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Vitesco-CFO kauft in das fallende Messer

Da war die Welt noch heil: Die Vitesco-Führung um CFO Werner Volz (Mitte) feiert am 16. September die Börsennotiz. Foto: Vitesco
Da war die Welt noch heil: Die Vitesco-Führung um CFO Werner Volz (Mitte) feiert am 16. September die Börsennotiz. Foto: Vitesco

Die eigenständige Börsennotiz der früheren Continental-Antriebssparte Vitesco entwickelt sich immer mehr zu einem Flop, die Aktie fällt und fällt. Ursprünglich hatten Analysten den fairen Wert des Unternehmens auf 80 bis 100 Euro je Aktie beziffert, teils sogar darüber. Einen Kurs in dieser Größenordnung hatten sie auch für den ersten Handelstag am 16. September erwartet.

Doch die Aktie startete mit lediglich 65 Euro, ein Kurs, um den sich die Aktie auch in den Tagen danach bewegen sollte. Doch seit dem 23. September geht es stetig abwärts: In den sieben Handelstagen seitdem hat die Vitesco-Aktie um fast 30 Prozent nachgegeben. Bis zum heutigen Montagnachmittag fiel sie bis auf 45 Euro, die Marktkapitalisierung auf weniger als 1,9 Milliarden Euro. Dabei erwirtschaftete Vitesco im vergangenen Jahr einen Umsatz von 8 Milliarden Euro, der in diesem Jahr noch höher ausfallen soll.

Die Talfahrt der Vitesco-Aktie (Kurs seit Erstnotiz)

CFO Volz und die anderen Vorstände kaufen

Nun haben Manager mit Aktienkäufen begonnen, darunter auch Finanzchef Werner Volz. Wie heute bekannt wurde, hat er am vergangenen Freitag zu Kursen von leicht über 49 Euro Aktien im Wert von 25.000 Euro erworben. Einige Tage zuvor hatte er schon einmal für eine ähnliche Summe zugeschlagen, damals aber noch fast 60 Euro je Aktie bezahlt. Personalchef Ingo Holstein kaufte für etwas mehr als 10.000 Euro, allerdings schon bei 56 Euro. Wesentlich beherzter orderte Vorstandschef Andreas Wolf Aktien zu rund 60 Euro: Er investierte fast 1 Million Euro.

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Werner Volz, Vitesco Technologies GmbH

Werner Volz

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Vitesco Technologies GmbH

Dass Aktien von Konzern-Spin-offs in den ersten Handelswochen nachgeben, ist ein häufig auftretendes Phänomen. Dies liegt daran, dass die Aktien auch solchen Aktionären des abgebenden Mutterkonzerns ins Depot gebucht werden, die gar kein Interesse an ihnen haben oder sie gar nicht behalten dürfen, beispielsweise Indexfonds. Auch die Aktien der Spin-offs Lanxess (von Bayer), Uniper (von Eon) oder Siemens Energy büßten anfangs deutlich ein, bevor dann breit angelegte Kurserholungen einsetzten.

Mit Daimler Trucks steht die nächste Spin-off-Aktie schon in den Startlöchern: Die Daimler-Aktionäre haben in der vergangenen Woche der geplanten Abspaltung zugestimmt. Der Zeitplan sieht eine Umsetzung des Spin-offs gegen Jahresende vor.

Werner Volz beschreibt Börsennotiz als „Triathlon“

Bei der Vitesco-Aktie lassen die Umsätze langsam nach, was auf ein baldiges Auslaufen der Verkaufswelle hindeuten könnte. Doch noch ist die Wende nicht geschafft. Für CFO Volz wäre es bitter, wenn sie ausbliebe, schließlich hat er jahrelang auf die Börsennotiz hingearbeitet: 2019 sorgten Restrukturierungspläne bei Continental für eine erste Verschiebung der Transaktion, im vergangenen Jahr vereitelte der Ausbruch der Coronakrise den zweiten Anlauf. Außerdem kostet die Transaktion über mehrere Jahre hinweg rund 350 Millionen Euro.

In einem ausführlichen FINANCE-Interview beschrieb Volz vor wenigen Wochen die Arbeit an dem Spin-off als „Triathlon“ – auch weil seine Finanzabteilung einen Großteil der Vorbereitungen aus dem Home Office heraus zu stemmen hatte.    

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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Michael Hedtstück ist Chefredakteur von FINANCE-Online und FINANCE-TV und verantwortet die Online-Aktivitäten des FINANCE-Magazins. Er ist zweifacher Träger des Deutschen Journalistenpreises.

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