Rational

09.08.16
CFO

Rational-CFO Kaufmann: „Wir entziehen uns dem Hype“

Der Großküchenhersteller Rational nimmt für den Umsatz die Milliardenmarke ins Visier. Am Donnerstag wird das Unternehmen in den MDax aufsteigen. Wie die Wachstumspläne aussehen und warum M&A-Deals nicht geplant sind, verrät CFO Axel Kaufmann.

Der Umsatz von Rational hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt, im abgelaufenen Geschäftsjahr lag er bei knapp 565 Millionen Euro. Sie sind nun seit einem dreiviertel Jahr als CFO an Bord und haben jüngst angekündigt, die 1-Milliarde-Euro-Marke knacken zu wollen. Wie genau soll das klappen?
Zunächst einmal sollte ich klar stellen: Wir haben die Milliarde nicht als mittelfristiges Umsatzziel ausgerufen. Die Zahl ergibt sich vielmehr aus einer einfachen Rechnung: Wir wollen unser aktuelles Wachstumstempo halten und jährlich im hohen einstelligen Prozentbereich zulegen. Im ersten Halbjahr haben wir das geschafft, wie unsere gerade vorgelegten Zahlen zeigen: Der Umsatz ist um 9 Prozent gestiegen. Wenn es so weitergeht, erreichen wir in den nächsten fünf, sechs Jahren die 1-Milliarde-Euro-Grenze.

Welche Rolle spielen Zukäufe in dieser Gleichung?
Aktuell keine. Denn wir glauben, dass wir diese Wachstumsraten voll und ganz aus unserem bestehenden Geschäft erzielen können. Dabei kommen uns zwei Trends entgegen: das weltweit steigende Bewusstsein für gesunde Ernährung und der Wunsch nach mehr Effizienz in der kommerziellen Küche, zum Beispiel bei Personal, Raum und Energie. Mit der Technologie unserer Profiküchen machen wir beides möglich.

Rational-CFO: "Wachstum im einstelligen Prozentbereich verdaubar"

Rational steht finanziell extrem solide dar: Das Unternehmen verfügt über 205 Millionen Euro liquide Mittel und hat nahezu keine Finanzschulden. Die Eigenkapitalquote ist mit 73 Prozent immens. Gepaart mit dem aktuellen Niedrigzinsumfeld wären das doch perfekte Voraussetzungen für einen aggressiven Wachstumskurs – vor allem, wenn es der Markt hergibt, so wie Sie es beschreiben.
Das kann man so sehen, aber Rational verfolgt eine andere Strategie: Wir stellen Qualität über schnelles Wachstum. Die Kundenzufriedenheit steht für uns an erster Stelle, weil wir glauben, dass wir nur nachhaltig wachsen können, wenn wir uns mit exzellenter Technologie und Service vom Wettbewerb abheben. Um das zu erreichen, muss die interne Organisation mitwachsen, und den dafür notwendigen Kraftakt sollte man nicht unterschätzen. Sie haben selbst beschrieben, wo Rational herkommt. Wachstumsraten im einstelligen Prozentbereich halten wir für verdaubar, alles andere wäre unvernünftig.

Mit dieser konservativen Philosophie agiert Rational wie ein Familienunternehmen, was es angesichts der Aktionärsstruktur de facto auch ist: Die Familie Meister hält 70 Prozent der Aktien, Unternehmensgründer Siegfried Meister führt den Aufsichtsrat. Rational ist aber börsennotiert und wird am Donnerstag in den MDax aufsteigen, 30 Prozent der Aktien befinden sich im Streubesitz. Wie schaffen Sie als CFO die Balance zwischen den verschiedenen Eigentümern?
Der Kapitalmarkt weiß, was er an uns hat: Wir liefern seit Jahren gute Erträge und haben eine hohe Ausschüttungsquote. Mit unserer Marktkapitalisierung von 4,7 Milliarden Euro lassen wir nicht nur den gesamten SDax, sondern auch den halben MDax hinter uns. Ich sehe deshalb nicht, dass es widersprüchliche Interessen zwischen Familienaktionären und den freien Shareholdern gibt, in gewisser Hinsicht ergänzen sie sich gar gut.

Zumindest nicht so lange das Geschäft gut läuft.
Umso wichtiger, dass es so bleibt und wir uns nicht in einen Hype mit hineinziehen lassen. Von Banken und Beratern bekommen wir regelmäßig  Vorschläge für potentielle Zukaufskandidaten. Aber wir widerstehen der Verlockung, jenseits unseres Kerngeschäfts zu expandieren.

Rational spürt Russland-Sanktionen

Welche Länder stehen bei Ihren Wachstumsambitionen im Fokus?
Die USA sind schon länger einer unserer Fokusmärkte. Nachdem wir dort unsere Vertriebsstruktur neu aufgestellt haben, läuft es inzwischen auch richtig rund: Im ersten Halbjahr kletterte Umsatz um 18 Prozent. Ich bin optimistisch, dass wir dort in den kommenden Jahren auch weiterhin doppelt so schnell wachsen können wie im Gruppenschnitt. Auch neue Märkte in Asien und Lateinamerika gewinnen für Rational an Bedeutung.

Namentlich geht es dabei vor allem um China, Brasilien, Russland und die Türkei. Vier Märkte, die aus ganz unterschiedlichen Gründen derzeit deutlich langsamer wachsen als in den vergangenen Jahren. Wie sehr trifft Sie das?
Wir haben den Vorteil, dass wir in der Nahrungsmittelbranche etwas abgekoppelt sind von der jeweils aktuellen konjunkturellen Lage. Nichtsdestotrotz sind wir sind natürlich nicht immun gegen eine schwächelnde Weltwirtschaft. In Russland haben wir eine schwierige Phase hinter uns. Die Sanktionen haben dazu geführt, dass lokale Anbieter – trotz nicht wirklich wettbewerbsfähiger Produkte – bevorzugt werden. Das ändert sich gerade allerdings wieder etwas, weil unsere russischen Kunden merken, dass wir die bessere Technologie haben. Auch die drei anderen von Ihnen erwähnten Märkte sind nicht einfach in diesen Tagen, aber wir haben unsere Strategie in diesen Regionen nicht geändert.

CFO Kaufmann fuhr vor dem Brexit-Votum Hedging hoch

Großbritannien ist für Sie ebenfalls ein wichtiger Markt. Welche Auswirkungen hat der Brexit auf Rational?
Sie haben Recht, Großbritannien ist unser drittwichtigster Einzelmarkt hinter Deutschland und USA. Rational erzielt dort immerhin 11 Prozent des Gruppenumsatzes. Eine Kaufzurückhaltung merken wir noch nicht. Gegen den Pfund-Verfall hatten wir uns vor dem Referendum mit Termingeschäften und Optionen abgesichert: Wir sind bis in den Spätherbst gehedgt. Den weiteren konjunkturellen Verlauf muss man eng beobachten.

Die operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) ist im ersten Halbjahr dennoch durch die Pfund-Abwertung belastet. Woran liegt das?

Die Währungsverluste kamen insbesondere aus dem ersten Quartal, wo wir noch höhere Liquiditätsbestände im Pfund hatten. Zudem schlugen Bilanzbewertungen per Stichtag zu Buche, die nicht unbedingt den realisierten Konvertierungseffekten entsprachen. Im ersten Quartal waren auch US-Dollar, brasilianischer Real und russischer Rubel für negative Effekte verantwortlich. Im zweiten Quartal hat sich das einerseits etwas relativiert – unsere Sicherung griff. Andererseits schlugen auch positive Effekte zu Buche, die einen Pfundverfall teils kompensierten.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

Mehr über Vita und Karriere des Rational-CFOs lesen Sie im FINANCE-Köpfe-Profil von Axel Kaufmann.