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CEO & CFO: Partners in Crime?

Sind die CFOs oder die CEOs die Treiber hinter Bilanztricksereien? Das sagt die CFO-Forschung.
paulaphoto/stock.adobe.com

Finanzvorstände werden immer häufiger als die zweitwichtigste Person in einer Organisation direkt hinter dem CEO gesehen. Das ist nicht selbstverständlich, wenn man bedenkt, dass noch Ende der 1970er Jahre lediglich jede zehnte US-Aktiengesellschaft über eine formale CFO-Position verfügte. Seitdem jedoch haben CFOs eine stetige Aufwertung ihrer Rolle erfahren, „vom Erbsenzähler zum Strategen“.

Konsequenterweise widmet sich auch die CFO-Forschung verstärkt der Frage, wie CEOs und CFOs zusammenarbeiten und welche Konsequenzen sich daraus für ihre Unternehmen ergeben. Dabei stehen Forscher vor einer großen empirischen Herausforderung, findet doch vieles hinter verschlossenen Türen statt. Gefragt sind kreative Forscher und innovative Datenquellen. Die Erkenntnisse, die daraus entstehen, haben es in sich. 

Je mehr CEO-Klon, desto mehr M&A

So haben drei Forscher aus den USA die Sprachstile von Managern untersucht. Liebe Leser, haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, inwiefern Sie die Sprache Ihres Vorgesetzten imitieren und zu welchen Konsequenzen dies führt? Vermutlich nicht.

Genau diese Frage stand jedoch im Mittelpunkt der Studie von Wei Shi, Yan Zhang und Robert E. Hoskisson, die im April 2019 im renommierten „Academy of Management Journal“ publiziert wurde. Die Autoren untersuchten die soziale Interaktion zwischen CEO und CFO von knapp 2.400 US-Unternehmen anhand der spezifischen Sprachstile, die beide Manager nutzen. Sie analysierten dafür Transkripte von Conference Calls aus dem Zeitraum 2002 bis 2013 und konnten theoriekonform feststellen, dass einige CFOs die Sprache ihrer CEOs nachahmen und sich somit beim CEO einschmeicheln.

Sich beim CEO einzuschmeicheln, schadet dem CFO finanziell nicht.

Geschadet hat dies den Finanzern nicht: Den Autoren gelang es, einen positiven Zusammenhang zwischen der Sprachimitation und der Vergütungshöhe des CFOs aufzuzeigen. Das Einschmeicheln über die sprachliche Nachahmung zahlt sich für CFOs also im wahrsten Sinne des Wortes aus! Auch die Wahrscheinlichkeit für ein Aufsichtsratsmandat stieg für CFOs, die den Sprachstil ihrer CEOs nachahmten.

Ebenfalls erstaunlich: Unternehmen, in denen der CFO sehr stark den CEO imitiert, führten signifikant mehr Akquisitionen durch, die dann allerdings am Tag der Bekanntmachung zu geringeren abnormalen Renditen führten. Kurzum: Während das Nachahmen der CEO-Sprache zwar den Eigennutzen für CFOs erhöhen kann, sind für die betroffenen Unternehmen damit eher wertvernichtende Effekte verbunden.

Sind CFOs leichte Opfer ihrer CEOs?

Ein anderes interessantes Forschungsprojekt haben Mei Feng und Kollegen durchgeführt. Sie untersuchten die Hintergründe von Bilanzmanipulationen. Konkret ging es um „Earnings Management“-Aktivitäten, die gegen die US-GAAP-Richtlinien verstoßen. 

Erstaunlicherweise fokussieren Forschungen zum Earnings Management üblicherweise auf Verfehlungen der CEOs. Doch maßgeblich verantwortlich für die Berichterstattung ist der CFO. Wer von beiden versucht also eher, mit dem Frisieren der Bücher seinen persönlichen Nutzen zu maximieren? Agieren CEO und CFO gar als konspirative Komplizen? Oder ist es der CEO, der seinen CFO zu illegalem Verhalten drängt?

Die Ergebnisse, die Feng und ihre Kollegen 2011 im „Journal of Accounting and Economics“ veröffentlichten, legen Letzteres nahe: „Our findings are consistent with the explanation that CFOs become involved in accounting manipulations under pressure from CEOs, rather than instigating such manipulations for immediate personal financial gain.“ In ihrem Beitrag wird der CFO als der Schwächere in der CEO-CFO-Beziehung und primär in der Opferrolle gesehen.

Bilanzkosmetik: Wahrscheinlich werden CFOs erwischt

Sie fragen sich nun sicherlich, wie die Forscher zu diesem Schluss kommen konnten, schließlich ist eine illegale Einflussnahme des CEO doch üblicherweise nicht direkt beobachtbar. Feng und ihre Mitstreiter konnten die Hypothesen nur indirekt testen. Sie bildeten zwei Gruppen mit US-Unternehmen im Zeitraum 1982 bis 2005 – eine Gruppe mit Unternehmen, die manipulierten, und eine Kontrollgruppe mit relativ ähnlichen Unternehmen, die nicht manipulierten.

Die Analyse der beiden Gruppen zeigte, dass CFOs in Manipulationsunternehmen hohe persönliche Risiken tragen – immerhin wurden 60 Prozent von ihnen bestraft. Gleichzeitig unterschieden sich die Vergütungsstrukturen der CFOs in beiden Gruppen aber kaum. Dem erhöhten persönlichen Risiko der CFOs in Manipulationsunternehmen stand also kein aus der Manipulation resultierender erhöhter Gewinn gegenüber. 

Der Druck der betrügenden CEOs

Ganz anders verhielt es sich jedoch bei den CEOs der Manipulationsunternehmen: Sie profitierten von signifikant höheren Equity Incentives. Diese CEOs verfügten zudem über eine größere Machtbasis – approximiert durch die Dualität von CEO- und Chairman-Position, den Gehaltsanteil des CEO am gesamten Vorstandsgehalt und dem Gründerstatus des CEO.

Und noch ein weiteres Indiz deutet auf den CEO als den wahrscheinlicheren Drahtzieher der Bilanztricksereien: Die Daten zeigen, dass CFOs Unternehmen, die später in Manipulationen verwickelt sind, deutlich häufiger vor der Manipulation verlassen. Die Autoren deuten dies als Anzeichen dafür, dass diese CFOs dem Drängen des CEO nicht nachgaben (oder nachgeben wollten) und somit gehen mussten.

Natürlich ist das Machtverhältnis zwischen CEO und CFO in den USA häufig anders als in Deutschland. Dennoch zeigen beide Studien eindrucksvoll die Bedeutung auf, die dem Zusammenspiel von CEO und CFO zukommt. Bei Fragen zur optimalen Besetzung eines CEO-CFO-Duos oder potentiellen Herausforderungen in der Zusammenarbeit gibt es noch enormen Forschungsbedarf.

marko.reimer[at]whu.edu

Info

Autor und Kolumne
Marko Reimer ist Professor an der WHU – Otto Beisheim School of Management und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Erforschung von Top-Managern und ihrem Einfluss auf die Geschicke ihrer Organisationen. In seiner FINANCE-Kolumne berichtet er regelmäßig über Spannendes aus der CFO-Forschung. In der nächsten Kolumne mit dem Titel „In your face“ wird es um Studien gehen, die den Einfluss des äußeren Erscheinungsbilds von Top-Managern untersuchen.

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