Newsletter

Abonnements

Übernahme abgeblasen: Potash verliert Interesse an K+S

Aufatmen bei K+S: Potash zieht sein Übernahmeangebot zurück.
K+S Aktiengesellschaft

Wiederholt hatte der K+S-Vorstand um CFO Burkhard Lohr seinen Widerstand gegen die Übernahmepläne des kanadischen Wettbewerbers Potash erklärt. Nun sind die Hessen am Ziel: Potash hat das Übernahmeangebot offiziell zurückgezogen. Die laut Marktbeobachtern von Goldman Sachs, CMS und Brunswick beratene Abwehrstrategie war damit auf den ersten Blick erfolgreich.

Ob sie sich allerdings für die Aktionäre auch finanziell gelohnt hat, wird sich noch zeigen müssen. Zum Tagesstart brachen die K+S-Papiere zunächst dramatisch ein: Nachdem sie den Handel in der Vorwoche bei rund 31 Euro beendet hatten, notierten die Aktien am Montagvormittag mehr als 20 Prozent tiefer bei rund 24 Euro. Die Kanadier hatten 41 Euro pro K+S-Aktie in Aussicht gestellt.

Potash begründete seinen Rückzug mit der schlechten Entwicklung der weltweiten Rohstoffmärkte, in deren Folge viele Branchenunternehmen Preisrückgänge im Absatzgeschäft, aber auch Kursrückgänge von bis zu 40 Prozent hätten hinnehmen müssen. Auch die K+S-Aktie hatte den durch das Übernahmeangebot erhaltenen Auftrieb zuletzt wieder fast vollständig eingebüßt: Nachdem das Angebot bekannt geworden war, kletterten die K+S-Aktien von 29 Euro auf über 40 Euro, notierten aber zuletzt fast wieder auf dem Niveau, das sie vor der Offerte hatten.

K+S-Abwehr gegen Potash erntet auch Kritik

Potash-CEO Jochen Tilk schiebt der K+S-Führung den schwarzen Peter zu. Er betonte erneut, das Angebot biete einen fairen Wert und habe feste Zusagen an Mitarbeiter und Gewerkschaften enthalten. Doch das herausfordernde makroökonomische Umfeld sowie das „fehlende Engagement“ seitens des K+S-Managements hätten dazu geführt, dass die Übernahme nicht mehr im besten Interesse der Potash-Aktionäre liege.

Die Abwehrbemühungen von K+S haben am Markt nicht nur Zuspruch erhalten. Einerseits sagten einige Marktteilnehmer gegenüber FINANCE, die Abwehrbemühungen seien geradezu lehrbuchhaft gewesen: Man habe die Strategie erläutert, sogar die Politik eingeschaltet, und auch die Privataktionäre haben die Übernahme in einer von K+S angestrebten Umfrage abgelehnt. Andere dagegen finden, dass K+S bereits im Vorfeld intensiver hätte nach Wegen suchen müssen, um die Performance zu steigern oder einen Ankerinvestor an Bord zu holen.

K+S war aufgrund der Kursentwicklung der vergangenen Jahre angreifbar: Der Aktienkurs hatte seinen Höchststand im Sommer 2008 bei mehr als 90 Euro. Als fünf Jahre später die Kalipreise einbrachen, rutschte er zwischenzeitlich unter 20 Euro ab. Der Streubesitz der Aktie liegt bei 100 Prozent, davon gehören 70 Prozent institutionellen Investoren. Lediglich Blackrock überschritt im Sommer die Schwelle von 5 Prozent der Anteile.

K+S muss nun aus eigener Kraft Wachstum schaffen

Die Kasseler hatten stets behauptet, dass das Angebot von 41 Euro je Aktie dem Wert des Unternehmens nicht angemessen sei. Das Argument stützen sie auf das Minenprojekt „Legacy“, das zurzeit in Kanada entsteht. K+S-Chef Norbert Steiner sagte, allein der Buchwert belaufe sich auf 11 Euro je Aktie, mit Blick auf künftige Erträge käme man auf bis zu 21 Euro je Aktie.

Die Produktion in der Mine soll Ende 2016 beginnen, von 2017 an erwarten die Kasseler dann positive Cashflows aus dem kanadischen Projekt. Für die Aktionäre wird sich erst dann erweisen, ob es wirtschaftlich richtig war, das Angebot abzulehnen. In der ersten Runde sind zumindest die Kleinaktionäre der Argumentation des Managements gefolgt und drängten nicht auf einen Verkauf.

Doch mit einem Kurs von 24 Euro dürften sich die Investoren nicht dauerhaft zufrieden geben. Das K+S-Management wird zügig Erfolge vorweisen müssen. Sonst könnte Potash eine ruhigere Marktlage abwarten und mit einem neuen, womöglich sogar niedrigeren Angebot zurückkommen. Für die K+S-Führung wäre eine solche Entwicklung auch persönlich ein Schlag ins Kontor. Sollte der Kurs sich bis dahin nicht deutlich erholt haben, könnten einige Investoren sich dann aufgeschlossener gegenüber einem Verkauf des Dax-Konzerns zeigen.

Info

Wie es sich für einen CFO anfühlt, wenn sein Unternehmen zum M&A-Target wird und wie sich Abwehrstrategie und Verhandlungsmarathon gestalten, lesen Sie in der aktuellen Printausgabe des FINANCE-Magazins, die Sie hier bestellen oder als E-Paper beziehen können.

+ posts
Themen
Augenöffner für Finanzentscheider
Inside Corporate Banking: Die Serie zum Banken-Survey 2022
Jetzt Insights sichern »
Jetzt lesen »
Inside Corporate Banking: Die Serie zum Banken-Survey 2022