Der Touristikkonzern Tui trennt sich von zwei Spezialanbietern: Berge & Meer und Boomerang Reisen.

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16.08.19
Deals

M&A-Deals: Tui, Vapiano, Lanxess

Tui reist mit zwei Spezialanbietern weniger weiter, Vapiano verhandelt nicht mehr exklusiv mit Plutos Sama über den Verkauf des US-Geschäfts, und Lanxess findet für eine Sparte einen chinesischen Käufer: Die spannendsten M&A-News der Woche im FINANCE-Rückblick.

Tui schickt Berge & Meer und Boomerang auf Reisen

Tui verkauft Berge & Meer und Boomerang Reisen: Die beiden Spezialanbieter gehen für rund 100 Millionen Euro an die Hamburger Private-Equity-Gesellschaft Genui. Wie die Hannoveraner mitteilten, erfolgt der Verkauf im Zuge der Neustrukturierung ihres Pauschalreisegeschäfts. Als Begründung für die Transaktion verweist Tui-Chef Fritz Joussen auf die Geschäftsmodelle und die strategische Ausrichtung der beiden Reiseanbieter: Diese würden kaum Synergien mit den übrigen Tui-Geschäftsfeldern aufweisen. Der Verkauf senke daher nicht nur Tuis Abhängigkeit vom traditionellen, volatilen Veranstaltergeschäft, ein neuer Eigentümer biete den beiden Veranstaltern außerdem „bessere Wachstumschancen“, so CEO Joussen weiter.

Der Abschluss der Transaktion, die noch unter dem Vorbehalt kartellrechtlicher Genehmigungen steht, soll zum 1. Oktober erfolgen. Zudem plant Tui, seine Reiseveranstalter weiter zu vereinheitlichen. Das Rengsdorfer Unternehmen Berge & Meer ist auf Rundreisen spezialisiert und beschäftigt 260 Mitarbeiter, Boomerang Reisen mit 60 Mitarbeitern und Sitz in Trier bietet Fernreisen nach Ozeanien, Afrika, Nord- sowie Südamerika an. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Tui für die beiden Unternehmen einen gemeinsamen Umsatz in Höhe von 276 Millionen Euro.

Vapiano sucht alternative Käufer für US-Geschäft

Der Verkauf von Vapianos US-Geschäft droht zu platzen. Der US-Private-Equity-Investor Plutos Sama wollte eigentlich 15 Millionen Dollar für Vapiano-Töchter bezahlen, die insgesamt sechs Restaurants in den USA betreiben. Wie die Restaurantkette heute bekanntgab, verhandelt sie nicht mehr exklusiv mit dem Investor.

Als Grund für die Aufhebung der Exklusivität verweisen die Kölner auf eine „Verzögerung bei der Realisierung der Finanzierung“ seitens Plutos Samas. Daher prüft Vapiano nun „alternative Optionen zur Veräußerung des US-Geschäfts“. Hierfür will das Unternehmen einen strukturierten Verkaufsprozess einleiten. Vapiano und Plutos Sama haben sich den Kölnern zufolge jedoch darauf geeinigt, die Verkaufsgespräche  „in gutem Glauben“ fortzusetzen.


Bereits Ende Juli hatte FINANCE über Schwierigkeiten bei dem Deal berichtet: Das Closing verzögerte sich mehrere Male, im Markt kursierten Gerüchte über ungedeckte Schecks. Das US-Geschäft ist für die Kette nicht lukrativ und belastete Vapiano zuletzt. 

Chromchemikalien-Geschäft von Lanxess geht nach China

Lanxess verkauft sein Geschäft mit Chromchemikalien: Wie die Kölner mitteilten, geht der Geschäftsbereich an den chinesischen Lederchemikalienhersteller Brother Enterprises. Ein Verkaufspreis ist nicht bekannt. Den Abschluss des Deals, der noch der Zustimmung der zuständigen Kartellbehörden bedarf, erwartet Lanxess bis zum Jahresende. Das Chromchemikalien-Geschäft erwirtschaftet einen Jahresumsatz von rund 100 Millionen Euro.

Lanxess stellt Chromchemikalien an zwei Standorten in Südafrika her. Bei dem Deal übernimmt Brother Enterprises das Werk in Newcastle. Der Standort Merebank, an dem Salze für die Lederindustrie produziert werden, bleibt ein Teil von Lanxess und wird den Kölnern zufolge voraussichtlich bis 2024 Auftragsfertigungen für die Chinesen weiterführen.

BASF erwägt Carve-out und rettet Solvay-Deal

BASF prüft offenbar den Verkauf seines Pigmentgeschäfts: Dieser Geschäftsbereich soll der Nachrichtenagentur „Bloomberg“ zufolge an Sun Chemical gehen. Der Druckfarbenhersteller aus New Jersey ist eine Tochter des japanischen DIC-Konzerns. Ein Verkauf der Pigmentsparte könnte die Kasse der Ludwigshafener mit 1 Milliarde Euro füllen, so die Agentur weiter. Außerdem stehe auch das Bauchemiegeschäft zum Verkauf – bei einer Veräußerung dieser Sparte könnten BASF bis zu 3 Milliarden Euro zufließen. BASF und DIC lehnten eine Stellungnahme zu dem Bericht ab. Die Private-Equity-Investoren Advent, Bain und Blackstone sollen Medienberichten zufolge allerdings schon Interesse an der Bauchemie-Sparte verloren haben.

Einen Deal konnte BASF in dieser Woche aber besiegeln: die im September 2017 bekannt gewordene Übernahme des Nylongeschäfts des belgischen Wettbewerbers Solvay. Die Transaktion genehmigte die EU-Kommission nach einer Prüfung Anfang dieses Jahres zwar, allerdings unter der kartellrechtlichen Auflage, dass BASF Produktionsanlagen in Europa aus dem Portfolio ausschließt.

Das europäische Nylongeschäft übernimmt nun Domo Chemicals aus Leuna, während außereuropäische Produktionsstätten von den Ludwigshafenern gekauft werden dürfen. Außerdem ist die Gründung eines Joint Ventures zwischen BASF und Domo in Frankreich vorgesehen. BASF zufolge beträgt der zu zahlende Kaufpreis ohne Berücksichtigung von Barmitteln und Fremdkapital 1,3 Milliarden Euro. Die Transaktion, die noch der Zustimmung der zuständigen Wettbewerbsbehörden bedarf, soll bis zum Ende dieses Jahres abgeschlossen sein. BASF wurde bei dem Solvay-Deal von DLA Piper (Federführung: Benjamin Parameswaran und Carlos Robles y Zepf) beraten.

Wer bekommt MAN Energy Solutions?

Seit 2017 sucht VW einen Käufer für MAN Energy Solutions (MAN ES), die konkrete Investorensuche begann im Mai dieses Jahres. Nun kristallisieren sich mögliche Käufer für die Dieselmotor- und Kraftwerks-Tochter heraus: Ein potenzieller Käufer könnte der österreichische Dieselmotorhersteller Jenbacher sein. Als Portfoliounternehmen des Private-Equity-Investors Advent entspräche das Unternehmen MAN-ES-CEO Uwe Laumers Wunsch nach einem strategischen Investor mit möglichst wenigen Überschneidungen, aber einem gemeinsamen Rahmen – unter der finanzierenden Decke des US-Fonds.

Allerdings sind noch weitere Kaufinteressenten im Gespräch, darunter die japanischen Schwerindustriekonzerne Mitsubishi Heavy und Sumitomo Heavy, der amerikanische Motorenhersteller Cummins sowie der finnische Schiffsmotorenhersteller Wärtsilä. Diese möglichen Käufer eint jedoch, dass sie alle wesentlich größer sind als MAN ES – sollte es zu einer Übernahme kommen, könnte es sein, dass die VW-Tochter ihre Zügel aus der Hand geben muss. Bis Ende 2019 will Laumer über einen neuen Eigentümer entscheiden.

AMS sichert Finanzierung für Osram-Übernahme

AMS hat Details zur Finanzierung der geplanten Osram-Übernahme vorgelegt: Der Halbleiterkonzern will Osram für 38,50 Euro je Aktie übernehmen und hat sich hierfür eine 4,2 Milliarden Euro schwere Brückenfinanzierung bei der UBS und der HSBC gesichert. Von dieser soll ein Teil durch eine spätere Kapitalerhöhung über 1,5 Milliarden Euro abgelöst werden. Mit ihrem Angebot bewerten die Österreicher Osram inklusive Schulden und Pensionsverpflichtungen mit 4,3 Milliarden Euro. Damit übersteigt die Offerte für den Münchener Konzern das Übernahmeangebot der Finanzinvestoren Bain und Carlyle um 300 Millionen Euro.

Der Halbleiterhersteller hofft nun, dass Osram das zwölfmonatige Stillhalteabkommen aufhebt, damit er ein offizielles Übernahmeangebot unterbreiten kann. Unterdessen führen AMS und Osram „konstruktive Gespräche“, unter anderem über eine Zusammenschlussvereinbarung. Beide Unternehmen erwarten, dass AMS sein offizielles Übernahmeangebot noch vor dem 5. September veröffentlichen kann.

Berater-News

Die Wirtschaftskanzlei Noerr holt sich Verstärkung für ihren Standort in Frankfurt: Carmen Böhn wird neue Associated Partnerin in der Praxisgruppe Corporate/M&A. Bislang arbeitete sie als Legal Counsel bei dem Industriedienstleister Bilfinger. Zuvor war sie mehrere Jahre als Rechtsanwältin bei Clifford Chance tätig.

Weitere Meldungen

Scout24 beugt sich den Forderungen von Elliott: Der Onlineportalbetreiber prüft auf Drängen des Aktivisten „alle Alternativen“ für seine Sparte Autoscout24 – neben einem Verkauf auch einen Börsengang des Autoportals. Weitere Zukäufe zur Stärkung des Autoportals schließt Scout24-CEO Tobias Hartmann mangels attraktiver Targets jedoch aus. Wie es mit Autoscout24 weitergeht, will das Management Ende November bekannt gegeben. Das „Handelsblatt“ schrieb unter Berufung auf informierte Personen, dass der Wettbewerber Auto1 potenzielle Angebote für Autoscout24 auslote. Die Überlegungen befänden sich jedoch in einem frühen Stadium und es seien noch keine endgültigen Entscheidungen getroffen, so das Handelsblatt weiter.

Ariane Melanie Springer und Axel Sven Springer haben ihre Aktien angedient: Die beiden Enkel des Verlegers Axel Springer überlassen KKR gemeinsam etwa 3,7 Prozent des Grundkapitals an dem Medienkonzern. Mit den restlichen Aktien bleiben die Geschwister weiterhin „als unabhängige Aktionäre“ beteiligt. Dieser Anteil dürfte sich auf 6,1 Prozent belaufen. Im Juli hatte KKR Axel Springer ein öffentliches Übernahmeangebot bereitet und die Offerte an eine Mindestannahmeschwelle von 20 Prozent geknüpft. Das Angebot wurde angenommen, KKR wurden 27,8 Prozent der Stimmrechte zugesichert.

Die Frankfurter Fintech Group soll verkauft werden: Einem Bericht des „Handelsblatt“ zufolge werden als Kaufinteressenten neben der US-Investmentbank Goldman Sachs auch die Singapurer United Overseas Bank und die US-Bank Morgan Stanley gehandelt. Der Börsenwert des Start-ups beläuft sich dem Handelsblatt zufolge auf 470 Millionen Euro, die Berenberg Bank schätzt, der innere Firmenwert könnte inklusive der Wachstumssaussichten durch die Expansionspläne über 620 Millionen Euro betragen. Die Angebotsfrist läuft noch bis zum 20. August. Die Fintech Group betreibt den Online-Broker Flatex.

Der Startup-Inkubator Finleap gründet die neue Einheit Finleap Connect: In dieser bündeln die Berliner die Fintech-Plattformen Infinitec und Finleap. Die Zusammenführung erfolgt im Rahmen des Unternehmensumbaus der Berliner. Künftig bildet Finleap Connect mit den zwei weiteren Geschäftsbereichen Finleap Assets und Finleap Build die drei Säulen des Fintechs.

Fielmann wagt den Markteintritt in Slowenien: Die Optikerkette übernimmt zum 1. September 70 Prozent der Anteile an dem slowenischen Optiker Clarus. Clarus-Gründer Tihomir Krstic bleibt mit 30 Prozent am Unternehmen beteiligt, so Fielmann. Die Slowenen betreiben 26 Fachgeschäfte im eigenen Land und sind dort den Hamburgern zufolge Marktführer. Über die Höhe des Kaufpreises wurde Stillschweigen vereinbart.


Die Merkur Bank übernimmt die Bank Schilling: Mit diesem ungewöhnlichen Deal überraschen die beiden Privatbanken in dieser Woche. Den Abschluss der Transaktion erwartet Merkur noch im vierten Quartal dieses Jahres, danach firmiert das Unternehmen unter dem Namen Merkur Privatbank. Mit der Übernahme des Bankgeschäfts von Schilling kommt Merkur nach eigenen Angaben auf eine Bilanzsumme von über 2 Milliarden Euro.

Die inhabergeführte Buchhandlung Decius wird verkauft: Im Rahmen einer Nachfolgelösung erwirbt die Buchhandelskette Thalia den stationären Buchhandel der Hannoveraner. Das Versand- und Fachbuchgeschäft gehen an den Buchhändler Boysen & Mauke, der zur C.H. Beck-Gruppe gehört. Über den Kaufpreis haben die Parteien Stillschweigen vereinbart. Brandi Rechtsanwälte (Federführung: Carsten Hoppmann) hat Decius bei der Transaktion rechtlich beraten. Boysen & Mauke wurde von Kretzschmar & Partner (Federführung: Oliver Henry) unterstützt.

Die Münchener Elektronik-Gruppe Katek übernimmt Bebro Electronic und Esystems MTG von dem Wettbewerber Magenwirth Technologies. Finanzielle Transaktionsdetails werden nicht genannt. Das Closing des Deals erwartet Katek noch im Herbst. Katek ist ein Portfoliounternehmen von Primepulse, der Beteiligungsholding der drei Gründer des TecDax-Unternehmens Cancom, Klaus Weinmann sowie Stefan und Raymond Kober.

Lemnatec
bekommt einen neuen Eigentümer: Der Geschäftsbetrieb des insolventen Biotech-Unternehmens wird von dem Messtechniker Nynomic übernommen. Über den Kaufpreis haben die Parteien Stillschweigen vereinbart. Die auf Restrukturierungen spezialisierte Corporate-Finance-Boutique Falkensteg (Federführung: Johannes von Neumann-Cosel) übernahm im Anschluss an den Insolvenzantrag die Leitung des M&A-Prozesses.

Precision Motors Deutsche Minebea
(PMDM) übernimmt den Kunststoffhersteller Mast im Rahmen einer Nachfolgelösung. Der Motorenentwickler PMDM gehört zur japanischen Minebea-Mitsumi-Gruppe. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht, der Deal steht noch unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Genehmigung. Die M&A-Beratung Clairfield (Federführung: Dirk Freiland) hat PMDM bei der Transaktion begleitet.

Equistone
steigt bei Omnicare ein: Der Private-Equity-Investor übernimmt die Mehrheit des pharmazeutischen Großhändlers von Thinkhealth Ventures und dem aktuellen Gesellschafter-Konsortium. Das Omnicare-Management bleibt dabei „signifikant“ rückbeteiligt. Thinkhealth war 2017 mit einer Minderheitsbeteiligung bei Omnicare eingestiegen. Über Transaktionsdetails wurde Stillschweigen vereinbart. Den Abschluss des Deals erwarten die Unternehmen nach kartellrechtlicher Freigabe im vierten Quartal. Beraten wurde Equistone von der Anwaltskanzlei Shearman & Sterling (Federführung: Winfried Carli). Omnicare wurde von der Wirtschaftskanzlei Hengeler Mueller (Federführung: Emanuel Strehle) unterstützt.

Oakley
übernimmt Seven Miles: Der Private-Equity-Investor steigt mehrheitlich bei dem Anbietet von B2B-Geschenklösungen ein. Zudem haben Oakley und das Gründerduo um Tom Schröder und Valentin Schütt eine Partnerschaft vereinbart. Transaktionsdetails sind nicht bekannt. Seven Miles erwartet für 2019 einen Umsatz von über 100 Millionen Euro. Oakley wurde bei der Transaktion von der Kanzlei Kirkland & Ellis (Federführung: Benjamin Leyendecker) beraten.

Lucht Probst Associates
(LPA) kauft in Israel zu: Das Frankfurter Captech-Unternehmen übernimmt Modelity Technologies mit Sitz in Tel Aviv. Finanzielle Transaktionsdetails werden nicht genannt. LPA zufolge bleibt das Modelity-Management auch nach der Integration im Team.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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