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Medios macht CFO zum CEO

Wird zum neuen Jahr auch Vorstandschef: Medios-CFO Matthias Gärtner
Medios AG

Beförderung für den CFO von Medios: Wie das Berliner Pharmaunternehmen bekanntgab, wird Finanzchef Matthias Gärtner ab Januar 2021 Vorstandsvorsitzender des Unternehmens. Er ersetzt Manfred Schneider, der seinen zum Ende dieses Jahres auslaufenden Vertrag nicht verlängern wird und sein Vorstandsmandat aus familiären Gründen niederlegt. Der 58-jährige Apotheker – Gründer und Großaktionär des Unternehmens – will Medios aber weiterhin begleiten: Er soll „maßgebliches Mitglied eines neu zu gründenden Beirats“ werden.

Gärtner wird nach seiner Beförderung sowohl CEO als auch CFO sein, teilte ein Unternehmenssprecher mit. Mit dem Aufstieg erhält der 53-Jährige auch eine Vertragsverlängerung: Gärtners Vertrag soll um zwei Jahre bis Ende Juni 2023 verlängert werden. Somit besteht der Vorstand nach Schneiders Ausscheiden aus den drei Vorstandsmitgliedern Matthias Gärtner, Chief Operating Officer (COO) Mi-Young Miehler und Chief Innovation Officer (CINO) Christoph Prußeit.

Matthias Gärtner arbeitete für Hedgefonds

Matthias Gärtner kennt Medios bereits seit sechs Jahren: Im Oktober 2014 stieß er als Vorstandsmitglied zu den Berlinern. Zwei Jahre später wurde er zum CFO ernannt. Seine Karriere startete er nach dem Informatik-Studium als Gründer und Vorstand des Softwareentwicklers e.Multi Digitale Dienste, den er im Jahr 2000 an die Börse brachte.

Im Jahr 2007 verschlug es Gärtner seinem Linkedin-Profil zufolge zu dem australischen Hedgefonds Super Alpha, für den er nach eigenen Angaben das europäische Geschäft mit aufbaute. Dort hielt es ihn drei Jahre, bevor er als Managing Director zu der Beratungs- und Beteiligungsgesellschaft Pecunia Riecher Capital wechselte. Die Berliner investieren unter anderen in Immobilien und Venture Capital. Dort ist Gärtner seinem Profil zufolge immer noch tätig.

Das Geschäftsmodell von Medios

Medios ist ein vergleichsweise junges Unternehmen: Es entstand im Jahr 2016, als die damalige Medios Manufaktur in die Gesellschaft Crevalis Capital eingebracht wurde. Dies fand im Rahmen eines Reverse-IPO statt, den Matthias Gärtner begleitete: Crevalis Capital diente als sogenannter Börsenmantel, in den das operative Geschäft der heutigen Medios AG integriert wurde. Seit Anfang September ist Medios im SDax gelistet und kommt aktuell auf eine Marktkapitalisierung von etwas mehr als 400 Millionen Euro.

Heute ist das Unternehmen in drei Kernbereichen tätig: Im Geschäftsbereich „Arzneimittelversorgung“ bündeln die Berliner ihren pharmazeutischen Großhandel mit „Specialty Pharma“-Arzneimitteln, die in Deutschland verfügbar sind. Diese Arzneimittel sind in der Regel hochpreisig und behandeln chronische oder seltene Erkrankungen.

Das Segment „Patientenindividuelle Therapien“ umfasst die Herstellung von patientenindividuellen Zubereitungen im Auftrag von Apotheken. Seit 2019 gibt es zudem den Bereich „Arzneimittelsicherheit“, in dem die Berliner Analyseverfahren entwickeln, um gefälschte Arzneimittel zu identifizieren.

Medios muss wegen Corona teure Vorräte kaufen

Mit diesem Geschäftsmodell erwirtschaftete der Konzern im vergangenen Jahr Umsatzerlöse in Höhe von 517 Millionen Euro, das entsprach einem Umsatzwachstum von fast 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Vorsteuergewinn lag bei 16 Millionen Euro nach 11 Millionen im Jahr davor.

Doch die Coronavirus-Krise hat auch Spuren bei Medios hinterlassen. Im ersten Halbjahr wuchsen die Umsatzerlöse zwar noch um knapp 30 Prozent, doch der operative Gewinn (Ebitda) sank um mehr als 16 Prozent ab. Infolge dessen büßte auch der Aktienkurs in den vergangenen drei Monaten fast 30 Prozent ein.

Das Problem von Medios: Die Berliner mussten in diesem Jahr größere Vorräte aufbauen, weil bestimmte Medikamente kontingentiert wurden. Diese mussten sie zusätzlich zu höheren Preisen einkaufen, was die Margen des Unternehmens drückte. Dieser Effekt setzte sich unerwartet auch im kompletten zweiten Quartal fort, teilte Medios bereits im August mit – und stellte die Prognose auf, dass diese Entwicklung sich auch noch im zweiten Halbjahr fortsetzen wird. Matthias Gärtners Aufgabe wird es nun sein, für eine Trendumkehr zu sorgen.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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Sie wollen wissen, welcher Finanzchef wohin wechselt? Bleiben Sie auf dem Laufenden mit der FINANCE-Themenseite CFO-Wechsel.

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Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Private-Equity- und M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.

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