Erste Innogy-Manager räumen vor dem nahenden Zusammenschluss mit E.on bereits ihre Schreibtische. Auch im Spitzengremium sieht es nach einer einseitigen Verteilung aus.

Innogy SE

12.09.19
CFO

Innogy-Manager ziehen bei E.on-Fusion wohl den Kürzeren

Beim entstehenden Gemeinschaftskonzern aus E.on und Innogy wird Berichten zufolge E.on die Top-Positionen unter seinen Vorständen aufteilen. Damit müsste Innogy-CFO Bernhard Günther seinen Posten räumen.

In wenigen Tagen soll die EU-Kommission die Erlaubnis für die Innogy-Übernahme durch E.on erteilen – und die Führungspositionen für die neue Einheit müssen neu verteilt werden. Inzwischen deutet immer mehr darauf hin, dass die neue Struktur vorwiegend E.on-seitig geprägt sein wird.

Wie das „Handelsblatt“ unter Berufung auf Konzernkreise berichtet, soll die oberste Führungsebene im Vorstand ausschließlich mit E.on-Managern besetzt werden. Neben Vorstandschef Johannes Teyssen an der Unternehmensspitze sollen auch alle anderen Vorstandsposten in Händen des Energieriesen bleiben. Der Konzern selbst kommentierte diese Darstellung nicht.

Die Leitung der regionalen Netzgesellschaft für Westdeutschland wird zwar extern besetzt, doch auch sie geht nicht an Innogy. Den Posten übernimmt Katherina Reiche, bislang Hauptgeschäftsführerin des Verbands kommunaler Unternehmen und bis 2015 CDU-Bundestagsabgeordnete.

CFO-Posten: Marc Spieker vs. Bernhard Günther

Für den CFO-Posten würde dies bedeuten, dass Innogy-CFO Bernhard Günther seinen Posten räumen müsste, während sein E.on-Amtskollege Marc Spieker die Leitung der Finanzabteilung behalten würde. Marktbeobachter waren davon ausgegangen, dass Vorstände aus beiden Unternehmen sich in dem Gremium wiederfinden dürften, um die anschließende Post-Merger-Integration zu erleichtern. Auf Seiten der erst zwei Jahre vor der Transaktion von RWE abgespaltenen Innogy hatte es von Beginn an in der Belegschaft Vorbehalte gegen die Transaktion gegeben.

Zumindest auf der Führungsebene unterhalb des Vorstands sollen früheren Ankündigungen zufolge etwa die Hälfte der 20 Abteilungsleitungen an Innogy-Führungskräfte gehen. Erste Namen sind inzwischen durchgesickert: Im Bereich Group Finance übernimmt beispielsweise Mitte des kommenden Jahres die von Innogy kommende Susanne Weitz die Leitung. Sie folgt auf Verena Volpert, die dann Spezialprojekte für den Konzernvorstand betreuen wird, wie sie gegenüber der FINANCE-Schwesterpublikation DerTreasurer bestätigte

Innogy-CFO Günther war bis März 2021 bestellt

Für Innogy-CFO Günther dürfte sein Mandat bei einer reinen E.on-Besetzung des Vorstands deutlich verfrüht enden: Zwar wird Innogy noch bis zum vollständigen Ausschluss der Minderheitsaktionäre (Squeeze-out) weiterbestehen, dies dürfte allerdings nur wenige Monate dauern. Bernhard Günther ist planmäßig noch bis zum 31. März 2021 zum Vorstand bestellt.

Für den Fall einer Übernahme greift für CFO Günther und seine Innogy-Kollegen eine Abfindungsregelung: „Bei Beendigung des Dienstverhältnisses aufgrund eines Wechsels der Unternehmenskontrolle erhält das Vorstandsmitglied eine Einmalzahlung in Höhe der bis zum Ende der ursprünglich vereinbarten Vertragslaufzeit anfallenden Bezüge, höchstens jedoch das Dreifache seiner vertraglichen Jahresgesamtvergütung“, heißt es im Innogy-Geschäftsbericht für 2018. Die aktienbasierte Vergütung wir dabei nicht eingerechnet. Bereits final festgeschriebene Anteile aus diesem Programm würden vorzeitig ausgezahlt, die nur vorläufig zugeteilten Anteile verfallen. CFO Günther erhielt 2018 eine Festvergütung von 1,05 Millionen Euro, hinzu kam eine variable Vergütung von 1,7 Millionen Euro. 

Innogy verliert M&A-Chef Gerwig Koch

Zuletzt hatten einige Innogy-Führungskräfte unterhalb des Vorstands bereits den Absprung aus dem Unternehmen gesucht. M&A-Chef Gerwig Koch verlässt Innogy Mitte 2020, er war insgesamt rund 15 Jahre bei Innogy und der vormaligen Konzernmutter RWE beschäftigt.

Aus anderen Bereichen haben bereits der Leiter der Innogy-Konzernsicherheit Florian Haacke, der Leiter der Unternehmenskommunikation Peter Heinacher sowie die Chefjustiziarin Claudia Mayfeld ihren Abschied angekündigt.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Mehr über die aktuellen Entwicklungen bei dem Energieriesen lesen Sie auf unserer Themenseite zu E.on. Hintergründe zu den Lebensläufen der E.on- und Innogy-Finanzchefs gibt es im CFO-Almanach FINANCE-Köpfe in den Steckbriefen von Marc Spieker und Bernhard Günther