Varta

01.11.17
CFO

CFO des Monats: Michael Pistauer

Der Batteriehersteller Varta hat einen furiosen Börsenstart hingelegt. CFO Michael Pistauer hat sich dafür mächtig ins Zeug gelegt. Der Österreicher weiß aus eigener Erfahrung, was die Investoren hören wollen.

Besser hätte der Gang auf das Börsenparkett für Varta kaum laufen können: Der Batteriehersteller erzielte mit 17,50 Euro nicht nur den maximal anpeilten Ausgabepreis je Aktie. Der Kurs legte auch gleich um 40 Prozent zu, sodass Varta kurzzeitig fast 1 Milliarde Euro wert war. Kein Strohfeuer, wie die vergangenen Tage zeigten: Aktuell notiert der Anteilsschein 25 Prozent über dem Ausgabekurs. 

Für Michael Pistauer ist das ein voller Erfolg. Der gebürtige Wiener hatte im Juli 2016 den CFO-Posten bei Varta übernommen, um den Batteriehersteller aus dem schwäbischen Ellwangen fit für die Börse zu machen. Das ist Pistauer nun mit Bravour gelungen – wenn auch erst im zweiten Anlauf.

Der Varta-Aktienkurs schießt nach dem IPO in die Höhe

CFO Michael Pistauer mit guten Zahlen auf Roadshow

Ende 2016 hatte Varta zwei Tage vor dem geplanten IPO einen Rückzieher gemacht. Das Marktumfeld schien kurz nach der Wahl von Donald Trump zu unsicher. „Wir hatten zunächst gehofft, es könne ein Vorteil sein, dass sonst kein Unternehmen an den Markt geht“, berichtet Pistauer rückblickend gegenüber FINANCE. „Aber wir mussten erkennen, dass bereits viele Fonds ihre Bücher für 2016 geschlossen hatten.“ Statt den IPO auf Biegen und Brechen am unteren Ende der Preisspanne durchzuziehen, legte Varta die Pläne zunächst auf Eis.

Eine richtige Entscheidung, wie sich letztlich zeigte. Nicht nur das Marktumfeld hat sich seit Ende vergangenen Jahres deutlich aufgehellt, Varta verbesserte unter der Ägide von CFO Pistauer auch seine Finanzkennzahlen weiter: Der Umsatz kletterte im ersten Halbjahr um 13 Prozent auf 120 Millionen Euro. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte gar um 90 Prozent auf 19 Millionen Euro zu.

Entsprechend gestärkt konnte der Finanzchef diesen Herbst erneut auf Roadshow gehen. „Wir haben seit 2015 immer betont, dass das Geschäft mit Mikrobatterien ein erhebliches Wachstumspotential bietet, insbesondere die neuen Lithium-Ionen-Knopfzellen“, sagt Pistauer. „Die Halbjahreszahlen belegen dies.“ Varta stellt Mikrobatterien für Hörgeräte, Kopfhörer und industrielle Anwendungen her. Deshalb sieht sich das Unternehmen als Profiteur der demographischen Entwicklung und der Digitalisierung der Produktion („Industrie 4.0“).

„Wir haben seit 2015 immer betont, dass das Geschäft mit Mikrobatterien ein erhebliches Wachstumspotential bietet, insbesondere die neuen Lithium-Ionen-Knopfzellen.“

Michael Pistauer, Varta-CFO

CFO Pistauer ist selbst als Investor tätig

Insgesamt traf Pistauer in den vergangenen Monaten 300 Investoren. Bei den Gesprächen dürfte dem früheren Berater geholfen haben, dass er die Gegenseite nur zu gut kennt: Der CFO ist als Unternehmer und Finanzinvestor selbst an einigen Firmen beteiligt. So lernte Pistauer 2011 auch den österreichischen Investor Michael Tojner kennen, dessen Montana Tech nach der Jahrtausendwende die Überreste des einstigen Milliardenkonzerns Varta übernommen und später von der Börse genommen hatte.

Tojner holte Pistauer 2014 in den Aufsichtsrat der Schwaben. Als die Börsenpläne konkret wurden und die Varta AG gebaut wurde, wechselte der promovierte Wirtschaftswissenschaftler ins operative Geschäft. CEO Herbert Schein ist bereits seit insgesamt 25 Jahren für das Unternehmen tätig.

Varta investiert Emissionserlös in neue Maschinen

Der Börsengang spült nun 150 Millionen Euro in die Kasse von CFO Pistauer. Dort dürfte das Geld aber nicht lange bleiben, denn Varta will den Erlös nahezu vollständig in den Ausbau der Produktionskapazitäten in Deutschland investieren. Allein für die Produktion von wiederaufladbaren Lithium-Ionen-Mikrobatterien, die etwa bei Bluetooth-Kopfhörern, Fitness-Trackern oder Industrierobotern zum Einsatz kommen, will Varta Maschinen im Wert von 80 Millionen Euro kaufen. Zu Lasten der Profitabilität soll das Wachstum laut Pistauer aber nicht gehen: „Wir profitieren stark von Größenvorteilen. Jeder zusätzliche Umsatz-Euro hat eine hohe Ergebnisqualität.“

Großaktionär Michael Tojner, der nach dem IPO noch immer mit rund 65 Prozent beteiligt ist, hat ehrgeizige Pläne: Er will den Umsatz in den kommenden zehn Jahren auf 1 Milliarde Euro nahezu verfünffachen. Eine stramme Aufgabe für CEO Schein und CFO Pistauer.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

Ausgezeichnete Leistungen, mutige Entscheidungen, besonderer Spürsinn: Zwölfmal im Jahr kürt die FINANCE-Redaktion ihren CFO des Monats. Klicken Sie sich auf unserer Themenseite durch die Hall of Fame und lesen Sie, wofür die CFOs des Monats ausgezeichnet worden sind.