Vapiano SE

19.08.19
CFO

Vapiano: CEO geht, CFO bleibt

Nachdem der Verkauf des US-Geschäfts zunehmend wackelt, tritt auch noch Vapiano-Chef Everke überraschend zurück. Immerhin wurde der Vertrag von CFO Lutz Scharpe bis 2023 verlängert.

Die kriselnde Restaurantkette Vapiano kommt derzeit nicht aus den Negativschlagzeilen. Nachdem am Freitag bekannt wurde, dass der Verkauf des US-Geschäfts zu platzen droht, folgte bereits am Sonntag der nächste Paukenschlag aus Köln: CEO Cornelius Everke geht überraschend. Laut Pressemitteilung beabsichtigt er „sein Amt als Mitglied des Vorstands aus persönlichen Gründen mit Wirkung zum 31. August 2019 niederzulegen und den Anstellungsvertrag einvernehmlich zu beenden.“

Dabei war Everke erst seit Dezember 2018 Vorstandvorsitzender der angeschlagenen Restaurantkette, nachdem er zuvor im Mai 2018 als Chief Operating Officer in den Vorstand gewählt wurde. Als CEO hatte er sich auf die Fahnen geschrieben, Vapiano wieder auf Vordermann zu bringen, unter anderem durch verbesserte Arbeitsabläufe und eine Verschlankung der Menükarte.

AR-Chefin Vanessa Hall wird Interims-CEO

Everke sehe das Unternehmen „in der derzeitigen Phase des strategischen Übergangs gut aufgestellt, ist jedoch zugleich zur Auffassung gelangt, dass er seine spezifische Erfahrung und Kompetenz im Bereich expandierender, internationaler Märkte auf absehbare Zeit nicht im geplanten Umfang zum Wohle der Gesellschaft einbringen kann“, heißt es zur Begründung der Rücktritts.

Der Aufsichtsrat nimmt seine Entscheidung denn auch mit „Bedauern zur Kenntnis und dankt ihm für seine Dienste“. Man werde unverzüglich die Suche nach einem Nachfolger einleiten. Bis ein neuer CEO gefunden ist, soll die Aufsichtsratsvorsitzende Vanessa Hall den Posten besetzen. Sie hat sich bereiterklärt, das Unternehmen bis mindestens Ende April 2020 zu führen und wird auch als langfristige Nachfolgekandidatin in Betracht gezogen, betont das Unternehmen. Hall habe den Prozess der strategischen Neuausrichtung und der Refinanzierung eng begleitet.

Vertragsverlängerung für CFO Lutz Scharpe

Doch es gibt auch Zeichen der Kontinuität bei Vapiano: Der Vertrag von CFO Lutz Scharpe soll für drei weitere Jahre bis Juni 2023 verlängert werden. Der 49-jährige Manager ist bereits seit Dezember 2015 Finanzvorstand bei Vapiano und hat in dieser Funktion auch den Börsengang im Jahr 2017 begleitet. Im Mai hat er sich mit den Geldgebern auf die dringend benötigte Refinanzierung von 30 Millionen Euro geeinigt. Zuvor war die Veröffentlichung der Geschäftsberichte mehrfach verschoben worden, weil sich die Einigung mit den Geldgebern als schwierig gestaltete.

Nun muss CFO Scharpe gemeinsam mit der neuen Unternehmensführung die laufende Restrukturierung umsetzen – und das ist bitter nötig. Das Kölner Unternehmen steckt tief in den roten Zahlen: Bei einem Umsatz von 372 Millionen Euro machte das Unternehmen im vergangenen Jahr einen Verlust von 101 Millionen Euro. Sorgen bereitet die Nettoverschuldung von knapp 174 Millionen Euro und auch die Eigenkapitalquote liegt bei mageren 13 Prozent.

US-Verkauf von Vapiano stockt

Kern der Turnaround-Strategie von Vapiano war auch der Verkauf des unprofitablen US-Geschäfts, wie CFO Scharpe jüngst im Interview mit FINANCE sagte. Das Unternehmen wollte den Verlustbringer für 15 Millionen US-Dollar an den US-Private-Equity-Investor Plutos Sama veräußern, ursprünglich bereits zum ersten Quartal dieses Jahres.

Doch bereits Ende Juli zeichneten sich Schwierigkeiten aufgrund der stockender Finanzierung ab – nun droht der Deal zu platzen. Man habe die Exklusivität mit Plutos Sama aufgehoben und prüfe alternative Optionen zur Veräußerung des Geschäfts, so das Unternehmen. Ganz aufgegeben hat Vapiano aber wohl nicht: Die Parteien hätten sich darauf geeinigt, „die Gespräche über einen möglichen Vollzug der Transaktion in gutem Glauben fortzusetzen“. Einen positiven Abschluss für diesen wichtigen Verkauf zu finden, wird nun ebenfalls Aufgabe von Scharpe sein. 

Vapiano-CFO Lutz Scharpe sucht den Weg aus der Krise

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Am Markt ging es nach dem angekündigten Rücktritt des CEOs für die am Prime Standard gelisteten Papiere schwer bergab. Die Titel verloren am Montagmorgen über 12 Prozent und markierten mit 3,80 Euro ein neues Rekordtief. Everke habe die grundsätzlichen Probleme bei Vapiano erkannt, daher sei sein Rücktritt nun eine schlechte Nachricht, kommentierte Berenberg-Analystin Annabel Hay-Jahans in einer ersten Einschätzung. Bereits am Mittwoch darf sich die Unternehmensführung auf der in Köln stattfindenden Hauptversammlung sicher einige kritische Fragen zur Unternehmenszukunft gefallen lassen.


martin.barwitzki[at]finance-magazin.de

Mehr über den Werdegang des Vapiano-Finanzchefs finden Sie im FINANCE-Köpfe-Steckbrief zu Lutz Scharpe. Ein ausführliches Interview mit dem Vapiano-CFO über die Pläne zur Neuausrichtung des Geschäfts aus der aktuellen FINANCE-Ausgabe können Sie hier beziehen.