hapag lloyd

18.07.16
CFO

Hapag-Lloyd kassiert Gewinnprognose

Hapag-Lloyd muss seine Gewinnerwartungen deutlich zurückschrauben. Die Aktionäre quittieren das prompt. Bei der Fusion mit dem Konkurrenten UASC macht die Reederei indes einen großen Schritt nach vorne.

Der Reedereikonzern Hapag-Lloyd hat überraschend eine Gewinnwarnung ausgegeben. Wie die Hamburger am heutigen Montagmorgen mitteilten, plant das Unternehmen nun mit einem „deutlich sinkenden“ Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit), heißt es in einer Ad-hoc-Mitteilung. Bisher war Hapag-Lloyd davon ausgegangen, dass das Ebit klar über dem Vorjahreswert von 366 Millionen Euro liegen würde. Um wie viel der Gewinn genau sinken wird, wollte das Unternehmen auf FINANCE-Nachfrage nicht sagen.

Für das einbrechende Ergebnis macht Hapag-Lloyd die schlechten Frachtraten verantwortlich. Diese hatten bereits das letzte Quartal im vergangenen Jahr stark belastet. Der durchschnittliche Preis sei im zweiten Quartal dieses Jahres noch einmal um 245 US-Dollar auf 1.019 US-Dollar pro Standardcontainer zurückgegangen, heißt es. Hapag-Lloyd leidet zudem unter den derzeit hohen Energiepreisen, die einer der größten Kostenfaktoren der Reederei sind.

Die Aktionäre quittierten die schlechte Nachricht mit zahlreichen Verkäufen. Die Aktie des Unternehmens verlor am Morgen zwischenzeitlich über 10 Prozent an Wert und notiert nur noch bei 17 Euro.

Hapag Lloyd und UASC unterzeichnen Zusammenschluss

Ein wenig gebremst wurde der fallende Aktienkurs allerdings durch eine andere Meldung, die Hapag Lloyd kurze Zeit später veröffentlichte: Auf den geplanten Zusammenschluss mit dem Konkurrenten United Arab Shipping Company (UASC) hat die Gewinnwarnung keinen Einfluss. Wie Hapag-Lloyd bekanntgab, haben die beiden Unternehmen nun einen Vertrag zum Zusammenschluss unterzeichnet.

Für Hapag-Lloyd ist der M&A-Deal ein wichtiger Schritt. Die Reedereibranche steht unter hohem Konsolidierungsdruck. Hapag-Lloyd drohte den Anschluss an die Konkurrenz zu verlieren.

Durch die Fusion entsteht die fünftgrößte Container-Reederei der Welt. Der Umsatz des Unternehmens soll bei 12 Milliarden Dollar liegen, umgerechnet knapp 11 Milliarden Euro. 2015 hat Hapag-Lloyd 8,8 Milliarden Euro umgesetzt.

Binnen sechs Monaten nach dem Zusammenschluss plant Hapag-Lloyd eine Bezugsrechts-Kapitalerhöhung durchzuführen. So will CFO Nicolás Burr mindestens 400 Millionen Dollar einnehmen. Einige der Aktionäre beider Konzerne sind eine Backstop-Verpflichtung eingegangen, die das Erreichen dieser Summe garantiert.

Qatar Holding und Public Investment Fund werden neue Gesellschafter

Die UASC-Mehrheitsgesellschafter Qatar Holding und der Public Investment Fund (PIF) des Königreichs Saudi Arabiens sollen mit 14 Prozent und 10 Prozent neuer Kerngesellschafter von Hapag-Lloyd werden. Die bisherigen Hapag-Lloyd-Eigentümer CSAV, die Stadt Hamburg und Kühne Maritime bleiben Ankeraktionäre, schreiben die Hamburger.

Durch den Einstieg von Qatar und PIF werden deren Anteile zunächst verwässert, CSAV wird mit voraussichtlich 23 Prozent (vorher 31,4 Prozent), die Stadt Hamburg mit etwa 15 Prozent (vorher 20,6 Prozent) und Kühne Maritime mit etwas mehr als 14 Prozent (vorher 20,2 Prozent) beteiligt sein. Der vierte Aktionär Tui soll nach dem Zusammenschluss mit 9 Prozent (vorher 12,3 Prozent) beteiligt sein. Tui will bei der geplanten Kapitalerhöhung FINANCE-Informationen zufolge allerdings nicht mitgehen und damit seinen Anteil langfristig reduzieren.

Der M&A-Deal muss noch durch die zuständigen Wettbewerbsbehörden freigegeben werden. Die Transaktion soll bis Ende dieses Jahr abgeschlossen sein.

M&A-Deal mit UASC wird Jahresergebnis belasten

Der M&A-Deal ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, doch zunächst wird er sich negativ auf zentrale Kennzahlen von Hapag Lloyd auswirken. So werden nach einem möglichen Zusammenschluss transaktionsbezogene Einmalaufwendungen das Ergebnis des Geschäftsjahres 2016 belasten, schreibt die Reederei. Mit welcher Größenordnung Hapag Lloyd dabei rechnet, ist nicht bekannt.

Langfristig erhofft sich Hapag-Lloyd aber erhebliche Synergien: „Der Zusammenschluss wird jährliche Nettosynergien in Höhe von mindestens 400 Millionen Dollar generieren und dem Unternehmen hohe Investitionen ersparen“, lässt sich Hapag-Aufsichtsratschef Michael Behrendt zitieren.

Bis zu der Fusion werden Hapag-Lloyd und UASC noch in ihren jeweiligen Allianzen weiterfahren. Der fusionierte Konzern wird später Teil von „The Alliance“, einer geplanten Kooperation verschiedener Großreedereien, darunter Hanjin, K-Line und Yang Ming. „The Alliance“ soll im April 2017 starten.

jakob.eich[at]finance-magazin.de