ThyssenKrupp

06.07.18
CFO

Mehr Verantwortung für ThyssenKrupp-CFO Kerkhoff

Nach dem überraschenden Rücktritt von ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger soll nun offenbar Finanzvorstand Guido Kerkhoff den Konzern führen. Aber dort ist die Stimmungslage explosiv.

ThyssenKrupp-CFO Guido Kerkhoff soll übergangsweise die Nachfolge des gestern Abend zurückgetretenen Vorstandschefs Heinrich Hiesinger übernehmen, berichtet das „Handelsblatt“ unter Berufung auf das Umfeld des Aufsichtsrats.

Kerkhoff soll demnach aber nur übergangsweise den CEO-Posten übernehmen, solange, bis der Aufsichtsrat einen neuen Konzernchef gefunden habe. Chancenlos ist Kerkhoff aber auch dabei nicht. Wie es heißt, zieht der Aufsichtsrat auch eine interne Nachbesetzung in Erwägung, und in den vergangenen Jahren sind häufig langjährige Finanzchefs auf den Chefposten gerückt, etwa bei Bayer, BASF, Siemens und K+S.

CFO Guido Kerkhoff wäre die logische Wahl

Ein längerfristiges Engagement des 50-Jährigen wäre durchaus denkbar. Kerkhoff ist bereits seit sieben Jahren Finanzvorstand von ThyssenKrupp und kennt die Konzernstrukturen genau. Er trat sein Amt zeitgleich mit Hiesinger an und war seitdem die rechte Hand des CEOs.

Die Neuausrichtung des Konzerns hat er mit vorangetrieben. So hat er beispielsweise den Verkauf des defizitären Stahlwerks in Brasilien verhandelt, ein finanzieller Befreiungsschlag, drohte das Milliardeninvestment den Dax-Konzern doch zwischenzeitlich in die Tiefe zu reißen. Kerkhoff war auch maßgeblich an der Gründung des Stahl-Joint-Ventures mit dem indischen Konkurrenten Tata Steel beteiligt.

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Guido Kerkhoff, ThyssenKrupp AG

Von 1995 bis 1996 arbeitet Kerkhoff im Bereich Konzernbilanzierung bei dem Energieversorger Vereinigte Elektrizitätswerke Westfalen (VEW). Von 1996 bis 2002 ist er bei Bertelsmann tätig, zuletzt im Bereich Konzernrechnungswesen/-controlling und leitet dort die Abteilung für Projekte und Grundsatzfragen.

Im Jahr 2002 wechselt Kerkhoff zur Deutschen Telekom, wo er verschiedene Führungspositionen im Finanzbereich inne hat. Von 2006 bis 2011 verantwortet er als Zentralbereichsleiter das Konzernrechnungswesen und Konzerncontrolling. 2009 steigt er in den Vorstand der Telekom auf, wo er zunächst die Regionen Süd- und Osteuropa betreut, ab 2010 dann das gesamte Europa.

Seit April 2011 ist Kerkhoff Vorstandsmitglied und CFO bei ThyssenKrupp. Im Mai 2015 hat der Manager seinen Vertrag um fünf weitere Jahre bis 2021 verlängert. Im Juli 2018 springt er nach dem Rückzug von ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger als Interims-Chef ein. Ende September wird ihm die CEO-Position dann dauerhaft übertragen.

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Geht CEO Hiesinger wegen Investor Cevian?

Doch genau diese Schritte haben zum Zerwürfnis von Hiesinger und einzelnen Großaktionären geführt, allen voran dem zweitgrößten Aktionär Cevian, einem aktivistischen Investor aus Schweden. In einem Brief an die Mitarbeiter nannte Hiesinger unter anderem die mangelnde Unterstützung der Krupp-Stiftung als einen Rücktrittsgrund.

Cevian hat das Management massiv unter Druck gesetzt, auch öffentlich kritisierten die Schweden Hiesinger und Kerkhoff deutlich. Ihnen war der Konzernumbau zu langsam und nicht weitgehend genug. Cevian drängt auf eine konsequentere Zerschlagung inklusive der Abspaltung weiterer Konzernteile, etwa nach dem Vorbild von Siemens. Auch an dem Stahl-Joint-Venture mit Tata hatte Cevian vieles auszusetzen: Hiesinger habe den Gewerkschaften zu große Zugeständnisse gemacht und außerdem einen schlechten Deal bezüglich der Kräfteverhältnisse in dem neuen Gemeinschaftsunternehmen ausgehandelt. 

Neben Cevian treibt auch der US-Hedgefonds Elliott das Management vor sich her. Der größte Aktionär des Essener Konzerns, die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, die 21 Prozent hält, ließ die Cevian-Angriffe auf das Management aber stets unkommentiert.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de

Mehr über die Vita und den Karriereweg des ThyssenKrupp-CFOs erfahren Sie auf dem FINANCE-Köpfe-Profil von Guido Kerkhoff

Update 06.07.2018, 15:20 Uhr

Die Aufsichtsratssitzung hat leicht abweichende Ergebnisse gebracht, als zunächst vom „Handelsblatt“ berichtet. Demnach wird es keinen Interims-CEO geben. Stattdessen wird ThyssenKrupp bis auf weiteres von den verbliebenen Vorständen Guido Kerkhoff, Oliver Burkhard und Donatus Kaufmann gemeinschaftlich geleitet. Allerdings hat Kerkhoff in diesem Trio eine hervorgehobene Stellung: Die Spartenvorstände berichten an ihn, außerdem übernimmt Kerkhoff die wichtigen Ressorts Kommunikation, Strategie und Unternehmensentwicklung. Der neue CEO soll im Zuge eines „strukturierten Prozesses“ gesucht werden.