Schlechte Zeiten für Finanzfachkräfte: Wegen Corona ist die Nachfrage nach ihnen gesunken. Vor allem Buchhalter haben es schwer.

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30.07.20
CFO

Nachfrage nach Finanzfachkräften durch Corona eingebrochen

So wenige Jobs für Finanzspezialisten wie in den vergangenen Monaten hat es schon lange nicht gegeben. Doch es trifft längst nicht alle Finanzer gleichermaßen.

Die Corona-Pandemie hat tiefe Spuren am Arbeitsmarkt hinterlassen. Der Hays-Fachkräfteindex, der die Anzahl von ausgeschriebenen Stellen auswertet, ist im zweiten Quartal krachend eingebrochen und auf den tiefsten Wert seiner Geschichte gefallen: Er liegt nach 195 Indexpunkten im ersten Quartal nur noch bei 95 Punkten. Noch nie wurden seit Beginn der Betrachtung im Jahr 2015 so wenig Fachkräfte gesucht wie jetzt.

Wer glaubt, dass Finanzfachkräfte in einer so wirtschaftlich herausfordernden Phase wie der aktuellen vor einer Verschlechterung des Arbeitsmarkts gefeit sind, der irrt. Im Gegenteil: Finance-Spezialisten sind neben Sales- und Marketingfachkräften am stärksten von dem Nachfragerückgang betroffen. Bei Ingenieuren und IT-Spezialisten sieht die Lage besser aus. Der Index zeigt, dass die Nachfrage nach Finanzfachkräften im zweiten Quartal um 46 auf 82 Indexpunkte gesunken ist. Zum Vergleich: Im zweiten Quartal 2019 lag der Wert noch bei 166 Indexpunkten.

Am wenigsten gesucht: Buchhalter und Tax-Manager

Auf den zweiten Blick zeigt sich allerdings ein differenzierteres Bild. Längst nicht alle Funktionen in den Finanzabteilungen waren von dem Rückgang betroffen. Treasury-Experten, aber auch Controller mit Digitalisierungs-Expertise sowie Risikomanager waren auch in den Krisenwochen nach wie vor gefragt. „Das sind Bereiche, die in der Krise sehr gefordert sind. Hier wurden in der Tendenz sogar mehr Stellen ausgeschrieben“, berichtet Erich Schwinghammer, Senior-Abteilungsleiter Permanent im Bereich Corporate Finance bei Hays.

Deutlich härter traf es dagegen Buchhalter, Compliance- und Tax-Manager: Für sie wurden besonders wenig Stellen ausgeschrieben. „Das sind Positionen, die in der Coronakrise – zumindest vorübergehend –  für Unternehmen nicht so essentiell waren“, ordnet Schwinghammer ein.

Digitalisierung verschlechtert Chancen für Buchhalter

Allerdings lasse sich nicht der gesamte Rückgang auf die Pandemie schieben. Diese hat die Entwicklung lediglich verstärkt, glaubt Schwinghammer. Ein Blick auf den Index zeigt deutlich, dass die Nachfrage nach Finanzexperten bereits seit dem dritten Quartal 2019 im Rückwärtsgang ist. Schon die eingetrübte Stimmung in der deutschen Wirtschaft habe zu einem Rückgang an neuen Stellen geführt.

Die voranschreitende Digitalisierung sorgt zudem dafür, dass die Nachfrage nach bestimmten Fachkräften strukturell sinkt. Schwinghammer: „Besonders bei Buchhaltern beobachten wir, dass die Prozesse in den Unternehmen immer mehr automatisiert werden und die ein oder andere bisherige Aufgabe obsolet wird.“

Bei Compliance- und Tax-Managern wertet Schwinghammer den Einbruch der Nachfrage eher als vorübergehend. Diese Aufgaben seien auch weiterhin essentiell. Er schätzt deshalb, dass für diese Berufsgruppen auch bald wieder mehr Stellen ausgeschrieben werden – vorausgesetzt, es kommt zu keiner zweiten Corona-Welle. „Schon jetzt merken wir eine anziehende Nachfragen nach Compliance- und Tax-Managern.“

Herausforderung Digitales Onboarding

Unabhängig davon, ob es um Finanzexperten oder andere Fachkräfte ging: Mit einem Problem mussten sich in den vergangenen Monaten fast alle Unternehmen auseinandersetzen. Wie gelingt das Onboarding von Fachkräften in Zeiten, in denen die Büros leer sind und das Home Office die neue Norm geworden ist?

„Gerade während des Lockdowns gab es bei vielen Unternehmen beim Onboarding-Prozess noch eine Reihe von Problemen“, berichtet Schwinghammer. „Mittlerweile haben aber viele Unternehmen Prozesse und Tools etabliert, um die Zusammenarbeit aus der Ferne zu erleichtern und Mitarbeiter besser remote einarbeiten zu können“, sagt er. Das sei ein Lernprozess für die Unternehmen gewesen. Schwinghammer schätzt, dass das in den kommenden Monaten kein großer Hemmschuh mehr sein werde.

Auch auf der Kandidatenseite tut sich etwas: In der Corona-Hochphase seien auch die Kandidaten bei Jobwechseln sehr vorsichtig gewesen. „Vielen war diese Zeit zu unsicher, um sich auf eine Probezeit einzulassen“, berichtet der Hays-Mann. Aber auch hier sehe man, dass die Fachkräfte nun wieder „risikoaffiner“ würden.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

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