Deutsche-Post-CFO Melanie Kreis hätte bei einer Änderung der Vergütungsregeln bei dem Dax-Konzern wohl nichts zu befürchten.

Deutsche Post AG

23.03.17
CFO

Debatte um Vorstandsgehälter erreicht Deutsche Post

Nach einem Gehaltssprung für Deutsche-Post-Chef Appel erwägt der Aufsichtsrat wohl ein neues Vergütungssystem für den Vorstand. Die Managergehälter könnten künftig gedeckelt werden – allerdings mit Ausnahme derer von Appel und Finanzchefin Melanie Kreis.

Die Deutsche Post wird in die Debatte um das Thema Managervergütung hineingezogen. Wie aus einem Zeitungsbericht der „Welt“ hervorgeht, soll der Aufsichtsrat über ein neues Vergütungssystem nachdenken. Dieser Plan soll vorsehen, dass künftig kein Post-Vorstand mehr über 6 Millionen Euro im Jahr verdienen soll.

Weiter soll sich die Vergütung in Zukunft nur noch aus drei Teilen zusammensetzen – dem Festgehalt, einem mittelfristigen Erfolgskriterium und einer langfristigen Erfolgskomponente. Mit Obergrenzen von jeweils 2 Millionen Euro wäre so im besten Fall eine Gesamtvergütung von 6 Millionen Euro möglich. Allerdings solle diese Regelung nicht auf geltende Verträge zutreffen, sondern nur neue Verträge und somit auch nur neue Vorstandsmitglieder betreffen.

Post-CEO Frank Appel verdiente 2016 fast 10 Millionen Euro

Der Vorstandschef der Deutschen Post, Frank Appel, hatte im vergangenem Jahr knapp 9,9 Millionen Euro verdient und damit deutlich mehr als die mit der potentiellen neuen Regelung möglichen 6 Millionen Euro. Damit stieg Appel in die Liga der absoluten Topverdiener in Deutschland auf.

Appels Auszahlungsbetrag setzt sich aus den Komponenten Festvergütung, Nebenleistungen, einjährige variable Vergütung, mehrjährige variable Vergütung sowie sonstige Zahlungen und Versorgungszuwendungen zusammen, wie dem Geschäftsbericht der Deutschen Post zu entnehmen ist. Die mehrjährige variable Vergütung untergliedert sich in eine mittel- und eine langfristige Komponente. Nach der neuen Regelung könnten die Posten Nebenleistungen, einjährige variable Vergütung, sonstige Zahlungen sowie der Versorgungsaufwand bei künftigen Vorständen entfallen.

Bei Vorstandschef Appel würde nach dieser Aufteilung alleine die langfristige Erfolgskomponente die mögliche künftige Grenze von 2 Millionen Euro überschreiten, allerdings deutlich. Diese beruht auf dem Long-Term-Incentive-Plan der Deutschen Post, kurz LTIP, in dem sich die Performance bestimmter Unternehmenskennzahlen widerspiegeln soll. Appel kassierte für das Geschäftsjahr 2016, in dem sich die Post deutlich von dem 2015 erlittenen Gewinneinbruch erholen konnte, knapp 5,2 Millionen Euro aus dem Long-Term-Incentive-Plan. Sowohl die Festvergütung als auch die mittelfristige Erfolgskomponente liegen mit 1,96 beziehungsweise 0,93 Millionen Euro aktuell unter der genannten Obergrenze.

Unterschiedliches Bild bei den CFOs

Melanie Kreis, erst seit dem Herbst Finanzchefin der Deutschen Post, liegt mit ihrer Vergütung aus dem vergangenem Geschäftsjahr von insgesamt 1,4 Millionen Euro hingegen deutlich unter der angestrebten Gehaltsgrenze von 6 Millionen Euro.

Ein wenig anders sieht es beim abgetretenen CFO Lawrence Rosen aus. Dieser war im September vergangenen Jahres aus dem Vorstand ausgeschieden, weil er mehr Zeit mit der Familie verbringen wollte. Zwar lag auch er im Jahr 2016 mit knapp 5,6 Millionen Euro unter der kolportierten neuen Gehaltsgrenze, allerdings wohl nur, weil er kein volles Jahr bei der Deutschen Post arbeitete. Für das Geschäftsjahr 2015 hatte Rosen noch eine Vergütung von 6,7 Millionen Euro erhalten. Bei ihm ist es ebenfalls, wie bei Frank Appel, die langfristige Erfolgskomponente, die mit deutlich mehr als 50 Prozent den größten Anteil an der Vergütung ausmacht (2016: 3,7 Millionen Euro; 2015: 4,9 Millionen Euro).

Debatte über Vorstandsgehälter nicht nur bei der Deutsche Post

Die Deutsche Post reiht sich mit der nun angestoßenen Überlegung zur Änderung der Vorstandsvergütung in die derzeitige Debatte über die Vorstandsgehälter ein. Auch Volkswagen will die Vorstandsvergütung verändern. So soll sich die Maximalvergütung der VW-CEOs demnächst auf 10 Millionen Euro belaufen, die eines einfachen Vorstands auf 5,5 Millionen.

camilla.flocke[at]frankfurt-bm.com

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