Der erfahrene Private-Equity-Manager Jens Tonn soll das Deutschlandgeschäft des britischen PE-Hauses ICG ankurbeln.

ICG

20.02.13
Deals

Exklusiv: PE-Veteran Jens Tonn wird Deutschlandchef von ICG

Der frühere Candover-Chef Jens Tonn wird Deutschlandchef des Mezzanine-Investors ICG. Das PE-Haus hat sein Spektrum erweitert, aber dennoch erwartet Tonn eine schwere Aufgabe: Er muss ein praktisch totes Produkt am deutschen Finanzierungsmarkt wiederbeleben – oder PE-Häusern wie Oaktree und Triton nacheifern.

Der in der deutschen M&A- Branche sehr bekannte PE-Manager Jens Tonn übernimmt ab sofort das Deutschlandgeschäft des britischen PE-Investors Intermediate Capital Group (ICG), wie FINANCE exklusiv erfahren hat. Tonn wurde als langjähriger Deutschlandchef der britischen Candover Partners bekannt, die bis vor einigen Jahren zu den größten und erfolgreichsten Private-Equity-Häusern Europas zählte, nach Investmentrückschlägen und Problemen im Fundraising inzwischen aber nicht mehr existiert.

Zuletzt war Tonn Deutschlandchef des US-amerikanischen PE-Fonds Vestar Capital Partners, dem er nach dem Verkauf des letzten großen Portfoliounternehmens in Europa, Sunrise Medical (an Equistone), zum Jahreswechsel den Rücken kehrte.

Jens Tonn kann aus dem Vollen schöpfen

Die börsennotierte ICG ist einer der größten PE-Investoren und Asset-Manager der Welt. Ähnlich wie die Deutsche Beteiligungs AG können die Londoner sowohl aus der eigenen Bilanz  als auch aus klassischen PE-Fonds investieren. Insgesamt verwaltet ICG fast 13 Milliarden Euro und hat erst vor wenigen Wochen frisches Kapital in Höhe von 2,5 Milliarden Euro eingeworben, das für Debt- und Equity-Investments in Europa bereitsteht.

Tonn kann also aus dem Vollen schöpfen. Aber dafür muss er zunächst Aufbauarbeit leisten. Seit 2010 hat ICG in Europa zwar fast 2 Milliarden  Euro investiert, aber die letzten deutschen Investments stammen aus dem Jahr 2008. Zu den aktuellen Investments in deutsche Unternehmen gehören Minimax, Casa Reha, SAG und Löwenplay.

Einschließlich Tonn besteht das Frankfurter Büro von ICG aktuell nur aus vier Personen – zu wenig, um im hochkompetitiven deutschen PE-Markt als ernsthafter Anbieter wahrgenommen zu werden. Tonn will das Team jetzt ausbauen.  

PE-Investoren mit wenig Appetit auf Buy-out-Mezzanine

Tonn startet in einem Markt, der zurzeit nicht einfach ist. Das Kerngeschäft von ICG, Mezzanine-Investments in Buy-outs, ist praktisch zum Erliegen gekommen, was auch an den hohen Gewinnerwartungen der wenigen noch aktiven Mezzanine-Geber liegt: Der niedrige Referenzzinssatz Euribor ermöglicht ihnen aktuell Margen von 700 Basispunkten als Cash-Verzinsung und weiteren 500 Basispunkten als endfälligem PIK-Anteil, was sich zu einer Gesamtverzinsung von 12 Prozent aufaddiert, auf die manchmal sogar noch Equity-Kicker oben drauf kommen. Mezzanine-Investoren können so aktuell mit IRRs von über 15 Prozent kalkulieren – nur unwesentlich weniger, als PE-Investoren das tun.

Weil die Renditeerwartungen von Mezzanine- und PE-Investoren sich stark angenähert haben, wird Buy-out-Mezzanine allerdings kaum mehr nachgefragt. Dafür gibt es für ICG auch nicht mehr viel Konkurrenz. Nur noch ganz wenige Häuser forcieren Buy-out-Mezzanine im europäischen Markt, darunter sind Anbieter wie die Schweizer Partners Group, die ihre Wurzeln eigentlich im Dachfondsgeschäft hat.

Minimax, ATU, Jost: Viele Mid-Cap-Deals sind exitreif

Tonn setzt deshalb auf eine andere Strategie, wie er FINANCE verriet. Er will versuchen, das Deutschlandgeschäft analog zu der laut ICG-Angaben erfolgreichen Strategie in anderen europäischen Ländern zu positionieren, wo das PE-Haus flexibel sowohl über die Equity- als auch die Debt-Seite in Unternehmen investiert.

Konkurrenten wie Apollo, Oaktree und Triton sind mit einer ähnlichen Strategie in den turbulenten Finanzierungsmärkten der vergangenen Jahre gut gefahren. Berichten zufolge prüfen diese Fonds gerade einen Einstieg bei dem angeschlagenen Stahlkonzern Schmolz + Bickenbach – über die Debt-Seite.

„In alle Elemente der Kapitalstruktur investieren zu können, erlaubt uns, maßgeschneiderte Lösungen anzubieten, die es am Markt so kaum gibt“, glaubt Tonn. Die Einzeltickets, die er investieren will, reichen von 30 bis zu 300 Millionen Euro – eine breite Spanne. Tonn verfügt damit über einen großen Bauchladen, sowohl hinsichtlich der Finanzierungsarten als auch der Dealgrößen.

Die ersten Investmentgelegenheiten könnten aus dem PE-Bereich kommen. Der Dealflow im Mid- und Large-Cap-Bereich ist im Moment zwar eher schwach. Aber es gibt zahlreiche Mid-Cap-Unternehmen in der Hand von PE-Investoren, bei denen – zumindest was die Haltedauer angeht – der Exit eigentlich schon längst überfällig ist. Dazu gehören unter anderem der Feuerlöscherhersteller Minimax, der LKW-Zulieferer Jost und die Werkstattkette ATU.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de