Mit Jan-Christian Dreesen wacht seit letztem Jahr ein Ex-Firmenkundenbanker über die Finanzen des FC Bayern.

FC Bayern München

18.06.14
CFO

„Der FC Bayern ist kerngesund“

Mit Jan-Christian Dreesen wacht seit letztem Jahr ein Ex-Firmenkundenbanker über die Finanzen des FC Bayern. Ob andere Bundesligaklubs mit den Bayern wirtschaftlich noch mithalten können und welche Überraschungen er bei Amtsantritt erlebte, verrät Dreesen im FINANCE-Interview.

Herr Dreesen, Anfang vergangenen Jahres haben Sie als CFO des FC Bayern angefangen. Was für eine Finanzlage haben Sie zu Ihrem Amtsantritt vorgefunden?
Eine gute natürlich (lacht). Aber im Ernst: Es gibt einige Dinge, die mich überrascht haben. Ich hätte zum Beispiel nie gedacht, wie zyklisch die Liquiditätsentwicklung eines Fußballklubs ist. Früher, als kundiger Laie, habe ich mich oft gefragt, warum die Deutsche Fußball Liga (DFL) beim Lizensierungsverfahren auf die Liquidität der Klubs abstellt und nicht auf die GuV. Jetzt weiß ich warum. Die Zahlungsströme im Saisonverlauf zu planen und zu managen ist eine echte Herausforderung.

Der FC Bayern hat in den letzten Jahren aus dem Vollen geschöpft, die Personalkosten sind deutlich gestiegen. Es gibt Leute, die warnen, der FC Bayern lebe über seine Verhältnisse.
Der FC Bayern ist kerngesund, absolut selbst finanziert. Mein Job ist, dafür zu sorgen, dass das so bleibt, auch wenn es sportlich mal nicht gut laufen sollte. Sind wir stressresistent, ja oder nein? Das ist mein wichtigstes Thema.

Der FC Bayern wird Rekordergebnis einfahren

Ihre Kosten steigen, ihre Einnahmen auch. Aber wenn es nicht mehr läuft, sacken die Einnahmen schneller ab als die Kosten.
Nein, beim FC Bayern nicht. Wir haben einen sehr stabilen Umsatz, sind nicht so stark von TV-Erlösen abhängig wie die südeuropäischen Klubs. Wir haben noch drei weitere wichtige Erlösströme: Tickets, Sponsoring und Merchandising. Von unseren 430 Millionen Euro Umsatz entfallen über 100 Millionen auf Sponsoring, über 80 Millionen auf Merchandising. Und die Sponsorenverträge sind langfristig vereinbart. Ich bin der Meinung: Ein CFO, der nur auf die Kosten schaut, ist  kein guter  CFO. Die Umsatzseite ist genauso wichtig. Das gilt erst recht bei einem Fußballunternehmen.

Die Bayern haben das Double gewonnen und trotz der Halbfinalniederlage gegen Real Madrid über 60 Millionen Euro in der Champions League eingenommen. Ist damit das finanzielle Fundament gelegt, um die Mannschaft noch stärker zu machen?
Unser Geschäftsjahr endet am 30. Juni, und wir werden unsere Rekordwerte aus dem Vorjahr wahrscheinlich übertreffen: 430 Millionen Euro Umsatz und ein operativer Gewinn auf Ebitda-Basis von 95,6 Millionen Euro. Zwar haben die Preise am Transfermarkt angezogen. Aber auch der FC Bayern ist stärker geworden und kann sich diesem Wettbewerb stellen. Und auch mittelfristig sehe ich bei unseren Erlösen noch Potential, insbesondere in den Bereichen Sponsoring und Merchandising. Beim Ticketverkauf sind wir hingegen recht limitiert, und bei den TV-Erlösen sind wir Teil der Zentralvermarktung durch die DFL.

Bayern-CFO Jan-Christian Dreesen rechnet Arena-Deal durch

Mit dem frischen Eigenkapital von 110 Millionen Euro, das die Allianz vor kurzem im Zuge einer Kapitalerhöhung eingezahlt hat, wollen Sie die Restschulden der Allianz Arena tilgen. Spielt der FC Bayern wirtschaftlich dann endgültig in seiner eigenen Liga?
So weit sind wir noch nicht. Die Tilgung würden wir gerne machen, aber wir müssen sehen, wie viel die Auflösung der bestehenden Finanzierungsverträge für die Allianz Arena kosten würde.

Wie viel Geld würde der FC Bayern im Erfolgsfall sparen?
Im Moment belasten Zins und Tilgung für die Allianz Arena unsere Liquidität mit einem zweistelligen Millionenbetrag pro Jahr. Die 30 Millionen Euro, von denen hier und da zu lesen ist, sind allerdings zu hoch gegriffen.


Viele Ihrer CFO-Kollegen in den anderen Bundesligaklubs haben sich von der Vorstellung verabschiedet, irgendwann mal wieder auf Tuchfühlung mit dem FC Bayern kommen zu können.
Der Einzug von Atletico Madrid ins Champions-League-Finale ist doch Beweis genug, dass Traditionsklubs mit Einsatz und Herz auch nach einer schweren Zeit wieder an die Spitze zurückkommen können. Man sollte keinen Klub in den Himmel loben. Unser Geschäft ist immer noch der Fußball, und da kann immer alles passieren.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Wie der Ex-Firmenkundenbanker Dreesen 2013 das Angebot bekam, Finanzchef der Bayern zu werden, warum er erst einmal darüber schlafen musste und wie er bei den Bayern das heikle Thema Compliance anpackt: Die Antworten finden Sie in der ausführlichen Version des Interviews mit Jan-Christian Dreesen in der Ausgabe Juni/Juli 2014 des FINANCE-Magazins.

Mehr Hintergründe zur Finanzlage des FC Bayern halten wir auf unserer Themenseite zu Bayern München für Sie bereit. 

Deutschlands reichster Fußballklub

Der FC Bayern ist der erfolgreichste deutsche Fußballklub, nicht nur auf dem Rasen. Mit dem Umsatz von 430,8 Millionen Euro, den sie im vergangenen Jahr erzielten, liegen die Bayern weit vor dem ärgsten Verfolger Borussia Dortmund mit 308 Millionen Euro. Auch der operative Gewinn (Ebitda) der Bayern von 95,6 Millionen und die Eigenkapitalquote von über 70 Prozent suchen in Deutschland ihresgleichen. Im Frühjahr legte die Allianz für eine Beteiligung von 8,3 Prozent an den Bayern 110 Millionen Euro auf den Tisch – der erste große Deal des neuen CFOs Jan-Christian Dreesen, der Anfang 2013 von der BayernLB, wo ihn viele FINANCE-Leser als Firmenkunden- und Kapitalmarktchef kannten, zum FC Bayern stieß.