3 Dollar mehr: Bayer-Chef Werner Baumann will den Monsanto-Deal unbedingt.

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15.07.16
Deals

Bayer erhöht Monsanto-Angebot

Bayer stockt sein Übernahmeangebot für Monsanto um 1,3 Milliarden Dollar auf und macht zudem einen großen Schritt auf die Kartellbehörden zu. Bayer-Chef Werner Baumann will den Deal unbedingt.

Bayer macht Druck in dem festgefahrenen M&A-Prozess um die Übernahme des US-Saatgutriesen Monsanto. Der Dax-Konzern stockt sein Kaufangebot von 122 auf 125 US-Dollar pro Monsanto-Aktie auf, dies entspricht einer Steigerung um insgesamt 1,3 Milliarden Dollar. Damit erhöht sich der Kaufpreis für alle ausstehenden Aktien von 62 auf mehr als 63 Milliarden Dollar(umgerechnet 56 Milliarden Euro). Die Aufstockung ist allerdings kleiner als erwartet: Analysten und Investoren hatten zuletzt mit einem Übernahmepreis von 135 Dollar pro Aktie gerechnet. Monsanto – von Morgan Stanley beraten – hat die Aufstockung lediglich „zur Kenntnis genommen“.

Die Begründung für die Aufstockung ist vergleichsweise nebulös: Vertrauliche Gespräche hätten neue Informationen ergeben, die ein höheres Gebot rechtfertigen, teilte Bayer mit. Welche Informationen dies im Einzelnen sind, wurde nicht bekanntgegeben. 

Bayer hat Finanzierung gesichert

Auch an anderer Stelle geht Bayer derzeit auf die Amerikaner und die anderen indirekt involvierten Dealparteien zu. „Bayer ist bereit, gegenüber den Behörden – soweit notwendig – bestimmte Zusagen zu machen, um den Vollzug der Transaktion zu ermöglichen“, erklärt der Dax-Konzern. Dabei dürfte es um Kartellrechtsthemen gehen. Für den Fall, dass die Kartellbehörden die notwendigen Freigaben nicht erteilen sollten, bietet Bayer Monsanto nun eine Ausgleichszahlung in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar. „Bayer hat die feste Absicht, diese Transaktion abzuschließen“, betonte Bayer-Chef Werner Baumann noch einmal.

Die Finanzierung dafür steht: Die Großbanken Bank of America, Credit Suisse, HSBC, Goldman Sachs und JP Morgan haben Bayer eine Brückenfinanzierung über 60 Milliarden Euro zugesichert. Bayer-CFO Johannes Dietsch könnte das Kreditvolumen sogar auf 75 Milliarden Euro aufstocken.

Verhandelt Monsanto mit BASF?

Die Vehemenz, mit der Baumann den Deal vorantreibt, überrascht. Die Investoren hatten auf das Monsanto-Angebot sehr negativ reagiert, die Bayer-Aktie verlor rund 20 Prozent an Wert, als sich die M&A-Pläne konkretisierten. Außerdem laufen die Monsanto-Geschäfte schlecht, die jüngst vorgelegten Quartalszahlen der Amerikaner waren schwach. Auch Reputationsrisiken bestehen: FINANCE-Kolumnist Matthias Meitner bezeichnet den Deal als „Abenteuer“ und „Blindflug“. 

Doch offenbar ist Bayer unter Zugzwang geraten. Monsanto-Chef Hugh Grant behauptet, auch mit anderen Parteien Gespräche zu führen. Erst gestern verdichteten sich Hinweise darauf, dass Monsanto das Agrargeschäft von BASF kaufen und den Bayer-Rivalen zum Großaktionär machen könnte. Dabei war das Bayer-Angebot bereits vor der Aufstockung schon großzügig. Nach der Aufstockung steigt die Monsanto-Bewertung auf rund 16x Ebitda. Für die Finanzierung bräuchte Bayer eine Monster-Kapitalerhöhung über fast 15 Milliarden Euro, und trotzdem würden die ausstehenden Hybridanleihen wohl ihren Investmentgrade-Status verlieren.

Die Bayer-Aktie, die sich in den vergangenen Wochen etwas erholen konnte, reagiert heute kaum auf die neue Entwicklung im Übernahmepoker. Das Monsanto-Papier klettert dagegen kräftig um zeitweise 5 Prozent, liegt mit 105 Dollar aber immer noch weit unter dem Bayer-Gebot. Analysten loben, dass Bayer mit der unerwartet geringen Aufstockung „Preisdisziplin“ zeige.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Interessante Infos zu den Köpfen hinter dem Deal finden Sie in den FINANCE-Köpfe-Profilen von Werner Baumann und Johannes Dietsch.