Rettung in Sicht: Die chinesische Chiho-Tiande steht unmittelbar vor der Übernahme der Mehrheit an Scholz.

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20.05.16
Deals

Scholz: KKR ist aus dem Rennen

Die Übernahme von Scholz durch den chinesischen Konzern Chiho-Tiande ist so gut wie in trockenen Tüchern. Der US-Investor KKR ist aus dem Rennen, die Senior-Gläubiger kommen mit einer überraschend hohen Recovery-Quote davon.

Der Investorenprozess bei dem angeschlagenen Schrottrecycler Scholz läuft auf den chinesischen Kaufinteressenten Chiho-Tiande hinaus. Die Chinesen waren erst Anfang Mai überraschend in den M&A-Prozess eingestiegen und haben mit ihrem Angebot in kürzester Zeit offenbar die Kreditgeber von Scholz überzeugt, auf deren Votum es bei der anstehenden Bilanzrestrukturierung ankommt. Einer Mitteilung von Scholz zufolge „haben alle wesentlichen besicherten Gläubiger dieses Angebot angenommen.“

Bei ihnen handelt es sich in erster Linie um Banken, aber auch um einzelne Hedgefonds. Auf diese Gläubigergruppe entfielen auf Basis der aktuellsten verfügbaren Zahlen zum 30. Juni 2015 Finanzschulden in Höhe von fast 717 Millionen Euro. Die besicherten Forderungen, die Gegenstand des Deals mit den Chinesen sind, belaufen sich FINANCE-Informationen zufolge jedoch nur auf etwas mehr als 500 Millionen Euro. Die Chinesen bieten als Kaufpreis 40 bis 45 Prozent dieses Betrags. Der gesamte zu Grunde liegende Unternehmenswert von Scholz liegt bei rund 500 Millionen Euro. Ein Scholz-Sprecher wollte sich auf FINANCE-Anfrage zu den Details des Angebots und des Deals nicht äußern. 

KKR ist raus – Scholz-Familie noch nicht

Der bisherige Favorit auf einen Einstieg bei Scholz, der US-Finanzinvestor KKR, ist nach FINANCE-Informationen aus dem Rennen. Ein KKR-Sprecher lehnte einen Kommentar dazu ab. Nun ist davon auszugehen, dass die Chinesen die erworbenen Kredite – zumindest teilweise – in Eigenkapital umwandeln und damit eine bestimmende Beteiligung an Scholz aufbauen.

Inwieweit sich auch die Eigentümerfamilie Scholz an der notwendigen Eigenkapitalstärkung beteiligt, ist noch nicht bekannt. Bisherige Signale der Scholz-Familie lassen aber darauf schließen, dass ein weiteres Engagement der Familie im Gesellschafterkreis inklusive eines zusätzlichen Investments nicht ausgeschlossen ist. So könnte sich die Scholz-Familie einen gewissen Einfluss bewahren. 

Bondholder stimmen Deal zu – nur 7,7 Prozent Recovery-Quote

Auch die Restrukturierung der 182,5 Millionen Euro schweren Mittelstandsanleihe von Scholz ist so gut wie in trockenen Tüchern. Die Vertreter der Bondholder haben dem Angebot zugestimmt, das ihnen vor einer Woche unterbreitet worden ist. Damit verzichten sie auf einen Großteil ihrer Forderungen. Sie erhalten eine Barzahlung von 14 Millionen Euro und eine potentielle Earn-out-Zahlung von 5,8 Millionen Euro.

Die Recovery-Quote liegt damit bei lediglich 7,7 Prozent. Durch den Earn-out, dessen Auszahlung an das Erreichen bestimmter Geschäftsergebnisse gebunden ist, können ihnen im besten Fall noch weitere 3,2 Prozent des ursprünglichen Nennwerts zufließen. Die Senior-Gläubiger stehen mit einer Recovery-Quote von über 40 Prozent damit wesentlich besser da als die Anleihegläubiger.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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