Der Finanzinvestor Lafayette will den Kettcar-Hersteller Kettler kaufen.

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07.12.18
Deals

Finanzinvestor Lafayette will Kettler retten

Lafayette will den Kettcar-Hersteller Kettler kaufen. Der Finanzinvestor scheint auf gutem Weg, eine wichtige Hürde ist genommen. Ganz in trockenen Tüchern ist der Deal allerdings noch nicht.

Der insolvente Freizeitartikelhersteller Kettler steht offenbar vor der Rettung. Lafayette Mittelstand Capital hat mitgeteilt, den Produzenten des berühmten Kinderautos Kettcar, im Zuge eines Asset-Deals kaufen zu wollen.  Das Traditionsunternehmen erwirtschaftete zuletzt einen Umsatz von rund 100 Millionen Euro.

Etwa 500 der derzeit rund 700 Arbeitsplätze sollen im Zuge des Verkaufs auf die neue Kettler-Gruppe übergehen. Etwa 170 der Beschäftigten sollen in den kommenden Wochen in eine Transfergesellschaft wechseln, in der sie weiter beschäftigt und qualifiziert werden, heißt es.

Der Kaufvertrag sei am gestrigen Donnerstag unterschrieben worden. Dieser umfasse auch die Marken- und Lizenzrechte. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. 

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Kettler-Closing für kommende Woche erwartet

Ganz über die Ziellinie ist der M&A-Deal zwischen Lafayette und Kettler aber noch nicht. Der Kaufvertrag stehe noch unter Gremienvorbehalt und weiteren vereinbarten Bedingungen, wie es in der Mitteilung heißt. Die müssen noch in diesem Jahr erfüllt werden, damit der Kaufvertrag rechtswirksam wird. 

Worum es sich genau handelt, wollte eine Kettler-Sprecherin nicht kommentieren. FINANCE-Informationen zufolge wird das Closing des Deals für Mitte bis Ende kommender Woche erwartet.

Für das Traditionsunternehmen Kettler wäre der Einstieg von Lafayette eine Rettung in letzter Minute. Die Lage bei Kettler ist prekär: Erst vor einem Monat konnte sich das Unternehmen mit einer Zwischenfinanzierung retten. Ohne diese hätte das Unternehmen übereinstimmenden Medienberichten zufolge den Geschäftsbetrieb einstellen müssen. Kettler-Geschäftsführer Olaf Bierhoff soll auch nach der Übernahme Kettler-Chef bleiben und den Turnaround verantworten, teilte Lafayette Mittelstand Capital mit.

Letzte Rettung von Kettler in letzter Minute gescheitert

Das 1949 im Sauerland gegründete Unternehmen hatte in den vergangenen Jahren mit zahlreichen Widrigkeiten zu kämpfen. 2015 musste das Traditionsunternehmen Insolvenz anmelden. Der Neuanfang gelang, aber die nächste Krise ließ nicht lange auf sich warten: Im Juli dieses Jahres rutschte Kettler zum zweiten Mal in die Insolvenz.

Dabei schien eine Einigung mit einem neuen Investor im Sommer bereits zum Greifen nah: Schließlich war ein Verkauf an die luxemburgische Finanzholding Altera Capital dann fehlgeschlagen. Der als Retter fest eingeplante Investor konnte sich dem Vernehmen nach nicht mit der Heinz-Kettler-Stiftung über die letzten Verkaufsmodalitäten einigen.

Die Stiftung hat bei dem Unternehmen großen Einfluss, da sie die Rechtsnachfolgerin der 2017 plötzlich verstorbenen Kettler-Alleinerbin Karin Kettler ist. Diesmal hat die unter neuer Führung stehende Stiftung scheinbar an dem angestrebten Verkauf mitgewirkt, wie der Pressemitteilung zu entnehmen ist: „Dank der tatkräftigen Mitwirkung aller Beteiligten konnten wir nach einem zu Beginn recht schwierigem Prozess nun eine Lösung erarbeiten, welche dem Unternehmen erlauben sollte, erstmals nach langer Zeit sich wieder auf Wachstum und der Dienstleistung für Kettler begeisterte Kunden und Händler fokussieren zu können“, wird Kettler-Geschäftsführer Bierhoff zitiert.  

jakob.eich[at]finance-magazin.de

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