CFO Karin Sonnenmoser wird Ende Juni den Leuchtenhersteller Zumtobel verlassen.

Zumtobel

02.02.18
CFO

Zumtobel-CFO Karin Sonnenmoser geht nun doch

Nach viel Unruhe an der Zumtobel-Spitze verlässt CFO Karin Sonnenmoser den Leuchtenhersteller nun doch. Der Abgang der Finanzchefin ist der vorläufige Höhepunkt eines monatelangen Machtkampfes.

Die internen Querelen beim Leuchtenhersteller Zumtobel wirbeln den kompletten Vorstand durcheinander. CEO Ulrich Schuhmacher hat das Unternehmen mit sofortiger Wirkung verlassen, wie das österreichische Unternehmen gestern Abend bekannt gab. Sein Vertrag lief noch bis April 2020. Die Aufgabe des Vorstandssprechers übernimmt bis auf weiteres Vertriebsvorstand Alfred Felder. Neben Alfred Felder gehört noch Bernard Motzko als Chief Operating Officer (COO) dem Vorstand an.

Dass Finanzchefin Karin Sonnenmoser nicht einmal interimistisch aufrückt, hat einen triftigen Grund – auch sie wird Zumtobel verlassen, wenngleich erst Ende Juni. Sie geht in „gegenseitigem Einvernehmen“, wie Zumtobel schreibt. Auch ihr Vertrag wäre noch bis 2020 gegangen.

Sonnenmoser trat im Januar 2014 den CFO-Posten an, den sie von Ulrich Schumacher übernahm, der als Chef des Chipherstellers Infineon bekannt wurde und kurz zuvor als neuer Hoffnungsträger zu Zumtobel gewechselt war. Sonnenmoser kam damals von der Automobilfabrik „Gläserne Manufaktur“, die zum VW-Konzern gehört.

Zumtobel wollte CFO Karin Sonnenmoser halten

Dass neben Schumacher – was absehbar war – nun auch Sonnenmoser ausscheidet, ist der vorläufige Höhepunkt eines monatelangen Machtkampfes in der Zumtobel-Führung. Vor zwei Wochen erst sorgte der Leuchtenhersteller mit einer ungewöhnlichen Mitteilung für Aufsehen. Darin hieß es, CEO Schumacher und CFO Sonnenmoser hätten dem Aufsichtsrat ihren Rücktritt angeboten, sofern dies der Wunsch der Konzernaufseher sei. Die Beweggründe der beiden Manager ließ Zumtobel aber offen.

Eine Sprecherin erklärte damals, man spreche mit Schumacher über ein baldiges Ausscheiden. Das Rücktrittsangebot von Sonnenmoser hatte der Aufsichtsrat hingegen abgelehnt. Man habe Sonnenmoser die „volle Unterstützung zugesagt und sie ersucht, ihre Arbeit für das Unternehmen fortzusetzen“. Nun zeigt sich aber, dass die Finanzchefin offenbar nicht mehr bereit war, noch länger als für eine Übergangszeit bei dem früheren Familienunternehmen zu bleiben, das im abgelaufenen Geschäftsjahr wieder in die Krise gerutscht ist. 

Manager kritisierten Gründerfamilie Zumtobel

Im Dezember hatte die „Süddeutsche Zeitung“ ausführlich über den Machtkampf im Hause Zumtobel berichtet. Demnach kritisierten zahlreiche Zumtobel-Führungskräfte, dass die Gründerfamilie, die nur noch ein Drittel des börsennotierten Konzerns hält, sich zu stark einmische. Zentrale Figur sei der 81 Jahre alte Aufsichtsratsvorsitzende Jürg Zumtobel.

Klarer Hinweis, dass es im Aufsichtsrat tatsächlich zu schweren atmosphärischen Störungen gekommen ist: Vor wenigen Tagen legten der Frankfurter Rechtsanwalt Stephan Hutter und der ehemalige Siemens-Manager Hans-Peter Metzler ihre Aufsichtsratsmandate nieder. Auch CEO Schumacher war offenbar mit Jürg Zumtobel aneinandergeraten, und Finanzchefin Sonnenmoser wurde Schumachers Lager zugerechnet.

Interims-CEO Alfred Felder will „Stabilität“

Der Streit entflammt sich vor allem darüber, mit welcher Strategie der Leuchtenhersteller seine alte Ertragskraft wiederherstellen will. Vor einer Woche veröffentlichte das Unternehmen bereits die zweite Gewinnwarnung innerhalb weniger Monate. Die Prognose für den bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) im noch bis Ende April laufenden Geschäftsjahr senkte Zumtobel von bisher 50 bis 60 auf nur noch 12 bis 25 Millionen Euro. Als Begründung wurden ein „sehr intensiver Preiswettbewerb“ sowie „interne operative Herausforderungen“ genannt.

Alfred Felder versucht, den Abgang seiner Spitzenmanager als Neuanfang zu verkaufen: „Wir werden wieder alle gemeinsam an einem Strang ziehen, um den Aktionären Stabilität zu gewähren, die Mitarbeiter zu motivieren und den Kunden auch weiterhin ein verlässlicher, innovativer Partner zu sein“, lässt er sich zitieren.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de