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Private Equity: Starkes Jahr am deutschen Mid-Market

Folienfertigung bei Huhtamaki Films. Das neue Portfoliounternehmen der DBAG war einer der größten PE-Deals am deutschen Mid-Market 2014.
Huhtamaki Films

Ein enorm starkes viertes Quartal hat 2014 zu einem der besseren Jahrgänge für Private Equity im deutschen Mittelstand gemacht. In den letzten drei Monaten des Jahres kauften PE-Investoren es nach einer Analyse von FINANCE-Research 15 deutsche Mittelständler mit einem Unternehmenswert zwischen 50 und 250 Millionen Euro – mehr als doppelt so viele wie im letzten Quartal 2013. Dafür legten sie rund 1,4 Milliarden Euro auf den Tisch. Aktuell läuft das Private-Equity-Geschäft in Deutschland – auch mit größeren Deals – so gut wie lange nicht mehr.

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DBAG bleibt Marktführer, Equistone knapp dahinter

Der kräftige Endspurt lässt auch die Jahresbilanz glänzen: Mit 31 Deals und rund 3,2 Milliarden Euro Transaktionsvolumen schloss der deutsche Mid Market 2014 um rund 40 Prozent besser ab als im schwachen Jahr 2013 und erreichte damit nahezu wieder das Niveau von 2011 und 2012. Deutlich stärker waren nur die Jahrgänge 2006 und 2007, als bei 34 beziehungsweise 36 Deals jeweils fast 4 Milliarden Euro Dealvolumen bewegt worden sind.

Aktivster Player im deutschen Mid-Market war auch 2014 wieder die Deutsche Beteiligungs AG, die vier Unternehmen erwarb: im Frühjahr die Bäckereikette Dahlback, im November und Dezember dann den Maschinenbauer Pfaudler, den Folienhersteller Huhtamaki Films und die Gießerei Gienanth. Der Münchner PE-Investor Equistone brachte drei Neu-Investments auf den Weg, Afinum, Ardian, Capiton, DPE und Paragon jeweils zwei. Auch im laufenden Jahr will DBAG-Chef Torsten Grede weiter kräftig investieren.

Auf Sicht der zurückliegenden zehn Jahre rangiert die DBAG mit 15 Deals auf Platz 2, knapp hinter dem PE-Investor Equistone, der seit 2005 FINANCE-Analysen zufolge 16 Investments im beobachteten Mittelstandssegment auf den Weg gebracht hat. Auf Platz 3 liegt der PE-Investor Odewald mit zwölf Transaktionen.

Dealvolumen im deutschen Mid-market 2004-2014

in Mio. €

Quelle: FINANCE-Research

Stiftungen und Family Offices drängen in den Mid Market

Neben den Marktführern, die schon seit Jahren in fast unveränderter Zusammensetzung an der Spitze des deutschen Mittelstandsmarktes stehen, drängten aber auch 2014 wieder neue Player in den Markt. Waren es in den Vorjahren vor allem ausländische Finanzinvestoren, ist 2014 das Jahr der Stiftungen und Family Offices geworden.

So hat die RAG-Stiftung Ende November erstmals am deutschen Mid Market zugeschlagen und vom PE-Investor Zurmont Madison den Zeltbauer Röder erworben. Die Holler-Stiftung schnappte einigen bekannten PE-Investoren den Anlagenbauer Clean Car vor der Nase weg, und auch Haniel sucht intensiv nach Targets im Mittelstand: Vier bis sechs Mittelständler sollen zeitnah ins Portfolio kommen. „Die Family Offices sind mittlerweile auch offen für Direktinvestments und die Teilnahme an Bieterprozessen“, hat der Small-Cap-Investor Christoph Kauter beobachtet, der mit Beyond Capital Partners gerade eine neue Private-Equity-Gesellschaft für den deutschen Mittelstand lanciert. Auch wenn Transaktionen wie Clean Car oder Röder nicht die klassischen Private-Equity-Strukturen aufweisen, sind die dealhungrigen Stiftungen 2014 doch zu neuen ernsthaften Wettbewerbern der alteingesessenen PE-Investoren geworden.

Warnschuss im Oktober: Wie robust ist der Aufschwung?

Der starke Wettbewerb und die hohe Verfügbarkeit von Fremdkapital hat auch 2014 die Bewertungen weiter anziehen lassen, im deutschen Mid-Cap-Segment FINANCE-Schätzungen zufolge um rund 2,5x Ebitda, bei den kleineren Small-Cap-Deals immerhin noch um etwa 1,5x Ebitda.

Doch der Warnschuss im Oktober, als nach einem Kursrutsch des Dax mit einem Mal gleich mehrere fast zu Ende verhandelte Private-Equity-Deals zu wackeln begannen, weil die Banken ihre Finanzierungszusagen wieder einkassierten, hat Zweifel geweckt an der Robustheit des Aufwärtstrends. „Die dynamische Entwicklung der Leverages und Finanzierungskonditionen ist vor allem liquiditäts- und zinsumfeldgetrieben“, glaubt Paul Kim, Leveraged-Finance-Spezialist der Finanzierungsberatung Herter & Co. Er warnt: „Wenn sich an diesem Rahmenfaktoren etwas ändert, wird man es auch deutlich am Finanzierungsmarkt spüren.“

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Info

Eine ausführliche Analyse zur aktuellen Lage am deutschen Markt für Mittelstands-Private-Equity lesen Sie in der nächsten Ausgabe von FINANCE, die am 30. Januar erscheint. Dort veröffentlicht FINANCE auch die Liste aller Private-Equity-Deals des Jahres 2014 mit einem Transaktionsvolumen zwischen 50 und 250 Millionen Euro.

Weitere News, Analysen und Interviews aus dem boomenden deutschen PE-Markt finden Sie auf der FINANCE-Themenseite zu Private Equity und in unserem brandneuen Themendossier Private Equity.

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Michael Hedtstück ist Chefredakteur von FINANCE-Online und FINANCE-TV und verantwortet die Online-Aktivitäten des FINANCE-Magazins. Er ist zweifacher Träger des Deutschen Journalistenpreises.

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