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Hellman & Friedman greift nach Zooplus

Finanzinvestor Hellman & Firedman hat ein Auge auf den Tierbedarfshändler Zooplus geworfen.
Nieschefart - stock.adobe.com

Hellman & Friedman will sich den deutschen Online-Tierbedarfshändler Zooplus schnappen. Wie Zooplus bekanntgab, hat der Investor ein 2,8 Milliarden Euro schweres Übernahmeangebot gemacht. Dies entspricht einer Übernahmeprämie von 40 Prozent. Eine Investorenvereinbarung wie auch eine strategische Partnerschaft mit Hellman & Friedman wurden bereits geschlossen, das Management und wichtige Aktionäre unterstützen das Angebot.

Konkret bietet der technologieorientierte US-Private-Equity-Investor 390 Euro pro Aktie – ein Kurs, den die Aktie seit ihrem Börsengang im Mai 2008 nie erreicht hat. In den vergangenen vier Jahren rangierten die Papiere des SDax-Konzerns zunächst bis Anfang diesen Jahres zwischen 70 bis 200 Euro. 

Den Kaufbetrag von 2,8 Milliarden Euro, der fällig würde, wenn alle Aktionäre annehmen, wollen die Amerikaner rein mit Eigenkapital finanzieren. Für den Dealvollzug muss eine Mindestannahmeschwelle von 50 Prozent plus einer Zooplus-Aktie erreicht werden. Das Closing ist für das vierte Quartal dieses Jahres geplant.

Maxburg verachtfacht sein Kapital

Einzelne Aktionäre, die zusammen 17 Prozent des Grundkapitals von Zooplus repräsentieren, hat Hellman & Friedman bereits auf seine Seite gezogen. Darunter ist neben dem Zooplus-Management auch Maxburg, eine Beteiligungsgesellschaft, die einen Teil des Kapitals der RAG-Stiftung verwaltet.

Für Maxburg wäre der Exit aus Zooplus zu dem gebotenen Preis von 390 Euro ein bemerkenswerter Deal: Eingestiegen ist Maxburg im August 2014 bei einem Aktienkurs von ungefähr 45 Euro – weniger als ein Achtel des nun in Aussicht stehenden Preises. Schafft das Angebot die Mindestannahmeschwelle, hätte Maxburg aus einem niedrigen zweistelligen Millionenbetrag rund 280 Millionen Euro gemacht.

Hellman & Friedman will Cashflow für Wachstum opfern

Zooplus verspricht sich von dem Einstieg des Finanzinvestors einen Wachstumsschub: „Mit H&F als strategischem und finanziellem Partner gewinnen wir zusätzliche Sektorexpertise, aktive Unterstützung, größere finanzielle Flexibilität und eine stabile Eigentümerstruktur, um unseren Wettbewerbsvorsprung auszubauen und zu wachsen“, heißt es seitens der Münchener. H&F habe zugesagt, „wachstumsorientierte Investitionen in substanzieller Höhe zu tätigen. Die daraus resultierenden kurz- und mittelfristigen Auswirkungen auf die Profitabilität und den Cashflow nimmt H&F in Kauf.“

Tatsächlich ist die hauseigene Finanzkraft von Zooplus begrenzt. Zwar verfügt das Unternehmen über ein striktes Working Capital Management, was trotz zweistelliger Umsatzwachstumsraten positive Cashflows ermöglicht. Allerdings lag im vergangenen Jahr der Free Cashflow lediglich bei 70 Millionen Euro, im Jahr davor sogar nur bei 25 Millionen Euro.

2020 erwirtschaftete Zooplus einen Umsatz von 1,8 Milliarden Euro, knapp 20 Prozent mehr als 2019. Dies macht das Unternehmen zu der nach eigenen Angaben in puncto Umsatz führenden Online-Plattform für Heimtierbedarf in Europa.

Zooplus erwägt Delisting

Falls es zur Übernahme kommen sollte, will der Investor Zooplus von der Börse nehmen. Der Vorstand von Zooplus, der auch nach dem Deal im Amt bleiben soll, „betrachtet die Umsetzung seiner langfristigen Strategie abseits des Börsenumfelds als einen Vorteil und trägt das von H&F beabsichtigte potenzielle Delisting grundsätzlich mit“.

Beraten wurde Zooplus von Goldman Sachs und GLNS Rechtsanwälte. Hellman & Friedman wurde von J.P. Morgan und Freshfields Bruckhaus sowie Goetzpartners unterstützt.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

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