Osram

27.07.16
Deals

Osram verkauft Lampengeschäft unter Buchwert

Der Leuchtenhersteller Osram verkauft sein Lampengeschäft nach China. Obwohl der Kaufpreis unter Buchwert liegt, gibt sich Osram-Chef Olaf Berlien zufrieden – weil er Sonderkonditionen ausgehandelt hat.

Osram-Chef Olaf Berlien kommt bei seinem nicht unumstrittenen Konzernumbau voran: Der Leuchtenhersteller hat einen Käufer für sein traditionelles Lampengeschäft unter dem Namen Ledvance gefunden. Es ist ein chinesisches Konsortium aus dem chinesischen Licht-Unternehmen MLS sowie den chinesischen Finanzinvestoren Yiwu und IDG. Der Kaufpreis liegt bei über 400 Millionen Euro. Im Vorfeld gab es noch andere Interessenten, das chinesische Konsortium hat aber den höchsten Preis geboten, erklärte Osram-Chef Olaf Berlien bei einer Pressekonferenz.

Dass Osram – vornehmlich mit Chinesen – über einen Verkauf des Endkundengeschäfts verhandelt, ist seit über einem Jahr bekannt. Umso überraschender ist, dass Osram sein Lampengeschäft jetzt rund 100 Millionen Euro unter Buchwert abstößt. Dieser Buchverlust hätte auch schon zum Start des M&A-Prozesses erfasst werden können. Dies deutet stark darauf hin, dass Osram – und die Wirtschaftsprüfer – bis zuletzt von einem wesentlich höheren Verkaufserlös ausgegangen sind. Der Buchwert setzt sich aus dem Anlagevermögen und den diskontierten erwarteten Cashflows zusammen. 

Osram-Chef Berlien hält Kaufpreis für „sehr gut“

Berlien verteidigt den Kaufpreis allerdings: Der Wert des Lampengeschäfts habe im vergangenen Jahr immer stark geschwankt. Der Kaufpreis von rund 400 Millionen Euro sei deutlich über den Erwartungen, die der Kapitalmarkt hatte. Außerdem winken Osram noch zehn Jahre lang Lizenzzahlungen der Chinesen für die Nutzung der Markenrechte. Rechnet man diese gegen die Wertberichtigungen, komme es zu keinem Verlust, argumentiert Berlien: „Es ist ein sehr guter Kaufpreis.“

Der Deal mit MLS hat für Osram einen weiteren Vorteil: MLS hat sich dazu verpflichtet, jährlich LED-Chips im Volumen von rund 100 Millionen Euro aus der neuen Megafabrik in Malaysia zu beziehen, die Osram gerade errichtet. Das werden rund 20 Prozent der Produktion sein. Dies gibt Berlien Auftrieb im Schlagabtausch mit seinen Kritikern – darunter Großaktionär Siemens und Ex-CFO Klaus Patzak –, die das 1-Milliarde-Euro-Projekt in Südostasien für zu riskant halten. Patzak hat infolge der Strategiedebatte mit Berlien Osram im Frühjahr verlassen.   

Ledvance-Eigentümer sind zu gleichen Teilen beteiligt

Der M&A-Deal ist auch ansonsten komplex: Zu Beginn werden alle drei chinesischen Parteien ein Drittel an Ledvance halten, erklärt Berlien. Auf kurz oder lang werden die Finanzinvestoren aussteigen. Diese Kombination aus Industrieunternehmen und Investoren sei wichtig gewesen, um eine finanzielle Stabilität zu garantieren, so Berlien. Die Finanzkraft der beiden Finanzinvestoren ist beachtlich: IDG verwaltet ein Portfolio im Volumen von rund 8 Milliarden US-Dollar, Yiwu von rund 10 Milliarden Dollar.

Dass MLS den Deal mit einem langen Kredithebel finanziert, wollte Osram nicht. Die Münchener fürchteten offenbar, dass  die Schuldenlast für die recht  kleine MLS zu groß hätte werden können. Mit einem Umsatz von 500 Millionen Euro erwirtschaftet das chinesische Lichtunternehmen nur ein Viertel des Umsatzes von Ledvance. Zudem ist Ledvance auf operativer Basis defizitär. Dass sich MLS mit dem Kauf des wesentlich größeren Konkurrenten sowohl finanziell als auch organisatorisch übernimmt, glaubt Berlien nicht. Immerhin sei MLS der Marktführer in China und habe zudem zu Beginn noch die Unterstützung der beiden Investoren.

Von eben dieser Marktführerschaft soll Ledvance profitieren. „Der asiatische Markt ist stark wachsend, und mit der Übernahme durch MLS erhält Ledvance einen Zugang zu diesem Markt“, so Berlien. Osram darf auch weiterhin die Markennamen Osram und Sylvania nutzen und behält 1.000 Patente.

Osram forciert Drei-Säulen-Strategie weiter

Nun wird sich Osram auf die verbliebenen drei Bereiche Speciality Lighting, Lighting Solutions & Systems und Opto Semiconductors konzentrieren. Dabei handelt es sich um Beleuchtung im Automobil- und Industriegeschäft und nicht mehr um das Geschäft mit den Endkunden. Diese Geschäftsfelder sind weniger hart umkämpft, stärker knowhow-getrieben und ertragsstärker als das Endkundengeschäft.

Laut den aktuellen Zahlen zum dritten Quartal, die Osram heute vorgelegt hat, sind alle drei Geschäftsfelder gewachsen. Insgesamt ist der Konzernumsatz im dritten Quartal um 11 Prozent auf 1,44 Milliarden Euro gestiegen. Das Wachstum wurde aber auch durch Vorzieheffekte getrieben. Aufgrund der Trennung von Osram und Ledvance, die organisatorisch und technisch vor allem im Juli stattfand, musste ein Teil der Geschäft in den Juni vorgezogen werden.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Mehr über Werdegang und Karriere-Highlights des ehemaligen Osram-CFOs finden Sie im FINANCE-Köpfe-Profil von Klaus Patzak.