Dirk Kaliebe von Heidelberger Druck ist FINANCE-CFO des Monats.

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02.07.14
CFO

CFO des Monats: Dirk Kaliebe

Dirk Kaliebe ist FINANCE-CFO des Monats Juni. Er bringt den Turnaround von Heidelberger Druck voran und zeigt Fingerspitzengefühl. Für die nächsten Sanierungsschritte kann das viel wert sein.

Es soll Unternehmen geben, in denen sich Vorstände noch vom Chauffeur abholen lassen, während die operativen Einheiten schon mit der Notbesetzung arbeiten. Bei Heidelberger Druck verzichtet der Vorstand um CEO Gerold Linzbach und CFO Dirk Kaliebe selbst auf Privilegien und trägt damit seinen eigenen Teil zum Sparprogramm bei. Dafür heißt es bald wohl: Koffer packen.

Zahlreiche Unternehmensteile werden von der in die Jahre gekommenen Konzernzentrale  in Heidelberg in den Vorort Wiesloch umziehen, auf das Gelände des größten Werkes von Heidelberger Druck. Vom Umzug betroffen sind sowohl Vorstand als auch Verwaltung. Nur der Konzernsitz sowie die Forschung und Entwicklung bleiben in Heidelberg.

Sparprogramm bringt kleinen Überschuss

Dabei scheint der Druckmaschinenbauer das Schlimmste langsam hinter sich gebracht zu haben. Das Unternehmen, das unter CFO Kaliebe seit Jahren ein striktes Sparprogramm fährt, hat sich im Geschäftsjahr 2013/14, das am 31. März endet, wieder in die schwarzen Zahlen gearbeitet. Ein Jahresüberschuss von 4 Millionen Euro blieb dem Konzern nach einem Minus von 117 Millionen Euro im Vorjahr. Auch die Finanzierungsstruktur wurde diversifiziert. Kaliebe hatte zuletzt im Dezember über einen syndizierten Kredit und einen High Yield Bond die vorzeitige Refinanzierung gesichert. Den zusätzlichen Spielraum nutzte das Unternehmen vor wenigen Wochen, um nach langer Zeit wieder einen größeren Zukauf zu wagen. Im Zuge der Übernahme der Gallos Holding kommt auch ein neuer Ankerinvestor an Bord, Unternehmer Ferdinand Rüesch aus der Schweiz.

Der Umzug nach Wiesloch, der bis zum Ende des nun laufenden Geschäftsjahres erfolgen soll, wird laut Unternehmensangaben  eine jährliche Einsparung bei den Betriebskosten im niedrigen einstelligen Millionen-Euro-Bereich bringen. Darüber hinaus sollen die kürzeren Wege auch  Synergien stärker nutzbar machen.

Ein Palast erwartet die vom Umzug betroffenen Vorstände und ihre rund 500 Mitarbeiter im 10 Kilometer entfernten Wiesloch künftig nicht.  Vielmehr klingt aus den Worten von CEO Gerold Linzbach ein gesunder Pragmatismus: Es sei mit Abstand die wirtschaftlichste Lösung, man rücke näher zusammen, hieß es.

Das sagen viele Vorstände in Notsituationen. Linzbach und Kaliebe untermauern es mit Taten und beweisen mit ihrer Entscheidung Fingerspitzengefühl. Ein Neubau sei wegen der angespannten finanziellen Situation des Konzerns nicht vermittelbar, hieß es zur Begründung. Eine richtige Erkenntnis, zu der nicht jedes Managementteam gekommen wäre.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Ab sofort wird FINANCE regelmäßig den CFO des Monats küren, für ausgezeichnete Leistungen, besonderen Spürsinn oder Feingefühl. Der FINANCE CFO des Jahres wird davon unabhängig auch dieses Jahr wieder am Galaabend der 10. Structured FINANCE am 12. November in Karlsruhe gekürt werden. Anmelden zu diesem Event können Sie sich hier.

 

Welche Finanzchefs außerdem noch ausgezeichnet worden sind, erfahren Sie auf unserer Themenseite CFO des Monats.