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Welche Faktoren CFO-Gehälter hoch treiben

Ausbildung, Auslandserfahrung oder gar das Aussehen? Die CFO-Forschung hat herausgearbeitet, welche Faktoren CFO-Gehälter in die Höhe treiben. Foto: hquality/Adobe Stock
Ausbildung, Auslandserfahrung oder gar das Aussehen? Die CFO-Forschung hat herausgearbeitet, welche Faktoren CFO-Gehälter in die Höhe treiben. Foto: hquality/Adobe Stock

Meldungen über die Gehälter von Top-Managern sind aus der Wirtschaftspresse nicht wegzudenken. Auch FINANCE berichtet regelmäßig über „rekordverdächtige Vergütungen“ und Gehaltsrankings von Finanzchefs. Das Schillernde an diesem Thema ist nicht nur die absolute Höhe der Gehälter, sondern auch die Varianz zwischen den CFOs. So lag beispielsweise die durchschnittliche Gesamtvergütung eines Dax-30-CFO im Jahr 2020 bei rund 2,5 Millionen Euro. Die Bandbreite war enorm: Die Vergütung schwankte zwischen unter 1 Million und deutlich über 5 Millionen Euro.

Es ist also Zeit, einmal einen Blick in die einschlägige Fachliteratur zu werfen und der Frage nachzugehen, was wir über die Einflussgrößen der CFO-Vergütung wissen. Mein erster Befund: Auch unter Forschern scheint die Vergütung von Managern zu den beliebten Themen zu zählen. Einige Wissenschaftler, die die Determinanten und Konsequenzen von Managergehältern untersuchen, weisen augenzwinkernd darauf hin, dass die Fachliteratur zu diesem Thema fast so schnell wächst wie die Vergütung der Manager selbst. Und dort finden sich hoch interessante Befunde dazu, welche Faktoren CFO-Gehälter besonders in die Höhe treiben.

Strategische CFOs vs. „accounting“ CFOs

Es gibt einige Faktoren für CFO-Gehälter, die sich aus den Charakteristika der Unternehmen ergeben und wenig überraschend sind. So zeigt sich beispielsweise, dass die Unternehmensgröße einen erheblichen und positiven Einfluss auf die Vergütung von Finanzchefs hat. Auch die Performance eines Unternehmens und das firmenspezifische Risiko zeigen regelmäßig positive Regressionskoeffizienten auf.

Darüber hinaus gibt es aber auch Einflussgrößen, die unmittelbar in der Person des CFO zu verorten sind. Die individuellen Managereigenschaften werden überwiegend aus dem Blickwinkel der sogenannten Humankapitaltheorie beleuchtet. Demnach ermittelt sich der Wert der Arbeitskraft unter anderem aus den Erfahrungen und Fähigkeiten, die ein Manager mitbringt. In diesem Zusammenhang stellt sich beispielsweise die Frage, ob eher Generalisten mit breiter Managementausbildung oder Spezialisten als CFOs höher vergütet werden.

CFO-Forscher und FINANCE-Kolumnist Marko Reimer. Foto: WHU

Sudip Datta und Mai Iskandar-Datta sind in ihrer 2014 im „Strategic Management Journal“ veröffentlichten Untersuchung von knapp 1.600 CFOs im US-Kontext genau dieser Frage nachgegangen: Unter der Überschrift „Upper-echelon executive human capital and compensation: Generalist vs specialist skills“ argumentieren sie, dass ein „strategicCFO (ein Generalist mit MBA-Ausbildung) signifikant mehr verdienen müsste als ein „accounting“CFO (ein Spezialist im Accounting), da der strategische CFO ein breiteres und strategisches Kompetenzprofil mitbringt.

Die diversen empirischen Analysen, bei denen lediglich das Anfangsgehalt von neu berufenen CFOs im Zeitraum 1994 bis 2007 berücksichtigt wurden, bestätigen diese Hypothese. Die Ergebnisse sind robuster, wenn der MBA-Titel von einem der Top-25-MBA-Programme verliehen wurde.

CFO-Gehalt: Was bringt eine Auslandsstation?

Und wie sieht es mit der Relevanz der vielzitierten internationalen Erfahrung von Top-Managern aus? Auch diese Frage kann aus der Perspektive der Humankapitaltheorie betrachtet werden.

Stefan Schmid und Frederic Altfeld haben in ihrer 2018 im „European Management Journal“ veröffentlichten Studie „International work experience and compensation: Is more always better for CFOs?“ den Einfluss internationaler Arbeitserfahrung auf das Gehalt von CFOs europäischer Unternehmen untersucht. Die Autoren argumentieren, dass sich die im Ausland gemachten Erfahrungen positiv auf das Humankapital und somit auf die Vergütung auswirken.

Gleichzeitig weisen sie aber auch auf die bisher übersehenen Nachteile eines Auslandaufenthalts hin. Sie argumentieren, dass durch einen langen Auslandsaufenthalt das Sozialkapital der Manager leiden kann. Durch die Zeit im Ausland vernachlässigen die CFOs ihre Arbeitsbeziehungen und professionellen Netzwerke im Heimatland des Unternehmens. Daraus würde eine geringere Vergütung folgen.

Alles zum Thema

Gehalt

Unsere Themenseite Gehalt liefert Infos und Zahlen nicht nur zu CFO-Gehältern, sondern auch zur Bezahlung von weiteren Finanzexperten.

Tatsächlich finden die beiden Autoren bei der empirischen Überprüfung des Zusammenhangs zwischen Auslandsaufenthalt und Vergütung einen Verlauf, der einem umgekehrten „U“ entspricht. Mit zunehmender internationaler Arbeitserfahrung steigt die Vergütung zunächst an. Ab einem bestimmten Punkt nimmt die Vergütung mit weiterer Zunahme der internationalen Arbeitserfahrung dann jedoch wieder ab – ein klassischer Fall von „too much of a good thing“.

Für mehr Gehalt sollte ein CFO den CEO imitieren

Einen weiteren Erklärungsansatz für Unterschiede in den Gehältern von CFOs führen Ariela Caglio und Kollegen ins Feld. Für ihre 2018 im „Journal of Accounting and Public Policy“ erschienene Untersuchung „CFO Role and CFO Compensation: An Empirical Analysis of Their Implications“ nutzten sie ebenfalls eine Stichprobe europäischer CFOs und analysierten, inwieweit die Ähnlichkeit der CFOs zu den CEOs die Gehaltshöhe beeinflusst.

Der treue Leser dieser Kolumne denkt sofort an die Studie von Wei Shi und Kollegen, die ich im Februar 2021 vorstellte. Sie hatten herausgefunden, dass CFOs – ceteris paribus – mehr verdienen, wenn sie die Sprache ihrer CEOs imitieren.

Die Studie von Caglio und Kollegen fokussiert aber nicht auf die Sprache, sondern berechnet eine „CEO-CFO distance“, ein multidimensionales Unterschiedlichkeitsmaß. Die Forscher betrachten dabei nicht nur die Ausbildung und die Erfahrung der Manager, wie die eingangs erwähnten Studien, sondern darüber hinaus auch die unternehmensspezifische Ausgestaltung der CFO-Rolle im direkten Vergleich zur CEO-Rolle. Die Ergebnisse zeigen, dass CFOs mit einer geringen „CEO-CFO distance“ profitieren: „CFOs get rewarded for their CEO-likeness and particularly for their being similar to the CEO in terms of tasks and decision making authority.“

Auch Schönheit zahlt sich aus

Übrigens: Die erklärte Varianz in den Regressionsmodellen der hier betrachteten Studien schwankt stark, etwa zwischen 30 und 60 Prozent. Es scheinen also noch weitere relevante Einflussgrößen vorhanden zu sein, die das Gehalt der Top-Manager treiben. Und tatsächlich gibt es auch Untersuchungen, die sich mit auf den ersten Blick eher abwegigen Einflussgrößen auseinandersetzen.

Eine in diesem Zusammenhang besonders interessante Studie wurde von Mingxiang Li und Kollegen im Jahr 2020 in der Zeitschrift „Human Resource Management“ vorgelegt. Mit „Pay for beauty? A contingent perspective of CEO facial attractiveness on CEO compensation“ ist der Artikel betitelt.

Die Forscher haben darin den Einfluss der wahrgenommenen Schönheit (facial attractiveness) von 861 CEOs aus S&P-500-Unternehmen untersucht und kamen zu statistisch signifikanten wie ökonomisch relevanten Ergebnissen. Demnach werden attraktive Managerinnen und Manager deutlich besser bezahlt. Zusatzanalysen zeigen, dass dieser Effekt eine in etwa genauso große Rolle für die Vergütung spielt wie die Performance eines Unternehmens. Das Geschlecht scheint übrigens keinen Einfluss auf den „Schönheitseffekt“ zu haben.

redaktion[at]finance-magazin.de

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Michael Hedtstück ist Chefredakteur von FINANCE-Online und FINANCE-TV und verantwortet die Online-Aktivitäten des FINANCE-Magazins. Er ist zweifacher Träger des Deutschen Journalistenpreises.

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