PE-Investor Sun Capital greift in Deutschland an

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PE-Investor Sun Capital will sich am deutschen Midmarket durchsetzen.
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Sun European Partners hat in Deutschland in den letzten Jahren nicht mit allzu vielen Deals von sich reden gemacht. Die beiden bekanntesten Investments, die Beobachter mit der europäische Zweigstelle des US-Investors Sun Capital Partners verbinden, sind Sanierungsfälle – und verliefen erfolglos: Die Einzelhändler Strauss Innovation und Neckermann gingen beide in die Insolvenz.

Doch in Zukunft soll das Bild von Sun Capital ein anderes sein, hofft Andreas Bösenberg. Der 43-Jährige ist im Sommer von der PE-Sparte des zweitgrößten russischen Geldhauses VTB Bank zu Sun Capital gekommen, um das Frankfurter Büro aufzubauen. Zwei Mitarbeiter hat er bislang.

Sun Capital hat im September Flabeg gekauft

„Die Leute werfen uns immer noch in den alten Topf“, bedauert Bösenberg. Doch Sun Capital habe seine Ausrichtung geändert. „Wir sagen nicht mehr: Die Bilanz ist in Schieflage geraten, darum ist das Unternehmen billig – lasst uns das kaufen“, erklärt Bösenberg.

Inzwischen konzentriert sich Sun Capital auf „Underperformer“, sagt Bösenberg. „Für uns sind das Unternehmen, die gesund dastehen, aber eine geringere Marge machen als der Wettbewerb. Die verbessern wir, indem wir das operative Geschäft auf Vordermann bringen.“

Der erste Deal nach diesem Muster: Sun hat Ende September den Nürnberger Autospiegel-Hersteller Flabeg GmbH gekauft. Dessen Muttergesellschaft, die Flabeg Holding, war in die Insolvenz geschlittert – die zweite Tochtergesellschaft, ein Solarspiegel-Hersteller, hatte jahrelang Verluste geschrieben. Die von Sun gekaufte Firma sei dagegen kein Sanierungsfall, betont Bösenberg: „Die Tochter hat kaum unter der Insolvenz gelitten.“

Sun Capital will mehr M&A-Deals in Deutschland machen

Wohl aber sei Flabeg aufgrund der Schwierigkeiten der Holding stiefmütterlich behandelt worden. „Nach der Insolvenz der Mutter im Mai 2013 war das Management in seinen Handlungsspielräumen sehr eingeschränkt und konnte die Tochter zwei Jahre lang nicht optimal aufstellen“, sagt Bösenberg. „Dadurch ließ sich das operative Geschäft nicht verbessern, das Unternehmen konnte sich nicht auf den Wettbewerb vorbereiten. Vieles musste so bleiben, wie es auch jetzt noch ist.“

Jetzt will Bösenberg die Marktanteile von Flabeg in China ausbauen. „Hier liegt ein ungenutztes Potenzial, das wir heben wollen“, skizziert der Investment-Manager seine Pläne für die bayerische Firma. Über Kürzungen sagt Bösenberg nichts. Aber Flabeg hat sieben Produktionsstätten bei einem Jahresumsatz von 90 Millionen Euro – das sieht auf den ersten Blick nicht eben nach einer schlanken Struktur aus.

Doch nicht nur will Bösenberg andere Deals in Deutschland machen. Mindestens genau so wichtig ist es ihm, mehr Deals zu machen. „Wir haben in Deutschland zehn Transaktionen in zwölf Jahren umgesetzt, das ist relativ wenig für eine Volkswirtschaft dieser Größenordnung“, sagt er. Wenn die Zahl der Investments in deutsche Firmen anzieht, dürfte auch das Frankfurter Büro anwachsen. Neben dem hat Sun auch eins in Stockholm aufgemacht – Nummer drei und vier in Europa nach London und Paris.

Sun-Manager Andreas Bösenberg wirbt um Carve-outs

In Deutschland will der Investor Unternehmen mit einem Umsatz zwischen 50 und 150 Millionen Euro kaufen. Zwei Punkte, mit denen Sun sich von der Konkurrenz am Midmarket abzugrenzen versucht, sind Finanzkraft und Tempo. „Wir haben die Möglichkeit, Transaktionen ohne externe Finanzierung und innerhalb von 30 Tagen abzuschließen“, sagt Bösenberg. „Dadurch sind wir extrem flexibel.“

Als einen weiteren Wettbewerbsvorteil betrachtet Bösenberg die Erfahrung, die Sun Capital weltweit mit Carve-outs von Konzernteilen gesammelt hat – der traditionell wichtigsten Deal-Quelle für PE-Investoren. „Ich kenne nicht viele Investoren, die weltweit so viel Erfahrungen mit Carve-outs gesammelt haben wie wir“, unterstreicht er.

Der These mancher PE-Investoren, dass man für Carve-outs Kontakte zu Konzern-Entscheidern pflegen muss, stimmt Bösenberg allerdings nicht zu. „Wir reden hier von über 100 Unternehmen – da kann ich nicht mit allen so enge Beziehungen pflegen, die nötig wären, um bei einem Carve-out einen Vorteil zu haben.“

florian.bamberg[at]finance-magazin.de

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