Die Industrieikone ThyssenKrupp spaltet sich auf.

ThyssenKrupp

27.09.18
CFO

ThyssenKrupp spaltet sich auf

Die Industrieikone ThyssenKrupp teilt sich in zwei Hälften. Damit beugt sich das Management dem Druck aktivistischer Aktionäre. Aber der Konglomeratscharakter bleibt.

Der Industriekonzern ThyssenKrupp reagiert auf den Druck der Finanzinvestoren Cevian und Elliott. Wie der Konzern am heutigen Donnerstagnachmittag bekanntgab, planen die Essener die Aufspaltung. Der Vorstand um CFO Guido Kerkhoff, der derzeit als Interims-CEO agiert, werde dem Aufsichtsrat in einer außerordentlichen Sitzung am kommenden Sonntag eine Teilung von ThyssenKrupp in zwei separate Unternehmen vorschlagen, gab der Dax-Konzern bekannt. 

ThyssenKrupp will Bereiche fokussieren

Eine Einheit soll künftig unter dem Namen „ThyssenKrupp Industrials“ firmieren. Hier wollen die Essener das Aufzug- und Autozulieferergeschäft sowie den Kernanlagenbau bündeln. Hinzu kommt der Bereich System Engineering, der unter anderem Produktionsstraßen für Autos baut. Der Kapitalmarkt soll ThyssenKrupp Industrials durch den neuen Zuschnitt als reines Industriegüterunternehmen betrachten. 

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Die Großwälzlager und das Schmiedegeschäft, die bislang Teil der Komponentensparte sind, werden aus dem Industriesegment ausgegliedert. Sie wandern in den zweiten Teil des neuformierten Konzerns – „ThyssenKrupp Materials“. Dieser soll daneben noch aus dem Werkstoffhandel (Material Services), dem 50-Prozent-Anteil an dem künftigen Stahl-Joint-Venture mit Tata sowie dem Marinegeschäft bestehen.

ThyssenKrupp hofft, einen Werkstoffkonzern zu schaffen, der die Stahl- und Edelstahlproduktion, den Materialhandel sowie die stahlnahe Weiterverarbeitung vereint und eine so starke Marktposition in Europa hat, dass er Konsolidierungschancen nutzen kann.

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Guido Kerkhoff, ThyssenKrupp AG

Von 1995 bis 1996 arbeitet Kerkhoff im Bereich Konzernbilanzierung bei dem Energieversorger Vereinigte Elektrizitätswerke Westfalen (VEW). Von 1996 bis 2002 ist er bei Bertelsmann tätig, zuletzt im Bereich Konzernrechnungswesen/-controlling und leitet dort die Abteilung für Projekte und Grundsatzfragen.

Im Jahr 2002 wechselt Kerkhoff zur Deutschen Telekom, wo er verschiedene Führungspositionen im Finanzbereich inne hat. Von 2006 bis 2011 verantwortet er als Zentralbereichsleiter das Konzernrechnungswesen und Konzerncontrolling. 2009 steigt er in den Vorstand der Telekom auf, wo er zunächst die Regionen Süd- und Osteuropa betreut, ab 2010 dann das gesamte Europa.

Seit April 2011 ist Kerkhoff Vorstandsmitglied und CFO bei ThyssenKrupp. Im Mai 2015 hat der Manager seinen Vertrag um fünf weitere Jahre bis 2021 verlängert. Im Juli 2018 springt er nach dem Rückzug von ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger als Interims-Chef ein. Ende September wird ihm die CEO-Position dann dauerhaft übertragen.

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ThyssenKrupp wird zweimal an der Börse notiert sein

Beide Konzerne sollen als eigenständige Börsengesellschaften fungieren, die auf eine ähnliche Größe kommen. Industrials wird voraussichtlich 90.000 Mitarbeiter beschäftigen und einen Umsatz von 16 Milliarden Euro erwirtschaften. Die neue Werkstoffsparte Materials wird 40.000 Mitarbeiter zählen und auf einen Umsatz von etwa 18 Milliarden Euro kommen.

ThyssenKrupp-Aktionäre werden an dem Bereich Materials 100 Prozent halten, an dem Segment Industrials hingegen laut Mitteilung zunächst nur eine „deutliche Mehrheit“. Der verbleibende Anteil werde anfänglich als Rückbeteiligung von ThyssenKrupp Materials gehalten. Durch diese Struktur soll eine angemessen Kapitalausstattung sichergesellt werden, schreibt ThyssenKrupp. Schulden und Pensionsverpflichtungen würden angemessen auf beide Unternehmen verteilt.

Die genaue Ausgestaltung der Teilung, etwa die Transaktionsstruktur, das Finanzierungskonzept und die Führungsmodelle der Gesellschaften, soll ausgearbeitet werden, wenn der Aufsichtsrat am Wochenende grünes Licht gibt. Über die Teilung muss dann die Hauptversammlung entscheiden, was in den kommenden zwölf bis 18 Monaten geschehen könnte, so ThyssenKrupp.

Cevian und Elliott forderten Zerschlagung

Das ThyssenKrupp-Management war in den vergangenen Monaten massiv unter Druck geraten. Die aktivistischen Aktionäre Cevian und Elliott hatten sich für eine Zerschlagung stark gemacht. Nach der Krupp-Stiftung (21 Prozent) ist Cevian mit 18 Prozent der zweitgrößte Aktionär bei ThyssenKrupp.

Sie forderten einen schnelleren Konzernumbau, weshalb im Juli zuerst der Konzern-Chef Heinrich Hiesinger sein Amt niederlegte und kurz danach auch der Aufsichtsratsvorsitzende Ulrich Lehner. CFO Kerkhoff rückte als Interims-Chef an die Spitze. Nun wird er als der Manager in die Geschichte eingehen, der den Traditionskonzern in der Mitte durchteilt hat – ein Unterfangen, das im Ruhrgebiet wenig Sympathien genießt.  

Aktionäre feiern ThyssenKrupp-Spaltung

Der Kapitalmarkt nimmt Kerkhoffs Pläne aber begeistert auf: Die ThyssenKrupp-Aktie sprang schon am heutigen Mittag an, als erste Gerüchte über eine Aufspaltung durchsickerten. Kurz vor Handelsschluss liegt der Kurs gut 10 Prozent im Plus bei leicht über 22 Euro.

Die Aktie hat deutliches Nachholpotential, erst vor wenigen Tagen hatte sie bei 18,75 Euro ein Zweijahrestief markiert. Selbst inklusive des heutigen Kurssprungs liegt die Aktie des Industriekonzerns auf Jahressicht noch rund 10 Prozent unter der Performance des Dax. 

Besteht ThyssenKrupp jetzt aus zwei Konglomeraten?

Die Investoren setzen darauf, dass der Konglomeratsabschlag der Aktie nun sinken wird. Dabei hat auch der neue Industriebereich weiterhin Konglomeratscharakter. Er vereint – trotz der Auslagerung der Geschäfte mit Wälzlagern und Schmiedeteilen – Tochterfirmen aus verschiedensten Industriebereichen wie Automotive, Schiffsbau und Gebäudetechnik unter einem Dach.

Entsprechend machten sich unmittelbar nach der Bestätigung der Aufspaltungspläne durch ThyssenKrupp schon Mutmaßungen breit, dass als nächstes die Aufzugssparte aus der neuen Firma herausgelöst und mit dem finnischen Konkurrenten Kone zusammengelegt werden könnte.

Auch die Zusammensetzung von ThyssenKrupp Materials weckt M&A-Fantasie. Der 50-Prozent-Anteil am Stahl-Joint-Venture mit Tata dürfte langfristig zum Verkauf stehen, ThyssenKrupp sah seine Zukunft zuletzt eindeutig nicht mehr im Stahlgeschäft. Und an einer Übernahme des Werkstoffhandels zeigt unter anderem der Stahlhändler Klöckner & Co. Interesse. Zwischen den übrigen Materials-Teilen – den beiden dort integrierten Automotive-Geschäften und dem Schiffsbau – zeichnen sich auch keine Synergien ab.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

Mehr über den langjährigen ThyssenKrupp-CFO erfahren Sie auf dem FINANCE-Köpfe-Profil von Guido Kerkhoff.