Schmolz+Bickenbach-CFO Hans-Jürgen Wiecha geht. Es lagen noch einige Aufgaben vor ihm.

Schmolz+Bickenbach

16.12.14
CFO

Schmolz+Bickenbach: CFO Hans-Jürgen Wiecha geht

Kaum zeichnet sich bei Schmolz+Bickenbach eine nachhaltige Trendwende ab, da verlässt der CFO das Unternehmen: Nach nicht einmal zwei Jahren geht Hans-Jürgen Wiecha. Der Konzern hätte den erfolgreichen Finanzchef noch gut gebrauchen können.

Schmolz+Bickenbach verliert seinen CFO. Heute gab der deutsch-schweizerische Stahlkonzern bekannt, dass sein Finanzchef Hans-Jürgen Wiecha Schmolz+Bickenbach Ende Februar 2015 „mit bestem Einvernehmen“ verlassen wird. „Der Verwaltungsrat bedauert das Ausschaden von Herrn Wiecha sehr“, heißt es weiter.

Der 52-jährige Wiecha ist noch keine zwei Jahre im Unternehmen. Er kam im Februar 2013 zu Schmolz+Bickenbach, zuvor war der Diplom-Kaufmann CFO bei Gerresheimer. Bei seinem Amtsantritt befand sich das Unternehmen in einer tiefen Krise: Eine verfehlte M&A-Strategie, über Kredite finanziert, die nach der Lehman-Pleite untragbar wurden, sowie ein High-Yield-Bond mit einem Kupon von 9,875 Prozent setzen dem Unternehmen enorm zu.

Gemeinsam mit dem CEO Johannes Nonn sollte das Unternehmen wieder auf Kurs gebracht werden, nach der Machtübernahme des russischen Investors Viktor Vekselberg jedoch verließ Nonn das Unternehmen wieder unter Ausübung einer Change-of-Control-Klausel. Auch Wiecha hätte unter Berufung auf die Klausel Schmolz+Bickenbach verlassen können, doch er fühlte sich dem Konzern stark verpflichtet und blieb. Bis April 2014 war er Interims-CEO, mit Clemens Illner kam dann ein neuer Konzernchef ins Haus.

CFO Hans-Jürgen Wiecha verzichtete auf vorzeitigen Abgang

Angesichts seines Pflichtgefühls gegenüber dem Unternehmen kommt das Ausscheiden überraschend, nachdem Wiecha noch vor wenigen Monaten die Chance verstrichen ließ, im Rahmen der Change-of-Control-Regelung zu finanziell verlockenden Konditionen Schmolz+Bickenbach den Rücken zu kehren.

Allerdings geht es dem Unternehmen inzwischen deutlich besser als noch zu Beginn dieses Jahres, nicht zuletzt auch wegen der wichtigen Kapitalerhöhung im Oktober vergangenen Jahres, die den bilanziellen Spielraum um 356 Millionen Euro erweiterte und die stark belastenden Finanzierungskosten drückte. Auch das Rating-Upgrade von S&P, das bei Wiechas Amtsantritt bei B- mit negativem Ausblick lag und inzwischen bei B mit stabilem Ausblick liegt, spricht für die positive Entwicklung des Konzerns.

Und auch in den jüngsten Zahlen, die das Unternehmen vorgelegt hat, ist ein positiver Trend zu sehen: Das Konzernergebnis lag nach den ersten 9 Monaten 2014 bei rund 46 Millionen Euro (Vorjahr: rund -45 Millionen Euro), die Nettofinanzverbindlichkeiten sind auf etwa 627 Millionen Euro gesunken (Vorjahr: rund 972 Millionen Euro).

Verkauf des Distriutionsgeschäfts vorerst gescheitert

Doch es lagen noch einige Aufgaben vor Wiecha. So steht die Ablösung des High-Yield-Bonds möglicherweise bereits im Mai kommenden Jahres an. In einem erst kürzlich geführten Interview mit FINANCE-TV ließ Wiecha durchblicken, wie gerne er den High-Yield vorzeitig zurückkaufen würde, um die Zinslast zu senken. Die Konditionen des Papiers bezeichnete er als "der aktuellen Unternehmenssituation nicht mehr angemessen".

Im Rahmen der Restrukturierung will sich das Unternehmen außerdem auf werkseigene Produkte konzentrieren. Ein im April dieses Jahres angekündigter Verkauf von Distributionseinheiten in Deutschland, Belgien, Österreich und den Niederladen ist aber nun offenbar gescheitert. Erst gestern gab das Unternehmen bekannt, dass der Verkaufsprozess beendet wird, weil die Kaufpreisangebote "nicht den Wert der Aktivitäten widerspiegeln" würden.

Die tiefgreifende Restrukturierung wird nun ein neuer CFO abschließen müssen. Über die Neubesetzung ist bislang aber noch nichts bekannt.

Julia.becker[at]finance-magazin.de

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