Neuer CFO: Kann Michael Obrowski die Deutsche Bahn auf Kurs bringen?

Artikel anhören
Artikel zusammenfassen
Teilen auf LinkedIn
Teilen per Mail
URL kopieren
Drucken
Michael Obrowski verantwortet nun die Finanzen der Deutschen Bahn. Foto: Deutsche Bahn AG/Dominik Butzmann/Photothek
Michael Obrowski verantwortet nun die Finanzen der Deutschen Bahn. Foto: Deutsche Bahn AG/Dominik Butzmann/Photothek

Wann kommt der Vorstand der Deutschen Bahn endlich zur Ruhe? Nach dem spektakulären Abgang von Finanzvorständin Karin Dohm im März hat der Konzern einen Nachfolger präsentiert: Michael Obrowski hat den vakanten Posten zum heutigen 1. September übernommen. Ihm kommt nun die Aufgabe zu, die hohen Schulden der Deutschen Bahn zu managen und Geld für die dringend notwendigen Investitionen freizuschaufeln.

Obrowski kommt aus dem Volkswagen-Konzern, wo er seit Juli 2021 als Vorstand der Marke Volkswagen Nutzfahrzeuge die Bereiche Finanzen und IT verantwortet. Obrowski ist seit rund drei Jahrzehnten für VW aktiv. In dieser Zeit bekleidete er zahlreiche Führungspositionen im Finanz- und Controllingbereich. Dabei sammelte er Erfahrung im In- und Ausland. Vor seiner Vorstandsrolle bei VW Nutzfahrzeuge leitete er fünf Jahre lang das Konzerncontrolling der Volkswagen AG.

Von einem Krisenfall zum nächsten

Für Obrowski geht es nun vom kriselnden VW‑Konzern zur Deutschen Bahn, die ebenfalls vor großen Herausforderungen steht. Was konkret zu der Berufung von Obrowski geführt hat, ist unklar. Ein Sprecher betont gegenüber FINANCE: „Während seiner langjährigen Karriere als Spitzenmanager in einem Großkonzern gehörte die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Führungskräften, Mitarbeitenden sowie internen und externen Interessenvertretern zu seinem Arbeitsalltag.“

Mit dem designierten CFO ist das Vorstandsteam unter Bahnchefin Evelyn Palla nach mehreren Neubesetzungen wieder vollständig. Obrowski sei eine Führungspersönlichkeit mit viel Erfahrung in einem Großkonzern und bringe „alle Erfahrung mit, um das Finanzressort mit Energie und Augenmaß weiterzuentwickeln“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Werner Gatzer.

Im Zuge der Berufung Obrowskis regelt die Deutsche Bahn die Nachfolge von Karin Dohm. Die frühere Hornbach-Managerin war Ende Oktober als neue Finanzvorständin vorgestellt worden und hatte ihr Amt im Dezember 2025 angetreten, nachdem ihr Vorgänger Levin Holle in die Politik gewechselt war. Ende März teilte die Deutsche Bahn schließlich mit, sich von Dohm zu trennen.

Herausforderungen für Neu-CFO Obrowski

Obrowski übernimmt eine Schlüsselposition in einem Konzern, der vor großen finanziellen Herausforderungen steht. Die Deutsche Bahn schreibt seit Jahren Verluste und muss milliardenschwere Investitionen in Infrastruktur und Fahrzeugflotte bewältigen.

Im Jahr 2025 verzeichnete der Konzern unter dem Strich ein Minus von 2,3 Milliarden Euro – rund 500 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Zugleich gibt der Konzern eine positive Prognose aus. Das operative Ergebnis solle bis 2030 um über 1 Milliarde auf 1,7 Milliarden Euro verbessert werden. Bahnchefin Palla, selbst erst seit Oktober im Amt, hat die neue Strategie dem Aufsichtsrat vorgestellt. Die eigenen Ziele zu erreichen, hat aber zuletzt keiner ihrer Vorgänger geschafft.

Nun soll Obrowski endlich für Stabilität im Finanzressort sorgen. Er muss sich jetzt in kurzer Zeit in die Eigenheiten des Bahn-Konzerns einarbeiten. Von VW kennt der Manager zwar das Konzernleben mit politischer Dimension. Trotzdem muss Obrowski sich nun an eine neue Branche und an ein neues Unternehmen gewöhnen, in dem Uneinigkeiten im Management auch mal über die Presse ausgetragen werden. 

Jasmin Rehne ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die Themen Gehalt und Personal. Zudem ist sie Moderatorin bei FINANCE TV. Sie hat in Marburg Sprache und Kommunikation studiert. Neben ihrem Studium arbeitete Jasmin Rehne bereits als studentische Hilfskraft bei FINANCE.