Bernhard Günther, Leo Birnbaum und Christoph Radke (v.l.n.r.).

Innogy

14.10.19
CFO

Innogy-CFO Bernhard Günther darf bleiben

Eine der letzten Führungsfragen bei E.on/Innogy ist geklärt: Bernhard Günther bleibt CFO von Innogy – und verzichtet damit auf eine millionenschwere Abfindung.

Wichtige personelle Weichenstellung bei Innogy: Während CEO Uwe Tigges, Netzvorstand Hildegard Müller sowie die weiteren Vorstände Arno Hahn, Martin Herrmann und Hans Bünting allesamt ihren Abschied verkündet haben, bleibt Finanzchef Bernhard Günther als Einziger aus dem alten Team an Bord.

Zusätzlich zum neuen, alten Posten erhält der 52-jährige zukünftig sogar auch noch das Personalressort zugeteilt. Dies geschieht im Zuge einer Verschlankung des Innogy-Vorstands auf fortan nur noch drei Personen. Neuer Chef von Innogy wird der E.on-Vorstand Leonhard Birnbaum. Der frühere McKinsey-Berater und Ex-Strategiechef des Konkurrenten RWE übernimmt außerdem noch das Netz- und Vertriebsgeschäft. Dritter im Bunde ist Christoph Radke, dem das Geschäft mit Erneuerbaren Energien, alle Rechts- und Compliance-Themen sowie der Einkauf anvertraut werden.

Gemeinsame Vergangenheit von Günther und Birnbaum

Die neue personelle Konstellation an der Innogy-Spitze ist interessant: Birnbaum und Günther kennen sich schon aus ihrer gemeinsamen Zeit bei RWE. Im Jahr 2013 saßen beide dort im Vorstand. Auch in der jüngeren Vergangenheit haben sie eng zusammengearbeitet und als Vertreter von E.on und Innogy die Integrationsteams der beiden Konzerne geleitet.

E.on-Chef Johannes Teyssen setzt darauf, dass die beiden Manager auch weiterhin gut miteinander auskommen werden, denn die anstehenden Integrationsaufgaben sind heikel, will E.on doch Kostensynergien von bis zu 800 Millionen Euro pro Jahr heben. „Leo Birnbaum und Bernhard Günther haben bei der Vorbereitung der Integration von Innogy vertrauensvoll zusammengearbeitet und sehr gute Ergebnisse erzielt,“ sagte Teyssen.

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Dr. Bernhard Günther, Innogy SE

Von 1993 bis 1998 ist Günther in der Unternehmensberatung McKinsey tätig, zuletzt als Projektleiter, anschließend wechselt Günther zu RWE. Die ersten zwei Jahre arbeitet er als Abteilungsleiter des Konzerncontrollings und wechselt 2001 als Bereichsleiter für Unternehmensplanung und Controlling zu RWE Power. 2005 wird er zum Bereichsleiter Konzerncontrolling von RWE befördert.

2007 bis 2008 ist Günther Geschäftsführer und CFO der RWE Gas Midstream. In dieser Position verantwortet er die Bereiche Finance & Reporting, Project Controlling & Valuation, Back Office, IT, Integration & Organisation, Legal & Compliance, sowie Risk. Darüber hinaus vertritt er in Personalunion als Geschäftsführer sowie CFO der RWE Trading in den Jahren 2007 und 2008 die Bereiche Finance & Reporting, Project Controlling & Valuation, Back Office und IT.

Günthers Laufbahn im RWE-Konzern geht weiter. Von 2008 bis 2012 leitet er als Geschäftsführer und CFO der RWE Supply& Trading die Bereiche, Finance, Risk, Back Office, Project Valuation & Control, IT, Legal & Compliance sowie Business Change Management . Im Juli 2012 steigt er in den Konzernvorstand auf und wird im Januar 2013 zum Finanzvorstand ernannt. Im Zuge der Aufspaltung des Energiekonzerns wird Günther im April 2016 CFO der RWE-Tochter Innogy, in der vor allem das Geschäft mit erneuerbaren Energien gebündelt wird. Die RWE-Finanzen übernimmt nach dem Innogy-IPO im Oktober des gleichen Jahres Markus Krebber.

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Günther lässt Change-of-Control-Klausel verfallen

Der nächste wichtige Meilenstein ist der vollständige Ausschluss der Minderheitsaktionäre von Innogy (Squeeze-out). Dazu dürfte es spätestens in der ersten Jahreshälfte 2020 kommen. Mit dem Ende von Innogys Börsennotierung könnten auch im Vorstand die personellen Karten noch einmal neu gemischt werden. Nach dem Abschluss der kompletten Integration dürfte auch Teyssen seinen Rückzug antreten. Die jetzige Bestellung zum Innogy-Chef macht Birnbaum zu einem der ersten Anwärter für seine Nachfolge.

Bernhard Günthers Vertrag läuft noch bis zum März 2021. Mit seinem Verbleib war nicht unbedingt gerechnet worden, da praktisch alle wichtigen Führungspositionen in dem neu geschaffenen Konzern von E.on-Managern besetzt worden sind. Günther verzichtet auch auf die Einlösung der Change-of-Control-Klausel aus seinem Arbeitsvertrag, die ihm eine bequeme Rückzugsmöglichkeit gegeben hätte – und eine Abfindung in Höhe von 1,5 bis 2 Millionen Euro.  

martin.barwitzki[at]finance-magazin.de

Mehr über die aktuellen Entwicklungen bei dem Energieriesen lesen Sie auf unserer Themenseite zu E.on.

Hintergründe zum Lebenslauf des Innogy-Finanzchefs gibt es im CFO-Almanach FINANCE-Köpfe in dem Steckbrief von Bernhard Günther.