CFO Stephan Meeder und Cropenergies sind massiv von volatilen Ethanolpreisen abhängig. Hedging ist kaum möglich.

Cropenergies

13.07.18
CFO

Cropenergies-CFO: „Der Terminmarkt ist zu klein”

Gewinnwarnung, Kurseinbruch: Die Südzucker-Tochter Cropenergies leidet massiv unter dem Rückgang der Ethanolpreise. CFO Stephan Meeder erklärt, warum Hedging trotzdem kaum möglich ist.

Herr Meeder, Cropenergies musste vor kurzem seine Umsatz- und Gewinnerwartungen deutlich herunterschrauben. Hauptgrund ist der niedrige Ethanolpreis, von dem Ihr Unternehmen als Hersteller von Bioethanol massiv abhängig ist. Wieso sichern Sie nicht ab?
Der Ethanolpreis ist für uns schwierig zu hedgen. Zum Verständnis: Wir verkaufen Bioethanol überwiegend an Mineralölkonzerne, die es dann dem Benzin beimischen. Wir schließen hier in der Regel Jahresverträge ab, in denen vor allem die Menge festgeschrieben ist. Die Preisfestsetzung erfolgt hingegen auf monatlicher Basis. Deshalb schlägt ein niedriger Ethanolpreis, wie wir ihn momentan haben, so deutlich zu Buche. Wir rechnen jetzt aber damit, dass die Ethanolpreise im Sommer wie gewohnt anziehen, da in der Ferienzeit mehr Benzin verbraucht wird.

Das klingt aber, als ob die zu sichernde Menge gut einschätzbar wäre.
Der Terminmarkt für Ethanol ist leider sehr klein und kaum liquide, weil die Ethanolindustrie noch jung ist. Der Terminmarkt umfasst nur ein paar tausend Kubikmeter, der Markt für Bioethanol in der Europäischen Union (EU) umfasst aber 7,7 Millionen Kubikmeter. Sicherlich fänden wir es gut, wenn der Terminmarkt sich vergrößern würde. Aktuell können wir den Ethanolpreis nur in geringem Umfang über Derivate absichern. Deren Nominalvolumen ist mit 14 Millionen Euro somit gering.

Politik verunsichert Cropenergies-Investoren

Auf der Input-Seite sind Sie ebenfalls von stark schwankenden Preisen abhängig, da geht es um Getreide. Bieten sich Cropenergies dort mehr Möglichkeiten für das Risikomanagement?
Ja, dieser Markt ist zum Glück sehr liquide. Hier betreiben wir aktives Risikomanagement und haben ein Monitoring installiert. Wir schauen uns detailliert die Preise und Ernteeinschätzungen weltweit an. Zur Absicherung setzen wir auf Futures und Optionen.

Trotzdem bewegt sich Ihr Aktienkurs fast einheitlich mit dem Ethanolpreis – nach unten wie nach oben. Wie gehen Sie als CFO mit dieser Abhängigkeit um?
Wir versuchen sie unter anderem mit einer aktiven Investor–Relations-Arbeit zu reduzieren. Aber unser Geschäftsmodell ist, wie es ist, und diese Besonderheiten verschweigen wir den Analysten auch nicht. Diese müssen sich dann selbst eine Meinung bilden. Denn die hohe Volatilität ist nicht nur ein Risiko, sondern auch eine Chance. Wir haben in den vergangenen Monaten aber – abgesehen vom niedrigen Ethanolpreis – zusätzlich auch noch unter politischer Unsicherheit gelitten.

Aktienkurs von Cropenergies im vergangenen Jahr

Inwiefern?
Der EU-Rechtsrahmen für Erneuerbare Energien gilt nur bis 2020. Zuletzt wurde für den Zeitraum bis 2030 verhandelt. Da geht es um die Beimischung von Biokraftstoffen, wie etwa Bioethanol, und die künftige Entwicklung der Beimischquoten ist sehr wichtig für uns. Auch diese Unsicherheit lastet auf dem Aktienkurs. Doch nun sieht es so aus, als ob das Beimischziel für Bioethanol der ersten Generation bei 7 Prozent bleibt und der Anteil von Erneuerbaren Energien im Transportbereich insgesamt von 10 auf 14 Prozent steigt, was gut für uns ist. Noch müssen wir aber die finalen Beschlüsse abwarten.

Zurück zu den Finanzen. Seit Ende des vergangenen Jahres verfügt Cropenergies erstmals über eine Nettoliquidität von 41 Millionen Euro. Wieso?
Wegen der Volatilität bei unseren Absatzpreisen agieren wir bei Finanzierungen bewusst konservativ. Wir finanzieren uns über eine Kreditzusage unserer Muttergesellschaft Südzucker, die wir aber nicht beanspruchen, und wollen eine hohe Eigenkapitalquote – im Moment liegt sie bei über 75 Prozent – halten. So überstehen wir auch mal ein schwieriges Jahr. Unser Geschäftsmodell ist stark, was sich im Cashflow zeigt. Für die Zukunft wollen wir unsere gute Finanzlage aber auch dazu nutzen, unser Geschäftsmodell weiterzuentwickeln.

Wie wollen Sie das machen. Zukäufe?
Das ist eine Möglichkeit.

Cropenergies hat bis zu 200 Millionen Euro für Zukäufe

Wie viel Geld wären Sie bereit, in die Hand zu nehmen?
Das ist schwer in Zahlen zu fassen. Wir können uns aber vorstellen, für eine Anlage 150 bis 200 Millionen Euro zu zahlen.

Damit würden Sie aber nur Ihre Produktionskapazitäten erhöhen, aber nichts an dem Problem der Volatilität ändern. Die Übernahme des größten britischen Bioethanolwerks in Wilton im Jahr 2013 hat die Ergebnisvolatilität ja sogar noch erhöht.

Mit unserem Werk in Wilton haben wir unsere Marktführung ausgebaut. Das ist natürlich gleichbedeutend mit einer höheren Ergebnisvolatilität, schließlich ist es ja das gleiche Geschäftsmodell. Aber wir könnten auch Fertigungskapazitäten im Bereich Advanced Biofuels aufbauen. Das ist die neue Generation von Bioethanol, die auf Rest- und Abfallstoffen basiert – und nicht mehr auf Getreide. Das können kleinere, auf lange Sicht aber auch größere Projekte sein.

FINANCE-Köpfe

Dr. Stephan Meeder, CropEnergies AG

Nach dem Studium beginnt Stephan Meeder seine Karriere 1996 bei ABB Structured Finance. Während dieser Tätigkeit promoviert er in Mannheim am Lehrstuhl für Logistik. Anschließend arbeitet Meeder zunächst für die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG im Segment Corporate Finance, 2001 wechselt er zum Technologiekonzern Robert Bosch ins Konzernrechnungswesen und M&A-Ressort .

2006 geht Meeder zum Zuckerhersteller Südzucker, wo er im Finanzbereich tätig ist. 2007 wird er Finanzchef der französischen Zuckergesellschaft Saint Louis Sucre. Im April 2015 wechselt Meeder als CFO zum Mannheimer Ethanolhersteller Cropenergies, einer Tochter des Südzucker-Konzerns.

zum Profil

Das klingt nach einem spannenden Thema: Wie könnten solche Projekte aussehen?
Zukäufe sind hier eher schwieriger, da die Technologiegeber große Konzerne sind. Eine Zusammenarbeit mit kleineren Unternehmen und Start-ups kann ich mir gut vorstellen.

Was für Kosten kommen bei Advanced Biofuels auf Sie zu?
Studien gehen davon aus, dass das Investitionsvolumen für eine Advanced-Biofuels-Anlage bei 160 bis 200 Millionen Euro liegen wird. Diese Anlagen sind jedoch wesentlich kleiner als die bisherigen Bioethanolanlagen der ersten Generation. Die Herstellungskosten für Advanced Biofuels sind derzeit weit höher als die aktuellen Marktpreise. Daran kann man sehen, dass es noch hohe technologische und wirtschaftliche Herausforderungen gibt.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

Über KPMG, Robert Bosch, Saint Louis Sucre letztlich zu Cropenergies: Alles Wissenswerte zu der Karriere von Stephan Meeder finden Sie auf seinem FINANCE-Köpfe-Profil.