Acciona hat ein Übernahmeangebot für Nordex vorgelegt. Es erscheint allerdings unwahrscheinlich, dass viele Aktionäre ihre Papiere andienen werden.

Nordex

08.10.19
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Acciona legt Offerte für Nordex vor

Nach einer Kapitalspritze hat Großaktionär Acciona die 30-Prozent-Marke bei Nordex überschritten und den Aktionären ein Übernahmeangebot unterbereitet. Der Equity Value liegt bei 1,1 Milliarden Euro.

Steht der Windanlagenbauer Nordex vor einer Übernahme? Der Großaktionär Acciona hat ein Übernahmeangebot für Nordex veröffentlicht: Die Spanier bieten 10,32 Euro je Nordex-Aktie, das entspricht dem durchschnittlichen Börsenkurs der vergangenen drei Monate vor Veröffentlichung des Angebots.

Auslöser der Offerte ist eine heute Vormittag angekündigte Kapitalerhöhung bei Nordex, bei der der Großaktionär knapp 10 Millionen Aktien zu je 10,21 Euro zeichnet. Nordex fließen durch die Kapitalerhöhung 99 Millionen Euro zu, doch es gibt noch eine weitere Folge: Acciona, das vor der Kapitalerhöhung bereits 29,9 Prozent an Nordex hielt, kommt durch die Zeichnung weiterer Aktien nun auf einen Nordex-Anteil von 36,3 Prozent. Durch die Überschreitung der 30-Prozent-Marke sind die Spanier verpflichtet, ein Übernahmeangebot vorzulegen.

Übernahmehoffnung treibt Nordex-Aktie

Nordex selbst nahm die Beteiligung von Acciona an der Kapitalerhöhung positiv auf: „Wir begrüßen, dass Acciona ihr Engagement verstärkt und als größte Einzelaktionärin Nordex mit weiterem Eigenkapital unterstützt", so Nordex-Vorstandschef José Luis Blanco. Mit dem Erlös aus der Kapitalerhöhung soll die Kapitalstruktur des Windanlagenbauers gestärkt werden. Die Transaktion bringe zusätzliches Eigenkapital, „um das starke Auftragsmomentum bedienen zu können“.

Bereits nach Bekanntwerden der Kapitalerhöhung und in Erwartung eines Übernahmeangebots schoss die Nordex-Aktie um mehr als 8 Prozent auf über 11 Euro in die Höhe und hielt diesen Wert auch nach Bekanntgabe des deutlich niedrigeren Angebots. Unklar war zunächst, ob sich Acciona für ein befreiendes freiwilliges oder ein Pflichtangebot entscheiden würde – nun ist es letzteres geworden.

Christoph Burkhard, Nordex SE

Christoph Burkhard startet seine Karriere als Analyst für die Europäische Kommission in Luxemburg, bevor er anschließend zur BHF Bank nach Frankfurt wechselt. Daran schließen sich Auslandsaufenthalte mit der BHF Bank in Tschechien (Prag) und für die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) in Russland (Samara und Togliatti) an. 1998 wechselt Burkhard zu Siemens Financial Services nach München, wo er sechs Jahre im Finanzbereich für die operativen Einheiten von Siemens Projekt- und Exportfinanzierungen strukturiert und verhandelt.

2004 übernimmt der Manager eine kaufmännische Führungsposition im Großprojektgeschäft des damaligen Siemens-Bereichs Mobile Networks. Anschließend wechselt Burkhard in die Konzernstrategie in der Siemens-Zentrale bevor er 2008 mit der Familie nach Hamburg zieht, um bei Siemens Wind Power als CFO der Region EMEA im Onshore Wind Geschäft zu starten. Ab 2011 übernimmt er dann als CFO die globale Verantwortung für das Offshore Wind Geschäft von Siemens. Im September 2016 tritt Burkhard die Stelle des Finanzvorstands bei dem Hamburger Windturbinenbauer Nordex an.

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Acciona bewertet Nordex-Eigenkapital mit 1,1 Milliarden

Für die ausstehenden Nordex-Anteile von 63,4 Prozent würde Acciona insgesamt rund 700 Millionen Euro zahlen. Die Offerte bewertet das Eigenkapital des Unternehmens mit rund 1,1 Milliarden Euro. Besonders attraktiv ist das Übernahmeangebot angesichts des aktuell darüber liegenden Kurses allerdings nicht. Daher erscheint es aus derzeitiger Sicht unwahrscheinlich, dass viele Aktionäre ihre Anteile andienen werden.

Ein weiterer Großaktionär ist die Beteiligungsgesellschaft Skion der Milliardärin Susanne Klatten, die 5,7 Prozent an Nordex hält. Ob sie ihren Anteil verkaufen will, ist nicht bekannt. Einem Bericht des „Handelsblatts“ zufolge unterstützt sie aber den Schritt von Acciona. Vorstand und Aufsichtsrat von Nordex wollen das Acciona-Angebot nun prüfen, wie es in einer Mitteilung heißt, und „fristgerecht eine begründete Stellungnahme abgeben“.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de