Inside Corporate Banking

Abonnements

Startseite Deals Deutschland PE-Midmarket schrumpft um 30 Prozent

PE-Midmarket schrumpft um 30 Prozent

2020 war kein leichtes Jahr für den deutschen Private Equity Midmarket. Deshalb kann sich die Performance der PE-Branche auch sehen lassen.
lzf / stock.adobe.com

Das Coronavirus hat auch dem deutschen Private Equity Midmarket schwer zu schaffen gemacht. Nach einer umfangreichen Recherche und Marktbefragung durch FINANCE gab es im vergangenen Jahr 34 Mehrheitsübernahmen deutscher Unternehmen durch Private-Equity-Investoren mit einem Transaktionswert von 50 bis 250 Millionen Euro. Im Jahr 2019, das ein Rekordjahr war, waren es noch 51 FINANCE-Midmarket-Buy-outs – ein Rückgang um ein Drittel.

Weil die Deals 2020 im Schnitt größer waren als im Vorjahr, ergibt sich beim geschätzten kumulierten Marktvolumen ein Rückgang um etwa 25 Prozent auf rund 4 Milliarden Euro. Eine Übersicht über alle Transaktionen und die wichtigsten Markttrends können Sie hier herunterladen.

Wiedererwachte Dynamik im zweiten Halbjahr

Doch so schlecht, wie diese Zahlen aussehen, war die Entwicklung im deutschen Mittelstands-Private-Equity nicht. Das hat zwei Gründe: Zum einen markierten erst 2018 und dann auch 2019 mit großem Abstand neue Rekordmarken. Davor hatte der Midmarket zehn Jahre gebraucht, um wieder an das vorherige Rekordjahr 2007 anzuknüpfen. Tatsächlich liegen die 2020er-Werte ziemlich genau auf dem Niveau der Jahre 2016 und 2017. So wurde der Coronakrisen-Jahrgang 2020 immer noch zum viertbesten seit Beginn dieser Statistik im Jahr 2004.

Zum anderen ist die Dynamik der Markterholung immens: Allein 26 der 34 verzeichneten Deals 2020 fanden im zweiten Halbjahr statt. Im Vorjahresvergleich wird das Ausmaß dieser Leistung noch nicht transparent – im zweiten Halbjahr 2019 gab es sogar 36 Transaktionen im deutschen Midmarket. Aber abgesehen von 2019 lag die Transaktionstätigkeit des zweiten Halbjahrs 2020 über jedem einzelnen anderen Jahr. „Diese Erholung seit dem Sommer ist bemerkenswert“, findet Torsten Grede, der Chef des langjährigen Marktführers in diesem Segment, der DBAG. „Wir erwarten, dass das auch 2021 so bleiben wird für die von der Pandemie nicht getroffenen Unternehmen.“ 

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von datawrapper.dwcdn.net zu laden.

Inhalt laden

Unternehmer zögerten bei Nachfolge-Deals

Beim tieferen Blick in die Struktur des Marktes wird deutlich, welche Teilbereiche überdurchschnittlich stark zu dem Rückgang gegenüber 2019 beigetragen haben. Das sind zum einen Nachfolgeregelungen, von denen es 2020 im deutschen Midmarket nur noch fünf gab. 2019 waren es zwölf, 2018 sogar 19. Offensichtlich verleiteten die Corona-Folgen und die damit einhergehenden zeitweisen Einbrüche bei den Bewertungs-Multiples vor allem Unternehmer dazu, geplante Verkaufsprozesse aufzuschieben oder gar abzusagen.

Ähnliches gilt für die Primary Buy-outs, hinter denen sich in den meisten Fällen Konzern-Spin-offs verbergen. Deren Anzahl sank 2020 um 40 Prozent auf 23. Deutlich schneller passten sich nach dem Frühjahr die Private-Equity-Häuser selbst an die veränderte Lage an: Die Zahl der Secondary Buy-outs ging 2020 im Vergleich zum Vorjahr nur leicht von zwölf auf zehn zurück.

Automotive bricht zusammen

Auch bei den Branchen, in denen die Investments stattfanden, ergibt sich ein starkes Auseinanderlaufen von Sektoren: In einigen Branchen herrschte trotz Corona rege Transaktionstätigkeit, andere belasteten die Jahresperformance stark. So entfiel 2020 ein größerer Deal-Anteil denn je auf die Boom-Sektoren Software und Healthcare. Zusammen stellten sie 13 der 34 Deals, acht davon im Softwaresektor. Das waren genauso viele wie 2019 (damals allerdings mit neun Healthcare-Deals) und mehr als 2018 (sechs Healthcare, fünf Software).„Gerade IT-Services und Software stehen hoch im Kurs, weil sie vom Trend zu Automatisierung und Digitalisierung profitieren – das stand gerade im vergangenen Jahr im Fokus“, resümiert Grede.

Einen herben Einbruch erlitten hingegen kapitalintensive Branchen, allen voran die beiden Private-Equity-Klassiker Automotive und Maschinenbau. So gab es 2020 im Midmarket nur noch einen Maschinenbau-Deal und sogar keinen einzigen aus der Automobilbranche.

Was für eine Zeitenwende das darstellt, zeigt der Blick auf die Gesamthistorie seit 2004. In dieser 17-Jahres-Betrachtung liegt Automotive immer noch weit vorne mit 61 Deals. Healthcare hat sich mit 50 Transaktionen inzwischen auf Position 2 nach vorne geschoben. Der Maschinen- und Anlagenbau liegt im historischen Ranking mit 39 Deals noch auf Platz 5, aber schon in diesem Jahr droht ein weiterer Rückschritt auf Platz 6 oder sogar auf Platz 7.

Abschreiben sollte die PE-Industrie diese Branchen aber nicht, meint Grede: „Industrie bleibt das Herz des deutschen Mittelstands und damit auch weiterhin attraktiv für Private Equity.“ 2020 empfindet er als „Ausnahmejahr, in dem vor allem Geschäftsmodelle mit Bezug zur Industrie schwer einzuschätzen“ gewesen seien.

Nichtsdestotrotz verläuft die gegenwärtige Wachablösung auf breiter Front: Neben Healthcare und Software holen auch Investments in Dienstleistungsunternehmen schnell auf. Hiervon gab es im vergangenen Jahr sechs, was im historischen Ranking mit 45 Transaktionen zu Platz 3 führt. Besonders gefragt im Corona-Jahr 2020: Industriedienstleister, von denen vier im Portfolio eines Mittelstandsinvestors landeten. 
 
michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Info

Eine Übersicht über alle 34 Midmarket-Deals des vergangenen Jahres sowie weiterführende Statistiken können Sie im Rahmen der „FINANCE Midmarket-Buy-outs 2020“ hier herunterladen.

Wer die aktivsten Finanzinvestoren 2020 gewesen sind und ob die DBAG ihre langjährige Marktführerschaft gegenüber dem Verfolger Equistone behaupten konnte, erfahren Sie morgen bei FINANCE-Online.

Website | + posts

Michael Hedtstück ist Chefredakteur von FINANCE-Online und FINANCE-TV und verantwortet die Online-Aktivitäten des FINANCE-Magazins. Er ist zweifacher Träger des Deutschen Journalistenpreises.

Newsletter

FINANCE Daily

Mit dem FINANCE Daily erhalten Sie täglich eine redaktionelle Zusammenfassung der wichtigsten Geschehnisse in der Finanzwelt direkt in Ihr Postfach.

Jetzt anmelden