Verlässt den Automobilzulieferer Leoni vorzeitig: CFO Karl Gadesmann.

Leoni

18.03.19
CFO

Leoni-CFO Karl Gadesmann geht nach Gewinnwarnung

Chaos-Tage bei Leoni: Der Automobilzulieferer kassiert seine Prognose und kündigt ein umfangreiches Sparprogramm an. CFO Karl Gadesmann verlässt das Unternehmen, die Aktie bricht ein.

Leoni sucht einen neuen Finanzvorstand: Karl Gadesmann, der im Oktober 2016 bei dem Bord- und Kabelnetzbetreiber angeheuert hatte, verlässt das Unternehmen mit sofortiger Wirkung. Das teilten die Nürnberger am gestrigen Sonntag mit. Bis ein Nachfolger für Gadesmann gefunden ist, wird Leoni-Chef Aldo Kamper die Leitung des Finanzbereichs übernehmen.

Zeitgleich mit dem Abgang des CFOs schockt Leoni den Kapitalmarkt erneut mit einer Gewinnwarnung: Der Automobilzulieferer kassierte seine erst im Februar veröffentlichten Jahresziele für 2019. Grund dafür sei eine Kostenexplosion in einem Werk in Mexiko, die anhaltend schlechte operative Performance im Bordnetzbereich sowie eine weitere Eintrübung des Marktumfelds.

Der Kapitalmarkt reagierte auf die Ankündigungen des Nürnberger Unternehmens mit einem Abfall der Aktie um 20 Prozent. Der Xetra-Schlusskurs lag am Freitag noch bei 22 Euro und fiel am Montag auf etwa 18 Euro.

Leoni fehlt Transparenz über Finanzkennzahlen

Besonders ernüchternd: Leoni traut sich derzeit keine neue Prognose zu. Der Vorstand halte es für ratsam, zum jetzigen Zeitpunkt keinen überarbeiteten Ausblick für das Gesamtjahr 2019 abzugeben, so der Automobilzulieferer. Zusätzlich zur Unsicherheiten im Automobilumfeld und der unsichere Nachfrageentwicklung, gebe es „signifikante Intransparenz hinsichtlich Kostenentwicklungen und künftiger Auftragslage“.

Das lässt aufhorchen – und wirft kein gutes Licht auf das Finanzressort. Offenbar hat der SDax-Konzern an einigen Stellen den Überblick über wichtige Finanzkennzahlen verloren. Neben CFO Gadesmann, der nach dem Abgang von Leoni-CEO Dieter Bellé von Februar bis September 2018 übergangsweise auch Sprecher des Vorstands war, verlassen auch zwei Manager der Bordnetzsparte das Unternehmen „kurzfristig“, wie Leoni mitteilte. Dabei handelt es sich um den Leiter Finanzen sowie der Leiter des Produktionsverbundes.

Denn vor allem in dieser Sparte läuft es bei den Nürnbergern schlecht: So hat der Konzern in seinem Werk im mexikanischen Merida mit Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen. Im laufenden Jahr sollen hohe Personal- und Frachtkosten die Ergebnisse aus Mexiko um rund 50 Millionen Euro schmälern. Als Konsequenz daraus setzte Leoni ein neues zentrales Frühwarnsystem für mögliche Projektrisiken ein, das direkt an CEO Kamper berichtet.

Leoni stellt Spar- und Strategieprogramm vor

Parallel zu diesen kurzfristigen Maßnahmen hat Leoni auch erste Details eines Restrukturierungs- und Strategieprogramm vorgestellt. Das Programm („Value 21“) umfasst vier Eckpunkte.

Zum einen will der Vorstand die Kosten in den nächsten drei Jahren um rund 500 Millionen Euro senken. Dafür stellt der Konzern rund 120 Millionen Euro an Restrukturierungskosten zurück. Ab Ende 2019 planen die Nürnberger unter anderem Verbesserungen in Einkauf, Produktion und Logistik und wollen die Kosten für Vertreib, Forschung- und Entwicklung und die IT senken.

Der zweite Eckpunkt des Programms betrifft eine neue Organisationsstruktur. Leoni will eine „schlanke, auf kapitalmarktrelevante Funktionen ausgerichtete Finanzholding sowie zwei unternehmerisch eigenständig agierende Divisionen“ kreieren, heißt es in der Pressemitteilung. Damit will der Konzern schneller und flexibler auf die Anforderungen des Marktes reagieren können.

Des Weiteren stellt Leoni das Portfolio auf den Prüfstand: Der Konzern könnte Geschäftsfelder im Umfang von rund 500 Millionen Euro Umsatz verkaufen. Eine Nachfrage, um welche Geschäftsbereiche es sich dabei handelt, ließ der Konzern zunächst unbeantwortet.

Die vierte Maßnahme sieht vor, den Fokus auf die Cash-Generierung und Profitabilität zu legen. Dafür verabschiedet sich Leoni vom Wachstumskurs der Bordnetzsparte, die künftig nicht stärker wachsen soll als der Markt, sondern mehr Gewinn abwerfen.

Mit dem Sparprogram geht auch ein Abbau im Personal einher:  Weltweit streicht Leoni 2000 Stellen, bis zu 500 davon in Deutschland und anderen Hochlohnländern. Außerdem verhängt der Vorstand einen Einstellungsstopp.

Ziele für 2019 verworfen

Noch Anfang Februar rechnete Leoni mit einer Umsatzsteigerung von 5,1 Milliarden Euro in 2018 auf 5,2 Milliarden Euro in 2019. Daran halten die Nürnberger jedoch nicht mehr fest. Gleiches gilt für das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit), das der Zulieferer für 2019 in der Spanne von 100 bis 130 Millionen Euro angesetzt hatte. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Leoni 144 Millionen Euro.

Leoni-Chef Kamper will den Konzern mit dem Sparprogramm nun wieder auf Kurs bringen. So soll die Ebit-Marge, die zuletzt auf 2,8 Prozent fiel, in den nächsten drei Jahren um 2 bis 3 Prozentpunkte steigen. Auch dem Free Cashflow sollen die Maßnahmen Aufwind verschaffen und ihn binnen drei Jahren um 4 bis 5 Prozentpunkte anheben. Der vorläufige Bericht für 2018 wies einen Free Cashflow von -147 Millionen Euro aus. Im Vorjahr lag er noch bei 11 Millionen Euro.

Leoni erlebt turbulente Zeiten: Zuletzt sorgten chaotische Zustände in rumänischen Werken für Schlagzeilen aus dem Hause Leoni. Vor zweieinhalb Jahren luchsten Betrüger dem Konzern mit der sogenannten „Chef-Masche“ 40 Millionen Euro ab. Es folgten einige Prognoseverfehlungen, im vergangenen Jahr stieg Leoni vom M- in den SDax ab.

nadine.graf[at]finance-magazin.de