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EQT macht bei Suse-IPO Kasse

Der PE-Investor EQT steht vor einem großen Exit: Das Softwarehaus Suse steht vor dem Sprung aufs Parkett.
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Am IPO-Markt geht es derzeit Schlag auf Schlag. Nur wenige Tage nachdem HgCapital den Ausstieg bei MeinAuto eingeläutet hat, ist der nächste Börsengang eines Private-Equity-Unternehmens auf der Zielgeraden: Der PE-Investor EQT bringt den Anbieter von Open-Source-Software Suse auf das Parkett. 

Die Preisspanne liegt bei 29 bis 34 Euro je Aktie, daraus ergibt sich eine Marktkapitalisierung zwischen 4,9 und 5,7 Milliarden Euro. Der Gesamtwert des Unternehmens inklusive Verschuldung wurde am Markt zuletzt auf bis zu 9 Milliarden Euro geschätzt.

Das genaue Volumen des Börsengangs hängt noch von verschiedenen Faktoren ab: Das Basisangebot umfasst insgesamt 31,9 Millionen Aktien, die sich aus Bestandsaktien von EQT sowie neu ausgegebenen Aktien zusammensetzen. Bei einer Platzierung am unteren Ende der Preisspanne würden Upsize- und Mehrzuteilungsoptionen greifen, so dass sich das Angebot auf bis zu 41,1 Millionen Aktien erhöhen könnte. Der Streubesitz wird voraussichtlich zwischen 21,1 Prozent (ohne Ausübung der Mehrzuteilungsoptionen) und 26,5 Prozent (bei Ausübung aller Optionen) liegen. 

EQT rechnet mit bis zu halber Milliarde Euro

Bei dem Börsengang wird das Private-Equity-Haus EQT einen Teil seines Investments zu Geld machen. Der Investor war im Sommer 2018 bei Suse eingestiegen, das damals mit 2,5 Milliarden US-Dollar (umgerechnet 2,15 Milliarden Euro) bewertet wurde.

Der IPO könnte EQT nun bis zu einer halben Milliarde Euro in die Kasse spülen. Die Eigentümer wollen 14,2 Millionen Aktien abgeben, abhängig vom Emissionspreis und der Anzahl der platzierten Aktien würde EQT daraus ein Bruttoerlös von 400 bis 500 Millionen Euro zufließen. Bis zu 3,3 Millionen Aktien würde EQT zusätzlich im Zuge einer Upsize-Option bereitstellen, weitere 4,9 Millionen Aktien stehen für eine Mehrzuteilungsoption bereit.

Bis zu 18,7 Millionen neue Aktien werden über eine Barkapitalerhöhung frisch ausgegeben. Suse sollen dadurch 500 bis 600 Millionen Euro brutto zufließen. Als Ankeraktionäre haben sich die Investmenthäuser Capital Research Global Investors sowie GIC, der Staatsfonds von Singapur, schon bereit erklärt, Aktien im Gesamtwert von bis zu 360 Millionen Euro zu kaufen. 

Suse-IPO rechnet sich für EQT

Für den Finanzinvestor EQT dürfte sich die Transaktion nach nur drei Jahren zum lohnenden Deal entwickeln. Unterstellt man, dass EQT den Deal mit einem bei Softwaredeals üblichen Eigenkapitalanteil von 30 Prozent finanziert hat, dürfte sich das eigene Investment 2018 auf etwa 700 Millionen Euro belaufen haben. Rund 500 Millionen Euro, vielleicht sogar mehr, kann EQT nun schon beim IPO durch die Aktienverkäufe zurückholen.

Hinzu kommt der Wert der verbleibenden Beteiligung: Geht man davon aus, dass der Suse-IPO in der Mitte der Preisspanne platziert wird, käme das Unternehmen auf eine Marktkapitalisierung von 5,3 Milliarden Euro – und EQT dürften immer noch mehr als 70 Prozent der Anteile gehören, was in etwa 3,7 Milliarden Euro entsprechen würde. In Summe könnte EQT dann rund 4,2 Milliarden Euro aus dem Investment holen und hätte in dieser Musterrechnung seinen Einsatz innerhalb von nur drei Jahren versechsfacht.

Suse will Erlös auch für M&A-Deals nutzen

Mit dem Erlös aus der Platzierung der neuen Aktien will das Unternehmen sich Freiräume für weiteres Wachstum verschaffen. Dabei könnten auch M&A-Transaktionen in den Blick rücken: Suse will „sowohl organische also auch anorganische Entwicklungsmöglichkeiten“ nutzen. Zudem will das Unternehmen Finanzverbindlichkeiten zurückzahlen und den Verschuldungsgrad auf einen Faktor von 3,25x der Nettoverschuldung zum bereinigten Cash-Ebitda senken.

Unter dieser Kennzahl versteht Suse das um Faktoren wie Abschreibungen und  anteilsbasierte Vergütungen bereinigte Ebitda zuzüglich Änderungen von Vertragsverbindlichkeiten in der entsprechenden Periode. Zur Entwicklung des Verschuldungsgrad seit dem Einstieg von EQT sowie zum aktuellen Stand machte das Unternehmen keine Angaben. 

Suse-Aktien: Erstnotiz für 19. Mai geplant

Der Bookbuilding-Prozess für den Suse-IPO läuft nun voraussichtlich bis zum 17. Mai. Vom 19. Mai an soll die Aktie im regulierten Markt der Frankfurter Börse handelbar sein. EQT hat einem Lock-up von 180 Tagen ab der Erstnotiz zugestimmt.

BofA Securities und Morgan Stanley begleiten den Börsengang als Joint Global Coordinators und Joint Bookrunners. Die Deutsche Bank, Goldman Sachs, Jefferies and J.P. Morgan sind als Joint Bookrunners dabei.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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Sabine Reifenberger ist Chef vom Dienst der FINANCE-Redaktion. Ihre redaktionellen Themenschwerpunkte sind Restrukturierung, die Transformation der Finanzabteilung und Finanzierungsthemen. Seit 2012 moderiert sie beim Web-TV-Sender FINANCE-TV. Außerdem verantwortet sie den Themenhub FINANCE-Transformation, die Distressed Assets Konferenz und das FINANCE CFO Panel. Die Politologin volontierte bei einer Tageszeitung und schrieb während des Studiums als freie Journalistin unter anderem für das Handelsblatt und die Financial Times Deutschland.

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