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Brookfield will sich Alstria Office schnappen

Der kanadische Vermögensverwalter Brookfield will das Immobilienunternehmen Alstria Office aus Hamburg kaufen. Foto: Postmodern Studio - adobe.stock.com

Das Immobilienunternehmen Alstria Office aus Hamburg hat ein Übernahmeangebot des Vermögensverwalters Brookfield Asset Management erhalten. Wie Alstria bekannt gab, planen die Kanadier im Dezember ein Übernahmeangebot abzugeben, dass Alstria mit fast 3,5 Milliarden Euro bewerten würde – zuzüglich der Nettofinanzverschuldung von knapp 1,6 Milliarden Euro.

Bei der Transaktion wird UBS als exklusiver Finanzberater und Anbieter einer Fairness Opinion für Alstria agieren, während Allen & Overy als Rechtsberater und die Kanzlei Skadden als Steuerberater fungieren.

Brookfield ist bei Alstria bereits in Stellung

Der Finanzinvestor, der seinen Sitz im kanadischen Toronto hat, hält offiziell bereits 8,4 Prozent der Aktien an dem Hamburger Immobilienunternehmen. Laut Pflichtmitteilung wurde die Schwelle von 5 Prozent im Juni dieses Jahres überschritten. Nach Angaben der Analysten von UBS dürfte der tatsächliche Anteil aktuell aber schon 9,99 Prozent betragen.

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Andere Hauptaktionäre sind die US- Investmentgesellschaft Blackrock, der norwegische Staatsfonds, die französische Investmentbank SAS Rue la Boétie sowie der deutsche Vermögensverwalter DWS, wobei Blackrock mit 6,6 Prozent nach Brookfield die meisten Anteile hält.

All diese Aktionäre dürften grundsätzlich verkaufsbereit sein, weil keiner von ihnen ein strategisches Interesse an Alstria hat. Doch die Prämie, die Brookfield bietet, ist nicht besonders üppig: Der gebotene Preis von 19,50 Euro je Aktie liegt 17 Prozent über dem gestrigen Schlusskurs und lediglich 7 Prozent über dem von Alstria ausgewiesenen inneren Wert des Immobilienportfolios. Andererseits schloss die Alstria-Aktie gestern Abend nicht weit unter ihrem Allzeithoch von 19 Euro, das Mitte Juli markiert wurde, als erstmals Übernahmegerüchte rund um Brookfield die Runde machten. Vor einem Jahr notierte das Papier noch bei 11 Euro.

Alstria-Office-Aktienkurs der zurückliegenden 6 Monate

Brookfield definiert die Mindestannahmeschwelle bei sehr konservativen 50 Prozent. Einen Beherrschungsvertrag wollen die Kanadier zumindest in den nächsten drei Jahren nicht abschließen. Das Alstria-Management unterstützt das Kaufangebot. Das Closing ist für das erste Quartal 2022 angepeilt. Aktuell notiert die Alstria-Aktie exakt auf Höhe des Übernahmeangebots.

Alstria und Brookfield wollen Investitionen stemmen

Alstria ist ein Vermieter und Projektentwickler von Büroimmobilien. Mit einem Verschuldungsgrad („Loan to Value“: LTV) von 30 Prozent zählen die Hamburger zu den konservativeren Immobilenunternehmen am deutschen Aktienmarkt. Zum Vergleich: Die unter Beschuss von Shortsellern geratene Adler Group beziffert ihren LTV mit 55 Prozent.

Durch eine „verändernde Nachfrage der Nutzer, welche durch den Dekarbonisierungsbedarf getrieben wird“ sieht Olivier Elamine, Vorstandschef von Alstria, den Bürosektor mit „erheblichen Investitionen“ konfrontiert. Daher begrüße er das Angebot von Brookfield, dessen Kapital durch die Übernahme langfristig an Alstria gebunden werde.

Um diese Investitionen stemmen zu können, verspricht Brad Hyler, Managing Partner und Head of European Real Estate bei Brookfield, Zugang zum „Immobilien-Ökosystem“ des Finanzinvestors, welches Alstria Stabilität liefere. Der kanadische Vermögensverwalter investiert vornehmlich in alternative Anlagen aus dem Infrastruktur- und Immobilienbereich. Mit 650 Milliarden Dollar Assets under Management gehört Brookfield zu den großen Namen der Private-Equity-Industrie.

Alstria hebt Gewinnprognose an

Alstria hat in den vergangenen neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres 136 Millionen Euro an Umsätzen erwirtschaftet, im Vergleich zur Vorjahresperiode sind dies 3,4 Prozent an Mehreinnahmen. Nach einem 9-Monatsverlust in Höhe von 3 Millionen Euro im Vorjahr konnte das Konzernergebnis zum 30. September dieses Jahres auf 82 Millionen Euro verbessert werden. Wegen eines stark laufenden Neuvermietungsgeschäft hat Alstria gestern die Gewinnprognose für das Gesamtjahr leicht angehoben. Weil viele Mietverträge an die Preisentwicklung gekoppelt sind, gilt Alstria als Profiteur einer möglicherweise dauerhaft hohen Inflation.

Die Ratingagentur S&P vergibt dem Immobilienunternehmen derzeit ein Rating von BBB+ mit stabilen Ausblick.

jan.schuermann[at]finance-magazin.de

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Jan Schuermann ist Redakteur bei FINANCE und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit dem Thema Gehalt in der Corporate-Finance-Welt. Er hat in Köln Geschichte, Deutsch und North American Studies studiert. Während eines Auslandsaufenthalt an der UC Berkeley hat er zeitweise für den Daily Californian gearbeitet. Bevor Jan Schuermann zum Fachverlag F.A.Z Business Media gestoßen ist, war er für die Nachrichtenagentur Thomson Reuters im polnischen Danzig tätig.

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