Dekorpapier aus der Surteco-Produktion: Die Bayern haben mit der portugiesischen Probos- und der britischen Nenplas-Gruppe zwei Zukäufe binnen weniger Monate gestemmt. Surteco-CFO Andreas Riedl will die M&A-Deals jetzt integrieren.

Surteco

21.09.17
CFO

Surteco-CFO Riedl verkündet M&A-Pause

Trotz hoher Rohstoffpreise wagt Surteco die Großübernahme des Wettbewerbers Probos. CFO Andreas Riedl erklärt gegenüber FINANCE, wie sich das für die Bayern auszahlen soll und wie viel Geld die Umschuldung sparen wird.

Der Kunststoffhersteller Surteco kämpft mit einem schwierigen Umfeld. Die Papiersparte des Unternehmens aus dem bayerischen Buttenwiesen musste im ersten Halbjahr einen Umsatzrückgang von 10 Prozent hinnehmen. Die etwas kleinere Kunststoffsparte legte zwar – auch M&A-bedingt – um 13 Prozent zu. Doch in beiden Sparten sind die Risiken durch explodierende Rohstoffpreise beachtlich. Insgesamt lag der Umsatz im ersten Halbjahr mit 334 Millionen Euro leicht unter Vorjahr.

Surteco stellt Beschichtungsmaterialien für die Möbel- und Holzwerkstoffindustrie her. Das können etwa Folien zur Holzanmutung sein, die auf eine Küchenplatte geklebt werden. Die dafür wichtigen Kunststoffe sind allein 2016 zwischen 20 und 38 Prozent teurer geworden. In den vergangenen Monaten waren die Preise immerhin wieder stabil – wenn auch weiterhin hoch.

Probos-Marge liegt deutlich über der von Surteco

Genau in dieser schwierigen Phase ist Surteco das Wagnis eingegangen, in der Kunststoffsparte groß zuzukaufen. Die Bayern kauften im Juli dem Private-Equity-Investor Alantra, dem PE-Arm des gleichnamigen spanischen Investmentbankings- und Asset-Management-Unternehmens, für knapp 100 Millionen Euro den portugiesischen Kunststoffkantenhersteller Probos mit einem Produktionsstandort in Brasilien ab. Ein schlechter Zeitpunkt? Nein, sagt Surteco-CFO Andreas Riedl im Gespräch mit FINANCE: „Die Erhöhung der Rohstoffpreise kam zwar unerwartet. Aber die Gelegenheit, ein so profitables und gut positioniertes Unternehmen wie Probos zu erwerben, durften wir uns nicht entgehen lassen.“

Riedl sagt, dass man mit dem Probos-Management und den Verkäufern offen über das Thema gesprochen habe, um den Kaufpreis herunterzuhandeln – offenbar mit einem gewissen Erfolg. Riedl: „Die Bewertung von Probos ging dann zwar nicht in den Keller. Aber die Preiserhöhung ist im Kaufpreis enthalten.“ Die höheren Kosten bei der Produktion versucht Surteco inzwischen, an die Kunden weiterzugeben.

Laut Riedl ist Probos vor allem aufgrund seiner starken Position in Brasilien strategisch attraktiv für die Bayern. Das gilt trotz des turbulenten politischen Umfelds. „In Brasilien leben 200 Millionen Menschen. Das ist ein riesiger Markt für uns. Wir haben Probos schon länger beobachtet. Jetzt war die Gelegenheit einfach gut.“ Zudem liege Probos‘ Marge gemessen am Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) bei 16,6 Prozent – deutlich über Surtecos Marge von 11,1 Prozent (1. Halbjahr 2017).

Surteco-CFO Andreas Riedl will US-Privatplatzierung ablösen

Nicht nur der Zeitpunkt, auch die gewählte Finanzierung für den Probos-Kauf war für das Unternehmen eine Herausforderung. Hatte Surteco den größten M&A-Deal der Firmengeschichte, die Übernahme des Konkurrenten Süddekor, noch in großen Teilen durch Eigenkapital finanziert, stemmt CFO Riedl die Probos-Übernahme komplett mit Fremdkapital. Surteco hat einen Brückenkredit aufgenommen, den Riedl in den kommenden Monaten ausfinanzieren will.

Gleichzeitig plant der Finanzchef eine Umschuldung: Riedl will eine US-Privatplatzierung refinanzieren, die Surteco 2007 mit einem Volumen von rund 150 Millionen Euro begeben hat. Zur Auswahl stehen laut Riedl gleich mehrere Instrumente: „Besonders interessant sind für uns Konsortialkredite, ein Schuldschein oder auch eine weitere US-Privatplatzierung.“

Die Umschuldung soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein und dürfte ein Volumen von mindestens 100 Millionen Euro erreichen. Die Zinslast soll danach sinken, kündigt Riedl an. „Die Privatplatzierung stammt aus dem Jahr 2007. Für damalige Verhältnisse war der Zins mit über 5,5 Prozent zwar niedrig, aber seitdem sind die Kupons natürlich deutlich nach unten gegangen.“ Mit 40 Millionen Euro in 2015 und weiteren rund 50 Millionen Euro im August 2017 sind zwei der drei Tranchen schon ausgelaufen, die dritte läuft noch bis 2019. Die gesamte Privatplatzierung vorzeitig zu tilgen, sei nicht in Frage gekommen: „Die Kosten dafür waren schlicht zu hoch, das hätte sich nicht gerechnet.“

Leverage von 3x Ebitda: Surteco will Übernahmen zuerst verdauen

Durch die Probos-Übernahme und die des britischen Kunststoffproduzenten Nenplas aus dem vergangenen Winter steigt die Nettoverschuldung des Oberflächenspezialisten kurzfristig auf das 3-fache Ebitda – ein relativ hoher Wert für Surteco. Daher hat das Management bis auf weiteres keine weiteren M&A-Deals geplant, sondern will bis zum Jahresende den Leverage „wieder deutlich unter 3x“ drücken.

„Wir müssen die Zukäufe Probos und Nenplas jetzt erst einmal verdauen, etwas durchatmen und uns um die Finanzierung kümmern. Dort werden genug Ressourcen gebunden“, führt Riedl aus, der seit 2006 Finanzchef bei Surteco ist und im Sommer dieses Jahres in den Vorstand befördert wurde. Doch der CFO schränkt auch ein: „Akquisitionen plant man eher selten. Wenn sich ein gutes Unternehmen anbietet, müsste man aber nochmal schauen.“

jakob.eich[at]finance-magazin.de

Seit 2006 leitet Riedl bei Surteco das Finanzressort, seit Sommer dieses Jahres ist er Teil des Vorstands. Weitere Karriere-Highlights und Informationen zu ihm finden Sie auf dem FINANCE-Köpfe-Profil von Andreas Riedl.