Scholz kommt mit seinem Investorenprozess voran. Jetzt hat sich Chiho-Tiande mit den Kreditgebern des Unternehmens geeinigt.

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29.06.16
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Chiho-Tiande kauft Schulden von Scholz

Die Rettung von Scholz kommt voran: Der chinesische Recycler Chiho-Tiande hat sich mit den Kreditgebern des Familienunternehmens geeinigt. Doch das ist nur der erste Schritt.

Chiho-Tiande hat eine Einigung mit den Inhabern der vorrangigen Bankkredite des Scholz-Konzerns erreicht. Der chinesische Konzern war erst Anfang Mai in den Investorenprozess des finanziell stark belasteten Schrottrecyclers eingestiegen und hatte ihn überraschend schnell für sich entschieden, nachdem bis dato alles auf einen Einstieg des US-Finanzinvestors KKR hingedeutet hatte.  Chiho-Tiande ist ein chinesisches Recycling-Unternehmen und ein großer Importeur von Altmetallen und Altmotoren aus Europa.

Im Zuge des – noch vorbehaltlichen – Debt Purchase Agreements plant Chiho-Tiande, die große Mehrheit aller ausstehenden vorrangigen Darlehen zu kaufen. Der Abschlag zum Nennwert dürfte FINANCE-Informationen zufolge bei über 50 Prozent liegen, das ursprüngliche Kreditvolumen bei mehr als einer halben Milliarde Euro. Die Chinesen werden so zum größten Einzelgläubiger von Scholz und geben als Ziel an, Scholz zuerst zu stabilisieren und dann in die Unternehmensgruppe zu integrieren.

Die Vereinbarung über den Schuldenkauf steht jedoch noch unter Vorbehalt bestimmter Abschlussbedingungen, die das Unternehmen nicht näher definiert hat. Chiho-Tiande rechnet im Juli 2016 mit der finalen Vereinbarung.

Die Einigung umfasst außerdem eine Vereinbarung zur Begleichung aller noch ausstehenden Verbindlichkeiten aus den Anleihen von Scholz. Die Bondholder hatten sich mit dem Unternehmen bereits auf einen tiefen Schuldenschnitt von über 90 Prozent geeinigt.

Chiho-Tiande stellt Überbrückungskredit für Scholz

Damit Scholz die nächsten Monate bis zum geplanten Closing stabil übersteht, hat sich Chiho-Tiande auch verpflichtet, dem deutschen Unternehmen einen Überbrückungskredit von bis zu 50 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Scholz kann diese Mittel nutzen, sobald das Debt Purchase Agreement erfolgreich abgeschlossen ist.

Letzten Endes wollen die Chinesen für Scholz auch eine neue Unternehmensstrategie formulieren. Wie genau diese Strategie aussehen soll, ist noch nicht bekannt. Aber es dürfte darauf hinauslaufen, Scholz etwas unabhängiger von dem sehr margenarmen Schrottrecycling zu machen, das außerdem noch sehr sensibel auf die Schwankungen der Rohstoffpreise reagiert. Behutsam wollen die Chinesen bei der Neuaufstellung vorgehen, teilen sie mit. Die Geschäftsfelder beider Unternehmen seien in hohem Maße komplementär, glaubt Chiho-Tiande. Ziel der Chinesen ist nach eigenen Angaben, ein Schwergewicht in der Metallrecycling-Industrie zu schaffen.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

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