Das Biotech-Unternehmen Brain hat den Sprung an die Börse geschaft. CFO Georg Kellinghusen hat in den nächsten Monaten mit dem Unternehmen viel vor.

Brain AG

23.02.16
CFO

Brain-CFO Kellinghusen verspricht Break-Even

In stürmischen Zeiten hat das Biotech-Unternehmen Brain das Börsenjahr eröffnet. Schützenhilfe gab es dabei vom erfahrenen Finanzchef Georg Kellinghusen. Er kann sich vorstellen, die Kapitalmarktplattform bald zur Finanzierung größerer Akquisitionen zu nutzen.

Das Biotechunternehmen Brain hat in diesem Jahr als erstes den Schritt aufs Parkett gewagt. Mit dem Börsengang am 9. Februar hat sich das Management um CFO Georg Kellinghusen, der seit 1. Januar 2016 Mitglied des Vorstands ist, mit Begleitung von Oddo Seydler die Finanzierung für das zukünftige Wachstum gesichert. „Brain ist ohne Akquisitionen bis zum Break-Even finanziert“, sagt CFO Georg Kellinghusen, der 2007 von FINANCE für seine Erfolge als „CFO des Jahres“ geehrt wurde.

Doch noch schreibt Brain rote Zahlen. Der Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag 2014/2015 bei minus 4,6 Millionen Euro und damit auf einem ähnlichen Niveau wie in den vergangenen Jahren. Ab 2017 oder 2018 könnte ein positives Ergebnis erreicht werden, hofft das Management.

Im vergangenen Geschäftsjahr belief sich der Umsatz des Unternehmens inklusive Erlösen aus der F&E-Förderung und sonstigen Erträgen auf rund 25,7 Millionen Euro. Der Wachstumstrend ist deutlich. Im Geschäftsjahr 2012/2013 waren es noch etwa 10,2 Millionen Euro. Doch Kellinghusen will noch höher hinaus: „Wir wollen in absehbarer Zeit eine Umsatzgröße von 100 Millionen Euro erreichen“, sagt er.

Brain verfolgt Buy-and-Build-Strategie

Tragende Säule für das weitere Wachstum soll vor allem der Geschäftszweig Bioindustrial sein, in dem Brain eigene biologische Ersatzstoffe entwickelt, die selbst vermarktet werden. Der Bereich, der 2015 einen Umsatz von 13,5 Millionen Euro erzielte, soll in den nächsten Jahren überproportional wachsen.

Um das zu erreichen, muss Brain sich Zugang zu neuen Märkten für Ersatzstoffe zum Beispiel für die Kosmetik- oder Nahrungsmittelindustrie verschaffen. Deshalb will Brain Unternehmen zukaufen, die bereits Zugang zu Märkten für Enzyme oder andere biologische Ersatzstoffe haben. Über deren bestehende Marketing- und Vertriebskanäle sollen dann auch die eigenen Produkte von Brain verkauft werden, erläutert Brain-CEO Jürgen Eck.
 
Daneben führt Brain Forschungs- und Entwicklungsarbeiten für Konzerne durch. Zu den Kooperationspartnern gehören unter anderem BASF, Bayer, RWE, Südzucker und Symrise. Der Geschäftsbereich unter dem Namen Bioscience brachte dem Unternehmen im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von rund 12,3 Millionen Euro ein.

Weitere Kapitalmarktfinanzierungen geplant

Der Erlös aus dem Börsengang soll sowohl für die weitere Produktentwicklung, den Vertrieb der eigenen Enzyme, Mikroorganismen und bioaktiven Naturstoffe als auch für Akquisitionsvorhaben genutzt werden. Kellinghusen betont, dass man den Kapitalmarkt zur Finanzierung größerer Akquisitionen nutzen könne. „Für Deals in größeren Dimensionen steht uns dieser Finanzierungsweg jetzt frei, wenn sich eine Gelegenheit bietet“, sagt der CFO. Ob dann eine Kapitalerhöhung oder ein Aktientausch zur Finanzierung genutzt wird, ist aber noch offen.

Seit dem IPO sei auch das Interesse der Banken an einer Zusammenarbeit mit Brain deutlich gewachsen, berichtet CEO Jürgen Eck. Bisher sind die Kreditverbindlichkeiten des Unternehmens sehr begrenzt. Neben privaten Finanzierungsrunden gehörten vor dem Börsengang auch Fördermittel und eine Mezzanine-Finanzierung des Landes Hessen zu den Finanzierungsbausteinen. Mit näher rückender Profitabilität könnten sich die Finanzierungskomponenten des Biotech-Unternehmens in Zukunft jedoch deutlich auffächern.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

Ein ausführlicheres Portrait über Georg Kellinghusen und seine Rolle bei Brain lesen Sie in der kommenden Ausgabe von FINANCE, die sie hier abonnieren können.