Durchbruch für Adidas: Nachdem die Herzogenauracher Reebok schon im Februar ins Schaufenster gestellt haben, haben sie jetzt einen Käufer gefunden. Das US-Unternehmen Authentic Brands übernimmt den Sportartikelhersteller. Das teilte Adidas am gestrigen Donnerstagabend mit.
Nach langer Käufersuche sind die erzielten Konditionen für Adidas ein großer Erfolg. Das US-Unternehmen legt für Reebok bis zu 2,1 Milliarden Euro auf den Tisch. Zuletzt hatte das fränkische Unternehmen die Tochter noch auf einen Buchwert von 757 Millionen Euro heruntergeschrieben. Im Markt wurde daraufhin über einen Kaufpreis von 1 Milliarde Euro spekuliert. Der Deal soll im ersten Quartal 2022 abgeschlossen werden und unterliegt noch den üblichen Vollzugsbedingungen. Neben Authentic Brands soll am Ende des M&A-Prozesses verschiedenen Medienberichten zufolge auch der Outdoor-Ausrüster Wolverine noch mitgeboten haben.
Der Großteil des Kaufpreis will Authentic Brands in bar bezahlen – wenn auch nicht alles sofort. Ein Teil hängt von einer Earn-out-Regelung ab und wird später gezahlt. Wie hoch der Earn-out-Anteil genau ist und wann dieser fließen soll, wollte Adidas auf FINANCE-Anfrage hin nicht mitteilen. Der Dax-Konzern will einen großen Teil des direkten Barerlöses über eine Sonderdividende oder einen Aktienrückkauf an seine Aktionäre ausschütten. Deren Freude ist groß, der der Kurs legt am heutigen Freitag um rund 2 Prozent auf 318 Euro zu.
Adidas misslang die Transformation von Reebok
Mit dem M&A-Deal endet ein tristes Kapitel in Adidas‘ M&A-Historie. Von Beginn an schwächelte Reebok, auch eine breit angelegte Transformation, gestartet im Jahr 2016, brachte keine entscheidende Wende. Die Herzogenauracher hatten Reebok 2006 für 3,8 Milliarden US-Dollar beziehungsweise damals rund 3,1 Milliarden Euro übernommen. Zwischenzeitlich wurden aus dem Reebok-Portfolio die Marken Rockport, CCM Hockey und Greg Norman verkauft, was rund 0,4 Milliarden Euro an Rückflüssen brachte.
Damit fährt Adidas nun im Vergleich zum damaligen Kaufpreis einen Verlust ein. Bei einem kumulierten Verkaufserlös von 2,5 Milliarden Euro beliefe sich der Verlust auf rund 600 Millionen Euro, die Gewinne und Verluste, die Reebok in der Adidas-Zeit erzielte, ausgeklammert.
Transaktionskosten werden diesen Verlust noch etwas ausweiten: Die Abspaltung der eng ins eigene Produktions- und Vermarktungsnetz integrierten Marke kostet Adidas in diesem Jahr rund 200 Millionen Euro.
Adidas scheitert mit Angriff auf Nike
Für den Finanzausblick für dieses Jahr soll der Deal jedoch keine nennenswerten Auswirkungen haben, teilte Adidas mit. Auch die für 2025 gesteckten Ziele der Strategie „Own the Game“ seien unverändert. Der einstige Plan, mit dem Kauf von Reebok an den Weltmarktführer Nike heranzukommen, ist damit gescheitert.
Beraten wurde Adidas beim Reebok-Exit von J.P Morgan und Hengeler Mueller, Authentic Brands von KPMG und Latham & Watkins. Auch die Bank of America Securities und Goldman Sachs waren beratend tätig und „stellten gleichzeitig eine zugesagte Finanzierung bereit“, heißt es in der Pressemitteilung von Adidas.
Authentic Brands will an die Börse
Der neue Eigentümer ist ein wenig bekanntes Unternehmen, das jedoch über sein Portfolio Aufmerksamkeit erregt. Authentic Brands hat sich mittlerweile ein Paket von über 30 Marken zusammengekauft und strebt an die New Yorker Börse. Dazu zählen zum Beispiel Forever 21 und Sports Illustrated. Der IPO soll rund 1,5 Milliarden US-Dollar einbringen. Auch der Finanzinvestor General Atlantic will davon profitieren, er ist an Authentic Brands beteiligt. Daneben halten auch Blackrock und der Shopping-Mall-Betreiber Simon Property Anteile.
Sarah Backhaus ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Backhaus ist spezialisiert auf die Themen Restrukturierung, Transformation, Zahlungsverkehr und Cash Management. Sie hat Journalismus an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Köln studiert. Sarah Backhaus arbeitete während ihres Studiums unter anderem für Onlinemagazine von Gruner + Jahr und schrieb als freie Journalistin für die Handelszeitung, faz.net und Impulse.
