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Nächster Chefwechsel bei Suse: Jetzt geht der CFO

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Suse muss einen neuen CFO suchen. Foto: Dennis - stock.adobe.com
Suse muss einen neuen CFO suchen. Foto: Dennis - stock.adobe.com

Im März wurde er noch zusätzlich zum Interim-CEO bestimmt, nun verlässt CFO Andy Myers den Softwarekonzern Suse, wie das Unternehmen mitteilte. Einen Nachfolger für den Briten sucht Suse derzeit noch. Auch wohin es Myers künftig ziehen wird, ist nicht bekannt.

Übergangsweise soll bei Suse ab Juli zunächst Jonathan Atack, derzeit Vice President of Treasury and Investor Relations, die Aufgaben des CFO übernehmen und in den Vorstand einziehen. Atack hat in den vergangenen zwei Jahren an Myers berichtet. Vor seiner Zeit bei Suse war er unter anderem Finanzdirektor bei Bass International Brewers und CFO bei ING Investment Management in Den Haag.

Myers hat fast zwanzig Jahre CFO-Erfahrung

Andy Myers war von August 2020 bis Juni 2023 CFO bei Suse. Foto: Suse
Andy Myers war von 2020 bis 2023 CFO bei Suse.
Foto: Suse

Myers verantwortet seit August 2020 die Finanzen der Linux-Softwareschmiede. Zu seinen Aufgaben zählen unter anderem die Ressorts Reporting, Forecasting, Steuern und Treasury Operations sowie IT. Bevor er bei Suse einstieg, war er fast zwei Jahre lang CFO bei dem HR-Dienstleister SHL. Davor hatte Myers von 2004 bis 2018 mehr als 13 Jahre lang die Finanzen des Sportwagenherstellers McLaren verantwortet.

Von 2000 bis 2004 war er zudem als CFO für den Energiesektor von Rolls-Royce in den USA tätig, und von 1993 bis 1999 als Finance Director für den Kraftfahrzeughersteller Rover. Im Herbst 1999 machte er einen mehrmonatigen Abstecher zu Technicolor, wo er ebenfalls als Finance Director agierte. Seine Karriere startete der Ingenieur im Jahr 1986 bei dem Big-Four-Haus KPMG in Nottingham.

Mit Blick auf seine drei Jahre bei Suse sagte Andy Myers: „Das Ethos des Unternehmens, wirklich offen zu sein, hat mich sehr beeindruckt, ebenso wie die äußerst talentierten Kollegen, mit denen ich das Vergnügen hatte, zusammenzuarbeiten.“

Suse hat rosige Aussichten bei Myers Ankunft

Als Myer bei Suse einstieg, waren die Nürnberger bereits seit zwei Jahren im Besitz des Finanzinvestors EQT. Dieser hatte den Serveranbieter bereits 2018 für 2,5 Milliarden US-Dollar erworben und wollte den Linux-Betreiber an die Börse bringen.

Myers leitete bei Suse mehrere Akquisitionen und spielte eine wichtige Rolle beim Börsengang. Im März und April 2023 agierte er bis zum Einstieg von Dirk-Peter von Leeuwen als Interims-CEO. „Wir werden sein kluges Urteilsvermögen vermissen und wünschen ihm alles Gute für seine zukünftigen Unternehmungen“, lässt sich dieser in der Mitteilung der Sofwareschmiede zitieren.

Suses Aktienkurs ist seit dem IPO um mehr als die Hälfte eingebrochen
Unter Myers Ägide gelang Suse der IPO im Mai 2021, jedoch mit einem Angebotspreis von 30 Euro je Aktie eher am unteren Ende der avisierten Preisspanne von 29 bis 34 Euro. Die Marktkapitalisierung lag dennoch bei rund 5 Milliarden Euro.

Doch der Kurs steht seit dem Börsengang unter Druck und hat sich seit seinem Hoch bei rund 40 Euro Ende Dezember 2021 mehr als halbiert. Zuletzt dümpelte er bei Werten rund um 15 Euro.

Erst vor einem Monat hatten die Nürnberger ihre Geschäftsprognose revidiert, weil das Unternehmen im ersten Quartal 2023 weniger Verträge abschließen konnte als geplant. Der Softwarekonzern erwartet seither, dass die bereinigte EBITDA-Marge „im mittleren Dreißigprozentbereich liegen wird und die bereinigte Free-Cash-Flow-Konversion über 50 Prozent liegen wird.“

Das Vorstandskarussell von Suse dreht sich

Doch im ersten Quartal haben sich nicht nur die Vertriebszahlen von Suse verändert, sondern auch die Führungsriege. Melissa Di Donato, seit 2019 CEO, hatte sich im März „entschieden, zurückzutreten“, wie es in der Pressemitteilung hieß. Sie wolle „ein neues Kapitel in ihrer Karriere aufschlagen“. Welches dies ist, wurde bislang nicht bekannt, ihr Linkedin-Profil nennt noch immer Suse als Arbeitgeber.

Ihr Nachfolger Dirk-Peter van Leeuwen hat die vergangenen 18 Jahre für den Konkurrenten Red Hat gearbeitet, zuletzt als Senior Vice President und General Manager für Nordamerika. Bis ein ständiger CFO ernannt wird, steigt mit Wirkung zum 1. Juli zudem Chief Legal Officer Andy McDonald auf Interimsbasis in den Vorstand auf.

Erika von Bassewitz ist Redakteurin bei FINANCE. Sie hat Philosophie und Französisch an der Humboldt-Universität in Berlin sowie an der Université de Genève studiert und mit einem Magister Artium abgeschlossen. Vor FINANCE war sie mehr als acht Jahre Redakteurin in der Multimediaredaktion des Medienhauses der EKHN. Davor war sie unter anderem Redakteurin beim HR-Magazin von monster, freie Autorin bei Deutsche Welle TV und freie Mitarbeiterin bei der Westdeutschen Zeitung.