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VfB Stuttgart sucht neuen Finanzchef

Ulrich Ruf ist seit 1980 für den VfB Stuttgart tätig und kümmert sich seit 1990 um die Finanzen des Vereins.
VfB Stuttgart

Der Fußball-Bundesligist VfB Stuttgart trennt sich Ende Juni von seinem langjährigen Finanzvorstand Ulrich Ruf. Wie der VfB mitteilte, will man im Finanz- und Verwaltungsbereich neue Impulse setzen und sich neu ausrichten.

Zur Neuausrichtung gehört, dass der Verein seine Lizenzspielerabteilung ausgliedern will. Der Schritt war ursprünglich für das Frühjahr dieses Jahres geplant, in Anbetracht der Unruhe im Verein und der prekären sportlichen Lage wurde die dafür nötige Mitgliederabstimmung  jedoch auf 2016 verschoben. Möglicherweise sieht die Vereinsspitze in der nahenden Ausgliederung einen guten Anlass, um auch in die Spitze des Finanzressorts frisches Blut zu bringen.

Der seit 25 Jahren amtierende Ruf gilt als graue Eminenz des VfB und Finanzvorstand der alten Schule. Im Dezember kritisierte der entlassene Sportdirektor Fredi Bobic im Fußballfachmagazin „Kicker“, dass Ruf lediglich die Finanzen konsolidiere und immer Transferüberschüsse erwirtschaften wolle. Diese Strategie mache zwar den Finanzchef glücklich, sei aber schädlich für den sportlichen Erfolg, so Bobic.

Die harsche Kritik der früheren sportlichen Leitung am eingeschlagenen Sparkurs war aber nicht ausschlaggebend für den Wechsel an der Finanzspitze des Vereins, sagte ein Sprecher des Vereins auf FINANCE-Anfrage. Vielmehr hätten Vereinspräsident Bernd Wahler und der Aufsichtsratsvorsitzende Joachim Schmidt in mehreren Gesprächen mit Ruf gemeinsam beschlossen, den ursprünglich bis 2016 laufenden Vertrag bereits ein Jahr früher als geplant im gegenseitigen Einvernehmen aufzulösen.

VfB Stuttgart: Rote Zahlen sind keine Seltenheit mehr

Es gibt jedoch auch Gründe, daran zu zweifeln, dass Rufs Rückzug gänzlich freiwillig erfolgt ist. Ruf ist seit 1980 für den Verein tätig und leitet seit 1990 die Finanzen der Schwaben – zunächst als Direktor und seit 2000 als Vorstand. Er erlebte in diesen Funktionen die beiden Meisterschaften 1992 und 2007 sowie den Pokalsieg 1997. Seine Tätigkeit beim Verein beschreibt Ruf als „Herzensangelegenheit“.

Seit der vorerst letzten Meisterschaft vor sieben Jahren kämpft der Verein jedoch zunehmend mit seinen Finanzen. In den vergangenen beiden Spielzeiten wies der VfB in seiner GuV-Rechnung ein Minus von zusammengerechnet rund 13 Millionen Euro aus. Der Umsatz in der Saison 2012/13 in Höhe von 114,8 Millionen Euro gehört hingegen zu den Topwerten in der Bundesliga, weshalb auch nicht alle Bobics Meinung folgten, dass der Konsolidierungskurs des Finanzvorstands zum Abrutschen des VfB in die Abstiegsregionen der Bundesliga geführt habe.

Trotz der sportlichen Talfahrt schaffte CFO Ruf es zudem, den Verein finanziell über Wasser zu halten. Er generierte zuletzt einen leicht positiven Cashflow, und der VfB verfügt über liquide Mittel in Höhe von 13,8 Millionen Euro. Auch von den vergleichsweise niedrigen Schulden, die bei etwa 5 Millionen Euro liegen, können andere Bundesligisten wie zum Beispiel der Hamburger SV nur träumen.

Spekulationen über Nachfolger haben begonnen

Auf der Suche nach einem Nachfolger sieht sich der Verein nicht unter Zeitdruck: „Es gibt keinen festgesetzten zeitlichen Rahmen für die Neubesetzung“, teilte ein Vereinssprecher mit. Präsident Wahler gibt an, man habe konkrete Vorstellungen und Anforderungen an den neuen Finanzvorstand, die man in den kommenden Wochen mit potentiellen Kandidaten abgleichen werde.

In den Medien kursieren indes bereits zwei heiße Kandidaten. Zum einen wurde der Geschäftsführer des 1. FC Köln, Alexander Wehrle, ins Spiel gebracht, der dafür gesorgt hat, dass bei den Geißböcken wieder die finanzielle Vernunft Einzug gehalten hat. Wehrle hat VfB-Stallgeruch, er war insgesamt zehn Jahre lang Referent des Vorstands der Schwaben, ehe es ihn 2013 nach Köln zog. Als zweiter Kandidat wird Franz Reiner gehandelt, CEO des VfB-Hauptsponsors Mercedes-Benz Bank. Beide Personalien wollte der Verein auf Anfrage nicht kommentieren.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

Jakob Eich ist Redakteur der Fachzeitungen FINANCE und DerTreasurer des Fachverlags F.A.Z Business Media, bei dem er auch sein Volontariat absolviert hat. Eich ist spezialisiert auf die Themen Digitalisierung im Finanzbereich und Treasury. Durch seine Zwischenstation bei der Schwesterpublikation „Der Neue Kämmerer“ ist der 1988 geborene Journalist auch versiert beim Thema Kommunalfinanzen. Erste journalistische Erfahrungen hat der gebürtige Schleswig-Holsteiner in den Wirtschaftsmedien von Gruner+Jahr sowie in der Sportredaktion der Hamburger Morgenpost gesammelt.