Der Spezialchemiehersteller HCS hat eine Unitranche aufgenommen, um sein starkes Wachstum zu finanzieren. Im Bild: Eine Produktionsanlage.

HCS Group

16.12.16
CFO

HCS will Ebitda verdoppeln und zielt auf IPO

Der Spezialchemiehersteller HCS hat sich 290 Millionen Euro geliehen. Die Unitranche-Finanzierung ist die Basis, um das Ebitda bis 2020 auf über 100 Millionen Euro auszubauen. Dann könnte HCS an die Börse gehen, wie CEO Uwe Nickel im FINANCE-Interview erstmals ankündigt.

Die HCS Group plant neue Zukäufe. Zur Finanzierung des Wachstumskurses hat der Spezialchemiehersteller mit Sitz in Frankfurt den Private-Debt-Markt angezapft. 240 Millionen Euro beträgt das Volumen der Unitranche-Finanzierung, welche die Blackstone-Tochter GSO bereitgestellt hat. Dazu kommt eine Option auf weitere 100 Millionen, die HCS im Bedarfsfall bei GSO ziehen kann, und ein revolvierender Kredit von 50 Millionen Euro, den HCS von der Commerzbank und der niederländischen NIBC Bank erhält.

Damit hat HCS sich einen für deutsche Verhältnisse enormen Betrag von einem Private-Debt-Anbieter geliehen. Erst vor knapp 18 Monaten hatte HCS sich 170 Millionen Euro von einem Bankenkonsortium besorgt. Neben Commerzbank und NIBC waren damals auch die Mittelstandsbank IKB und die Landesbank Baden-Württemberg dabei. Dass HCS jetzt zu einer Nicht-Bank gegangen ist, macht die Finanzierung unkomplizierter, aber auch teurer – Zinsen von 6 bis 7 Prozent sind bei derartigen Transaktionen durchaus üblich. 

CFO Peter Stubbe: Bankenfinanzierung wäre zu aufwändig gewesen

„Natürlich hätten wir uns auch über einen klassischen Leveraged-Finance-Kredit refinanzieren können“, erklärte HCS-CFO Peter Stubbe gegenüber FINANCE. Auch die beiden Banken, die ausgestiegen sind, wären seiner Aussage zufolge gerne Teil der Refinanzierung gewesen.  „Das hätte allerdings bedeutet, insgesamt rund zehn Banken an Bord zu holen“, so Stubbe. Das wiederum hätte angesichts der schlanken Strukturen von HCS zu viele Ressourcen gebunden, meint der Finanzchef.

Tatsächlich ist HCS eine nach dem obersten Private-Equity-Gebot maximaler Effizienz sortierte Firma. Gerade einmal 25 Mitarbeiter decken aus der Zentrale nahe des Frankfurter Flughafens alles ab, was nicht Produktion ist – also Verwaltung, Finanzen, Personal, Einkauf und Verkauf. Der Ort wurde gewählt, damit die Manager des deutschen Mutterunternehmens bei Bedarf schnell bei den Produktionsanlagen in Hamburg und Speyer und bei den Töchtern in Großbritannien, Frankreich und den USA sein können, und die Lenker der Standorte ebenso schnell in der Zentrale.

Im Jahr 2011 hatte der Finanzinvestor H.I.G. Capital den deutschen Spezialchemiehersteller Haltermann als Abspaltung vom Großkonzern Dow Chemical gekauft. Es folgte der Zukauf von Petrochem Carless, dem Erfinder des Petroleums, und die Umbenennung in HCS Group. In den nächsten Jahren kaufte der Produzent weiter zu – in Frankreich, den USA und erneut in Großbritannien. 2015 schrieb HCS einen Gewinn vor Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 50 Millionen Euro.

HCS-CEO Uwe Nickel: Erst Wachstum, dann IPO

H.I.G. hatte im Laufe dieses Jahres versucht, das profitabel gewachsene Portfoliounternehmen zu verkaufen. Doch dem Vernehmen nach hatte der Finanzinvestor eine Kaufpreiserwartung, die kein Käufer bedienen wollte. FINANCE-Informationen zufolge hat H.I.G. das Unternehmen daraufhin aus einem Fonds in den nächsten verkauft. Diese Transaktion wollten HCS-CFO Peter Stubbe und CEO Uwe Nickel nicht kommentieren, ebenso wenig die Frage, ob H.I.G. sich im Rahmen der Refinanzierung auch selbst hat Geld auszahlen lassen.

Nickel machte allerdings klar, dass ein Verkauf durch H.I.G. vorerst vom Tisch sei – die Zeichen stehen stattdessen auf weiterer Vergrößerung. „Im Frühjahr 2016 haben wir unsere Strategie bis 2020 definiert“, sagt der CEO. „Wir wollen das Ebitda bis dahin von 50 auf 100 bis 150 Millionen Euro steigern. Das Wachstum soll sowohl organisch als auch anorganisch erfolgen.“

Wie unter Private-Equity-Eignern üblich, gibt es auch schon einen Exit-Plan: „Wenn wir ein Ebitda von über 100 Millionen Euro schreiben, ist ein IPO durchaus denkbar“, sagt Nickel. CFO Stubbe ergänzt: „Wir haben sieben Business Lines, die kaum korreliert und vor allem nicht zyklisch sind.“ Zudem hänge die Marge von HCS nicht an Rohstoffpreisen wie Öl, weil die Auswirkungen von Preisschwankungen je nach Geschäftsbereich und Produkt unterschiedlich seien und so ein natürlicher Hedge bestehe. „Das finden Banken, Debt Fonds und Investoren super.“

HCS plant Zukäufe mit über 25 Millionen Euro Ebitda

Die beiden größten Sparten von HCS sind erstens die Spezialchemie, also das Feld der alten Haltermann, in dem es um die Herstellung von Chemieprodukten vor allem für Großkonzerne geht, und zweitens das Geschäft mit Öl- und Gasprodukten und den dazugehörigen Dienstleistungen, begründet durch die frühere Petrochem Carless. In der Spezialchemie plant HCS weitere Zukäufe, „die durchaus auch in der Größenordnung von 25 Millionen Euro Ebitda oder mehr liegen können“, kündigt Nickel an. Im Bereich Öl und Gas dagegen ist vor allem organisches Wachstum geplant.

Mit zunehmender Größe nähert sich HCS auch dem Thema M&A-Deals anders. „Bisher haben wir bei Zukäufen nicht primär auf Kostensynergien geschaut, sondern waren vor allem strategisch motiviert“, sagt Nickel. Das werde sich jetzt ändern: „Wenn wir eine große Firma mit fünf bis sechs Werken kaufen, werden wir auch nach Kostensynergien schauen, denn die Struktur unseres Unternehmens steht.“

florian.bamberg[at]finance-magazin.de

Peter Stubbe begleitet den anspruchsvollen Zukaufskurs von HCS seit 2012 als CFO. Lesen Sie alles über ihn in seinem Profil bei FINANCE-Köpfe.