Arbeiter in einer Affival-Fabrik: Der Stahlzulieferer SKW Metallurgie befindet sich in einer schweren Krise.

SKW Metallurgie

15.08.14
CFO

Schwere Krise bei SKW Metallurgie

Dem Stahlzulieferer SKW Metallurgie geht es schlechter als bislang angenommen. Der neue Vorstand um CFO Sabine Kauper greift durch, schreibt einen Großteil des Eigenkapitals ab – und muss jetzt wegen eines Covenant-Bruchs gleich das nächste Feuer löschen.

Die erst im Januar dieses Jahres angetretene neue Finanzchefin des Stahlzulieferers SKW Metallurgie, Sabine Kauper, muss dem Unternehmen durch schwere Zeiten helfen und kräftig umstrukturieren. Das hat auch Folgen für die Kreditgeber des Spezialchemiekonzerns.

Die gestern nach Börsenschluss veröffentlichten Eckdaten zum zweiten Quartal machen deutlich, welch schwere Unternehmenskrise Kauper und der ebenfalls neu angetretene CEO Kay Michel aufgedeckt haben. Im Zuge eines Impairment Tests muss das Unternehmen außerordentliche Wertberichtigungen in Höhe von 84 Millionen Euro vornehmen, vor allem bei den Werken in Bhutan und Schweden.

Dieser Betrag sei zwar nicht zahlungswirksam, wie SKW – wie üblich in solchen Fällen – nicht vergisst zu erwähnen. Aber die Wirkung auf die Eigenkapitaldecke ist dennoch verheerend. Ende des ersten Quartals wies SKW bei einer Bilanzsumme von 250 Millionen Euro ein Eigenkapital von 104 Millionen Euro aus. Zieht man davon 84 Millionen ab, landet man bei einem Wert von rund 20 Millionen und einer Eigenkapitalquote von nur noch knapp über 10 Prozent – zu wenig für einen so zyklischen und ertragsschwachen Konzern wie SKW Metallurgie.

Auch die Börse glaubt, dass der Konzern kaum um eine Kapitalerhöhung herumkommen wird: Der Aktienkurs brach in der Spitze um mehr als die Hälfte auf 3,30 Euro ein, und das obwohl er in der vergangenen Woche bereits rund 20 Prozent eingebüßt hatte. Diesen Kursrückgang, der schon Tage vor der Aufdeckung der Misere begonnen hatte, schaut sich nun auch die Finanzaufsicht BaFin an.

Kauper und Michel mussten auch die Prognosen korrigieren. Das geplante Umsatz- und Gewinnwachstum ist vom Tisch. Die neue Ergebnisplanung führt laut Unternehmensangaben auch dazu, dass die vereinbarten Financial Convenants aus laufenden Verträgen nicht mehr eingehalten werden können. Laut SKW sei man jedoch in „konstruktiven Gesprächen mit den finanzierenden Banken“, um diese von einer Kündigung der Finanzierungsverträge abzuhalten. Erster Zwischenerfolg: Kauper hat mit den Banken schon einen Waiver aushandeln können, der dem Konzern zumindest bis Ende September Luft gibt, die Finanzierung neu zu ordnen. Bis dahin haben die Banken zugesagt, die Kredite nicht zu kündigen.

SKW-Finanzchefin Sabine Kauper wird zur Saniererin

Dass das neue Management den Konzern gründlich durchleuchten wird, hatte sich bereits angedeutet, nachdem SKW im ersten Quartal einen sinkenden Konzernumsatz von 88 Millionen Euro auf 84 Millionen Euro verkraften musste. Daraufhin hatte CEO Kay Michel eine „eingehende Analyse des Konzerns“ und eine Ausarbeitung von Maßnahmen angekündigt.

Nun steht das Restrukturierungsprogramm mit den Namen „Remake“. Kernziel ist die Trennung von unprofitablen Bereichen wie der konzerninternen Rohstoffversorgung mit Kalziumkarbid und Kalziumsizilium. Aufgrund der fehlenden Rentabilität stehen die Werke in dem kleinen asiatischen Land Bhutan und in Schweden, die diese Materialien herstellen, auf dem Prüfstand.

Das 2011 eingeweihte Werk in Bhutan war das Kernstück einer Reihe von Investitionen gewesen, die die langjährige SKW-Chefin Ines Kolmsee angestoßen hatte, um SKW vor Versorgungsengpässen und Preissprüngen zu schützen und mittelfristig auch den Free Cash Flow zu erhöhen. In einem FINANCE-TV-Interview Ende 2012 schätzte Kolmsee die Perspektiven des Werks noch sehr positiv ein und versprach eine erhöhte Kosteneffizienz. Kolmsee hatte im vergangenen Jahr ihren Rückzug vom Chefposten angekündigt.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

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