CFO Zinnhardt: „Wir heben die Software AG auf eine neue Basis“

Software AG

18.06.13
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CFO Arnd Zinnhardt: „Wir heben die Software AG auf eine neue Basis“

CFO Arnd Zinnhardt will über einen Schuldschein Euro und US-Dollar einsammeln, um damit unter anderem die zahlreichen kleineren M&A-Deals der Software AG zu finanzieren. Mit der stringenten M&A-Strategie treibt Finanzchef Zinnhardt die Transformation des Softwareunternehmens voran.

Arnd Zinnhardt, die Software AG hat in der vergangenen Woche die Übernahme der Complex-Event-Processing-Plattform Apama bekannt gegeben und führt damit Ihre Strategie, den BPE-Geschäftsbereich (Business Process Excellence) dynamisch auszubauen, fort. Das war Ihr vierter M&A-Deal in diesem Jahr. Schauen Sie sich noch nach größeren Targets um?
Wir suchen nach Targets, die gut zu unserem bestehenden Portfolio passen. Die vier Deals, die wir in diesem Jahr bislang gemacht haben, waren alles kleinere und mittlere Transaktionen, die uns bei unserem dynamischen Wachstum und unserer Transformation zu einer Integrations- und Prozessoptimierungsgesellschaft unterstützen. Durch die Zukäufe haben wir unsere BPE-Seite komplettiert. Im Verlauf dieses Jahres werden wir diese M&A-Strategie weiter verfolgen. Wir denken zudem darüber nach, welche angrenzenden Themen Potential für einen Ausbau des BPE-Segments bieten.

Sie haben mit 2012 ein Jahr der Transformation hinter sich gebracht und wollen bis 2018 im Prozess- und Integrationsgeschäft BPE einen Produktumsatz von 1 Milliarde Euro erzielen. Das entspricht einer jährlichen Wachstumsrate von zehn bis 20 Prozent. Das liest sich sehr ambitioniert.
Wir haben das neue Geschäftsfeld Prozessoptimierung 2006 aus der Taufe gehoben. Damals machte es rund 20 Prozent unseres Umsatzes aus, das traditionelle Datenbankgeschäft Enterprise Transaction Systems (ETS) stand für die restlichen 80 Prozent. Ende dieses Jahres wird die Prozessoptimierung rund 60 Prozent unseres Produktumsatzes ausmachen. Auf Basis unseres Track Records der vergangenen sieben Jahre ist das Ziel zwar ambitioniert, aber realistisch.

Wo geht der Weg hin?
Wir sind durch unsere Akquisitionen nun so positioniert, dass wir aufgrund der inzwischen erreichten Größe erhebliche Marktanteile gewinnen können. Wartungsverträge sind wiederkehrende Umsatzströme über die nächsten Jahre und Jahrzehnte. Wenn wir jetzt den Markt erobern, legen wir die Basis für den Cashflow der nächsten Jahre. Um das auch operativ zu realisieren, haben wir im vergangenen Jahr eine Vertriebsoffensive gestartet. Durch unsere jetzigen Investitionen in Marketing und Vertrieb holen wir mit den künftigen Cashflows aus dem operativen Geschäft schnell wieder herein. Damit heben wir die Software AG auf eine neue Basis.

Sie haben das im Frühjahr angekündigte Aktienrückkaufprogramm mit ihren hohen Barbeständen begründet. „Eine Verwendung der freien Barmittel für andere Zwecke als die der Kapitalanlage ist aktuell nicht gegeben“, hieß es dazu damals in der Pressemitteilung. Wie passt das mit ihren Akquisitionsplänen zusammen?
Die Kapitalmärkte sind aktuell so aufnahmefähig, dass die Finanzierung kein Engpassfaktor bei einer Akquisition darstellt. Die Finanzierungskosten für das Aktienrückkaufprogramm sind niedriger als die Dividendenrendite, die wir unseren Altaktionären bieten. Der Cost of Carry ist aktuell kein Cost of Carry, sondern quasi ein „Income of Carry“, weshalb sich das Aktienrückkaufprogramm schon deshalb aus Gesamtunternehmenssicht gerechnet hat.

Um Ihre derzeitige M&A-Strategie umzusetzen, wollen Sie über einen Schuldschein insgesamt 150 Millionen Euro an Fremdkapital einsammeln. Der Schuldschein wird sowohl in Euro als auch in US-Dollar angeboten. Schuldscheine in US-Dollar sind bislang noch sehr selten. Sind Sie zuversichtlich, das geplante Volumen zu platzieren?
Ja, das sind wir. Wir wollen den Schuldschein in vier Tranchen zu zwei, drei und vier Jahren platzieren. Eine vierjährige Tranche soll in Euro und in US-Dollar begeben werden. Um beide Währungen gut einsammeln zu können, haben wir uns für drei Bankpartner entschieden – die Helaba als Landesbank, die HSBC Trinkaus & Burkhardt als internationaler Bankpartnerund die IKB, die bei Family Offices sehr gut vernetzt ist. Dadurch können wir unsere Investoren-Zielgruppe ideal abdecken. Sollten wir über die platzierte US-Tranche hinaus weiteren Kapitalbedarf für Akquisitionen haben, könnten wir den Rest über Derivatestrukturen darstellen. Wenn man etwas Neues anfängt, muss man immer erst Aufbauarbeit leisten. In der DACH-Region haben wir diese Arbeit schon getan; es ist bereits unsere dritte Schuldscheinemission.

War ein US Private Placement für Sie eine Überlegung wert?
Nein, ein US Private Placement war für uns kein Thema. Wir haben aber kurz über einen Bond nachgedacht. Allerdings sind die Anleihezinsen zurzeit etwas unattraktiver als beim Schuldschein. Zudem ist bei einer Anleihe die Dokumentation komplexer. Außerdem hat die Geschwindigkeit der Platzierung für den Schuldschein gesprochen.

Sie besitzen kein externes Rating. Wollen Sie das ändern?
Nein, unser Kapitalmarktbedarf ist situativ. Wir wollen darüber unsere Akquisitionen finanzieren. Wir haben zwar einen Ratingprozess hypothetisch durchgerechnet. Der Aufwand und der damit verbundene Liquiditätsbedarf sind jedoch höher als unsere derzeitigen Transaktionskosten, weshalb sich das für uns nicht rechnet. Zudem bewegen wir uns implizit im Investmentgrade und das wissen unsere Investoren.

Sie haben angekündigt, dass Sie Ihre Finanzierungskosten mit dem neuen Schuldschein deutlich senken können. Können Sie das quantifizieren?
Wir lösen im dritten Quartal noch eine größere Verbindlichkeit von der IDS-Scheer-Transaktion aus dem Jahr 2009 ab. Wie Sie wissen, mussten wir damals ganz andere Finanzierungsbedingungen akzeptieren, als das heute möglich ist. Auf das gesamte Finanzierungsvolumen der Software AG gerechnet, werden wir circa 130 Basispunkte besser dastehen als noch am Jahresende 2012.

sabine.paulus[at]finance-magazin.de

Arnd Zinnhardt, CFO der Software AG

Vom Wirtschaftsprüfer und Steuerberater zum CFO: Arnd Zinnhardt ist seit mehr als zehn Jahren CFO der Software AG. Im Mai 2002 hatte er das Amt bei dem Softwareunternehmen angetreten und verantwortet seitdem die Bereiche Finanzwesen, Controlling, Steuern, Treasury, Mergers & Acquisitions, Business Operations, Investor Relations und Globaler Einkauf. Als Arbeitsdirektor ist Zinnhardt zudem noch für den Bereich Human Resources bei dem Darmstädter Unternehmen tätig.

Seine berufliche Karriere hat Zinnhardt 1988 bei Ernst & Young begonnen. 1992 legte er sein Steuerberaterexamen und 1994 sein Wirtschaftsprüferexamen ab. Im gleichen Jahr erteilte Ernst & Young Zinnhardt die Prokura. 1998 wechselte Arnd Zinnhardt als Partner zur BDO. 2001 wurde er zum Regionalpartner und Office Managing Partner Frankfurt von BDO ernannt.